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Daimler fährt tief in die roten Zahlen


Autokrise  

Daimler mit Milliarden-Verlust - Sparmaßnahmen beim Personal

28.04.2009, 17:18 Uhr | mmr, dapd, dpa-AFX, t-online.de

Schlechte Aussichten für den Daimler-Konzern (Foto: dpa)Schlechte Aussichten für den Daimler-Konzern (Foto: dpa) Die jüngsten Quartalszahlen bestätigen die schlimmsten Erwartungen. Der Autobauer Daimler hat im ersten Quartal 2009 einen Verlust (EBIT) von 1,4 Milliarden Euro zu verbuchen. Das teilte der Konzern am Dienstag in einer Pflichtmitteilung für die Börse mit. Hintergrund der roten Zahlen seien die starken Absatzrückgänge bei Mercedes Benz und bei den Nutzfahrzeugen hieß es in einer Pressemitteilung weiter. Im Jahr 2009 sollen Sparmaßnahmen in Höhe von 4 Milliarden Euro greifen. Auf das Personal kommen schmerzhafte Einschnitte zu.


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Schlechte Aussichten

Operativ verzeichnete der Konzern im Zeitraum von Januar bis März einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro. Hier hatte vor einem Jahr noch ein Plus von fast zwei Milliarden Euro in den Büchern gestanden. Auch für das zweite Quartal werde erneut ein deutlich negatives Ergebnis erwartet, hieß es nun. Nach einem Absatzrückgang von 34 Prozent im ersten Quartal und einem Umsatzschwund von 24 Milliarden auf 18,7 Milliarden Euro wiederholte der Konzern seine Einschätzung, das laufende Jahr werde deutlich unter dem Vorjahr bleiben. Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von 95,9 Milliarden Euro erzielt.

Kurssturz an der Börse

Am Aktienmarkt führten die schlechten Zahlen zu Kursverlusten. Die ohnehin schwache Anfangstendenz verstärkte sich am im Tagesverlauf. Zeitweise notierte die Daimler-Aktie nur noch bei 25 Euro - ein Minus zum Vortag von mehr als acht Prozent. Ein Händler sagte: "Auf den ersten Blick sind die Zahlen grausam. Nach den Vorschusslorbeeren in Form eines Kursanstieges um 50 Prozent seit Monatsbeginn wird das jetzt mit Gewinnmitnahmen abgestraft." Allerdings rechne er im Verlauf mit einer Kurserholung, nachdem der Autobauer für das zweite Halbjahr in der wichtigen Sparte Mercedes-Benz Cars ein positives Ergebnis in Aussicht stellt.



Mercedes leidet am stärksten

Die weltweite Absatzkrise sorgte vor allem bei Mercedes-Benz Cars für einen massiven Gewinneinbruch: Der Verlust betrug 1,1 Milliarden Euro. Der Umsatz sank um 27 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro. Durch die frühzeitig eingeleiteten Maßnahmen zur Kostenanpassung - wie Kurzarbeit in den deutschen Pkw-Werken von Mercedes - sei dem Ergebnisrückgang teilweise entgegengewirkt worden. Der Konzern geht davon aus, dass sich das Ergebnis des Geschäftsfelds mit der Kernmarke Mercedes-Benz schrittweise verbessere. Im zweiten Halbjahr werde insgesamt ein positives Ergebnis erwartet.

Arbeitszeit und Löhne werden gekürzt

Dennoch verlangt der Autobauer mehreren zehntausend Mitarbeitern in Deutschland wegen der dramatischen Absatzkrise von Mai an herbe Lohneinbußen ab. Auch Vorstände und leitende Führungskräfte wollen auf Teile ihres Gehalts verzichten. Für etwa 60.000 Beschäftigte aus Bereichen wie Verwaltung, Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung werde die Arbeitszeit um 8,75 Prozent ohne Lohnausgleich verkürzt, teilten der neue Personalvorstand Wilfried Porth und Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm am Dienstag in Stuttgart mit.

Kurzarbeiter bekommen weniger Zuschuss

Für die 60.000 Beschäftigten, die in den deutschen Werken im Mai in Kurzarbeit sein werden, wird der Zuschuss zum Kurzarbeitergeld gestutzt. Außerdem wird die ursprünglich für Mai geplante zweite Stufe der Tariferhöhung auf Oktober verschoben. Mit dem Bündel von Maßnahmen will Daimler 2009 zwei Milliarden Euro Personalkosten sparen.

Normale Verhältnisse wieder, wenn sich Auftragslage bessert

"Ich bin mir bewusst, dass wir vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schmerzhafte Einbußen zumuten", sagte Porth. "In Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Situation gibt es keine Alternative zu diesem Maßnahmenpaket." Klemm betonte: "Die Menschen haben echt jeden Monat weniger Geld und haben Probleme, ihre Familien durchzubringen." Dennoch führe an den Maßnahmen kein Weg vorbei. "Wenn sich die Auftragslage verbessert, werden wir wieder zu normalen Verhältnissen zurückkehren."

Weniger Gehalt für Führungskräfte

Auch Vorstand und leitende Führungskräfte sind von dem Sparpaket betroffen. Sie werden von Mai an Abstriche beim Grundgehalt machen. Beim Vorstand entspreche dies dem Verzicht auf zwei Monatsgehälter, bei den leitenden Führungskräften einem Monatsgehalt, sagte Porth. Zudem entfällt bei den Managern die übliche jährliche Erhöhung des monatlichen Einkommens in diesem Jahr.




Daimler trennt sich endgültig von Chrysler

Am Vortag war zudem bekannt die Daimler AG geworden, dass sich Daimler mit der früheren US-Tochter Chrysler auf eine endgültige Trennung geeinigt habe. Der Vereinbarung zufolge gibt Daimler seine verbliebene Beteiligung in Höhe von 19,9 Prozent ab und verzichtet auf die Rückzahlung der an Chrysler ausgegebenen Darlehen, die im Jahresabschluss 2008 bereits vollständig abgeschrieben wurden, wie Daimler in Stuttgart mitteilte.

Daimler zahlt Millionen in die Chrysler-Pensionspläne

Zudem werde Daimler bei Inkrafttreten des Vertrages sowie in den folgenden beiden Jahren je 200 Millionen US-Dollar in die Chrysler-Pensionspläne einzahlen. Die bestehende Pensionsgarantie in Höhe von einer Milliarde Dollar werde auf einen Betrag von 200 Millionen Dollar reduziert und laufe bis August 2012 weiter, teilte Daimler mit.



Chrysler kämpft ums Überleben

Chrysler lebt zurzeit von staatlichen Notkrediten im Umfang von vier Milliarden Dollar und nahm am Sonntag eine wichtige Hürde im Kampf um seine Rettung. Die mächtige US-Autogewerkschaft UAW stimmte einer vorläufigen Vereinbarung mit der einstigen Daimler-Tochter, dem italienischen Hersteller Fiat und der Regierung zu. Die Autogewerkschaft in Kanada CAW gab grünes Licht für Kostensenkungen. Nun müssen die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und die Allianz mit Fiat besiegelt werden, damit ein Zusammenbruch des Konzerns verhindert wird.


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