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General Motors: Verlierer und Gewinner der GM-Insolvenz


General Motors  

Viele Verlierer und wenige Gewinner der GM-Insolvenz

01.04.2009, 12:59 Uhr | sky, t-online.de

GM und Chrysler droht die Blitz-Insolvenz (Foto: Reuters)GM und Chrysler droht die Blitz-Insolvenz (Foto: Reuters) Die Sanierung des maroden US-Autobauers General Motors und seines Konkurrenten Chrysler zieht sich mittlerweile über Monate hin. Ein Grund dafür ist der Dauerstreit der Interessengruppen. Nun platzt der Regierung von US-Präsident Barack Obama der Kragen: Ende März gab Washington GM eine letzte Galgenfrist von 60 Tagen. Mittlerweile hält nicht nur die Administration, sondern auch die GM-Führung selbst eine Insolvenz für möglich. Der amerikanische Finanzdienst CNNMoney hat analysiert, wer bei einem Bankrott verlieren würde - und wer davon profitiert.

Die Verlierer einer Insolvenz

Verbraucher: Weniger Restwert für den Gebrauchten

Die US-Regierung hat Ende März betont, sie stehe hinter den von General Motors und Chrysler ausgegebenen Garantien für die verkauften Autos. Dennoch würde das Aus für die Hersteller ein Loch in den Geldbeutel der Autobesitzer reißen. Denn meist sinkt der Wiederverkaufswert eines Fahrzeuges, wenn die Produktion eingestellt wird. Nachdem beispielsweise GM und Chrysler die Marken Oldsmobile und Plymouth eingestellt hatten, kosteten zwei Jahre alte Gebrauchte nur noch genauso viel wie fünf Jahre alte Wagen anderer Marken, wie der Branchendienst Kelly Blue Book errechnete. In Deutschland dürfte der Wert der gebrauchten Opel sinken. Dies zeigte sich nach dem Ende von Rover - diese Autos sind nur noch schwer verkäuflich.

Falls GM und Chrysler alle Werke schließen sollten, würde dies das Angebot so sehr verknappen, dass die Neuwagen-Preise nach oben schießen – obwohl die Nachfrage in den USA derzeit so niedrig ist, wie zuletzt vor 26 Jahren. Die Verbraucher müssten wohl auch in Europa mehr für den Neukauf ausgeben.

Zulieferer: Mit GM in den Abgrund

Die Zulieferer gehören ebenfalls zu den großen Verlierern. General Motors schuldete ihnen laut CNNMoney zum Jahresende 2008 rund 22 Milliarden Dollar. Chrysler sitzt auf offenen Rechnungen in Höhe von acht Milliarden Dollar. Im Fall einer Insolvenz müssten die Autobauer wahrscheinlich nur einen Bruchteil der offenen Forderungen bezahlen. Die im März von Washington für die Zulieferer bereit gestellten fünf Milliarden Dollar reichen längst nicht für alle Auftragnehmer – sondern nur für diejenigen, die von GM und Chrysler als besonders wichtig identifiziert worden sind. Gerichte in Amerika und Europa müssten klären, welche Subunternehmer welche Summe aus der Konkursmasse erhalten.

Für die Wirtschaft wäre ein Massensterben der Lieferanten verheerend: Die Teile-Lieferanten stellen weit mehr Arbeitsplätze, als die beiden wankenden Autohersteller GM und Chrysler. Auch in Deutschland wären die Folgen zu spüren.

Belegschaft: Drohende Arbeitslosigkeit

Mit dem Aus für GM und Chrysler droht zehntausenden Beschäftigten die Arbeitslosigkeit. Vielleicht nicht sofort, aber später: CNNMoney zitiert die auf Bankrotte spezialisierte Anwältin Heidi Sorvino aus der New Yorker Kanzlei Smith, Gambrell & Russell: Der Insolvenz-Prozess sei langwierig und bürokratisch, daher scheuten die meisten insolventen Konzerne den Gang vor Gericht. Der Zulieferer Delphi habe beispielsweise habe 21 Monate nach Anmeldung der Insolvenz einen neuen Deal mit der mächtigen Auto-Gewerkschaft UAW geschlossen. Für die GM-Arbeiter heißt dies, dass sie im Fall einer Insolvenz dem Management nicht schutzlos ausgeliefert sind. In Deutschland würde das soziale Netz die Belegschaft eine Weile auffangen.

Steuerzahler: Weiter bluten für die Autobauer

Die amerikanischen Steuerzahler gehören ebenfalls zu den Verlierern des Debakels – egal, wie es ausgeht. Möglicherweise wäre eine Schließung der Produktion sogar teurer als eine Fortführung. GM und Chrysler haben Washington um weitere 21,6 Milliarden Dollar gebeten, um nicht zu kollabieren. Alleine GM schätzt aber die Kosten eines Bankrottes auf 45 Milliarden Dollar. Chrysler braucht nach eigener Einschätzung im Falle einer Liquidation in den kommenden 30 Monaten 24 Milliarden Dollar aus der Staatskasse.

Bei einem Bankrott muss der Staatshaushalt entgangene Steuern verkraften, die sich laut CNNMoney alleine im Fall Chrysler auf 110 Milliarden Dollar belaufen. Schon im vierten Quartal 2008 reduzierte die Automisere das amerikanische Brutto-Inlandsprodukt um 1,1 Prozentpunkte. Kaum vorstellbar, wie sehr die US-Wirtschaftsleistung einbrechen würde, wenn zwei der Großen Drei verschwinden würden.

Investoren: Die großen Verlierer

Investmentfonds, Pensionsfonds und private Anleger wären bei einem Aus der Autobauer die großen Verlierer. Sie haben in großem Stil Bonds gezeichnet, die mittlerweile nur noch Pennies wert sind, bei einem Kollaps von GM aber komplett wertlos wären. GM hat laut CNNMoney Anleihen im Wert von 27 Milliarden Dollar an seine Gläubiger ausgegeben. Chrysler hat Anleihen im Wert von sieben Milliarden Dollar abgesetzt.

Beide Autokonzerne wollen die Zeichner dazu bewegen, ihre Bonds gegen Aktien einzutauschen. Dies würde die Verschuldung reduzieren, die Aufnahme von neuen Krediten erleichtern und außerdem den Aktienkurs stützen.

Auch die schon heftig gebeutelten Aktionäre würden bei einer Insolvenz Geld verlieren – das Kursziel der GM-Aktie liegt in diesem Fall bei Null. Die GM-Aktie hat sich innerhalb der vergangenen Monate sowieso schon gezehntelt. Chrysler ist nicht mehr an der Börse gelistet, das Unternehmen gehört zum Großteil dem Hedge Fonds Cerberus Capital Management. Er könnte seinen Anteil genauso gut abschreiben wie Daimler – der deutsche Autobauer hält noch zwanzig Prozent an Chrysler.

Pensionäre: Einschnitte wahrscheinlich

Eines der größten Probleme für GM sind seit Jahren die üppigen Sozialleistungen für Arbeiter und Angestellte im Ruhestand. Ehemalige müssen Einschnitte in ihren von GM gezahlten anteiligen Krankenkassen-Beiträgen befürchten, urteilt John Weykamp, Experte für die Sanierung von Autokonzernen bei den Buchprüfern von Crowe Horwathsaid.

Autohändler: Enorme Probleme

Sowohl Chrysler als auch GM haben Einschnitte in ihrem Händlernetz angekündigt. Zwar dürfte es GM relativ teuer zu stehen kommen, die Verträge zu kündigen: Die Händler sind in den USA meist in Franchise-Verbänden organisiert, die in jedem Bundesstaat einzeln auftreten. Entsprechend langwierig wären die Verhandlungen für alle 50 US-Staaten. GM musste seinen Händlern beispielsweise nach der Einstellung von Oldsmobile laut CNNMoney rund eine Milliarde Dollar zahlen. In Europa wäre es wohl ähnlich.

Eine Insolvenz würde für GM die Beendigung der Verträge jedoch stark vereinfachen. Die Händler müssten sich neue Hersteller suchen und würden wahrscheinlich recht schlechte Konditionen erhalten. Wie die Situation bei Opel aussehen würde, ist bislang nicht abzusehen.

Nur ein Gewinner des Bankrotts

Konkurrenz: Die Profiteure

Eine gigantische Marktbereinigung wäre ein Vorteil für die anderen Hersteller. Wegen des Gedränges im amerikanischen Automarkt bieten die Hersteller derzeit jedem Autokäufer kräftige Bar-Geschenke: Im Schnitt liegt dieses Incentive derzeit bei einem Rekordwert von 3169 Dollar je Auto. Jesse Toprak, Analyst beim Branchendienst Edmunds.com, schätzt, dass die Geldanreize um mindestens 1000 Dollar je Auto fallen würden, falls Chrysler und GM am Ende wären. Die Konkurrenz kann somit Kosten sparen.

Außerdem würde der Absatz umgehend anziehen, wenn zwei solch große Konzerne wie GM und Chrysler aus dem Markt verschwinden. Vor allem Toyota, aber auch Audi und Volkswagen dürften auf dem amerikanischen Markt kräftig zulegen.

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