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Autokrise: Chrysler bald in Arbeiterhand

US-Autokrise  

Chrysler bald in Arbeiterhand

28.04.2009, 20:54 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Chrysler-Konzernmarke Jeep - Gewerkschaft strebt Mehrheit an (Quelle: imago images)Chrysler-Konzernmarke Jeep - Gewerkschaft strebt Mehrheit an (Quelle: imago images) Ungewöhnliche Rettungsmaßnahme: Die US-Gewerkschaft UAW könnte bald die Mehrheit an Chrysler halten. Das sieht ein neuer Rettungsplan vor, den die Arbeitnehmervertreter mit dem angeschlagenen US-Autohersteller geschmiedet haben. #

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Wird Chrysler jetzt zum "VEB"?

Produktionsmittel in Arbeiterhand - nichts anderes sieht der Plan vor, den die US-Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) mit Chrysler geschlossen hat. Danach könnte die Arbeitnehmervertretung nach der Umstrukturierung des Automobilkonzerns 55 Prozent der Anteile halten. Zudem sei vorgesehen, dass der italienische Automobilhersteller Fiat 35 Prozent an Chrysler übernimmt, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf eine Übereinkunft, in deren Zusammenfassung die Zeitung Einblick nehmen konnte. Die US-Regierung und Kreditgeber von Chrysler würden dem Plan zufolge zehn Prozent an Chrysler besitzen.

Kurzfristige Abstimmung vorgesehen

Über das Abkommen, mit dem die Insolvenz des Autoherstellers abgewendet werden soll, will die UAW die Chrysler-Beschäftigten am 29. April abstimmen lassen. In der Zusammenfassung heiße es, Chrysler gebe eine Anleihe über 4,587 Milliarden Dollar für den Treuhandfonds, der von der Gewerkschaft verwaltet wird und der Übernahme von Gesundheitskosten für Chrysler-Pensionäre dient.

Jährlich steigende Zahlungen

Chrysler soll zudem 2010 und 2011 in den Fonds 300 Millionen in bar einzahlen. Die jährlichen Zahlungen sollen bis auf 823 Millionen Dollar in den Jahren 2019 bis 2023 steigen. Der Fonds werde einen erheblichen Anteil der Chrysler-Aktien besitzen und einen Repräsentanten für das Board des Konzerns ernennen, so das "Wall Street Journal". In der Zukunft sei ein Verkauf der Aktien an Dritte möglich.

Chrysler ist die Nummer Drei in den USA

Sein erstes Automobil stellte Walter P. Chrysler 1924 in New York aus - den Chrysler Six. 1925 gründete er die Chrysler Motor Corporation, schon drei Jahre später stieg das Unternehmen zum drittgrößten Automobilbauer der USA auf. Chrysler zählt heute zu den "Big Three", den bedeutendsten US-amerikanischen Autokonzernen.

Weniger bezahlte Überstunden

Chrysler und die UAW sollen sich außerdem darauf geeinigt haben, die Anpassungen an die Steigerung der Lebenskosten vorläufig aufzuheben und die Bezahlung von Überstunden zu begrenzen. Überstunden würden erst fällig, wenn mindestens 40 Wochenstunden gearbeitet wurden. Außerdem werde den Chrysler-Beschäftigten der Feiertag Ostermontag 2010 und 2011 gestrichen.

Fiat will bei Chrysler produzieren lassen

Fiat hat sich laut "Wall Street Journal" mit Chrysler darüber geeinigt, mindestens einen Kleinwagen in einem Chrysler-Werk in den USA herzustellen. Die Italiener erlauben dem US-Hersteller die Verwendung eines Drei-Liter-Dieselmotors und eines 1,4-Liter-Benzinmotors in dessen Fahrzeugen. Chrysler schätze die Investitionen von Fiat auf acht Milliarden Dollar. In den USA dürften dadurch 4000 neue Arbeitsplätze für gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter entstehen.

Daimler trennt sich endgültig von Chrysler

Der ehemalige Chrysler-Mutterkonzern, die Daimler AG, hat sich unterdessen mit ihrer früheren US-Tochter Chrysler auf eine endgültige Trennung geeinigt. Der Vereinbarung zufolge gibt Daimler seine verbliebene Beteiligung in Höhe von 19,9 Prozent ab und verzichtet auf die Rückzahlung der an Chrysler ausgegebenen Darlehen, die im Jahresabschluss 2008 bereits vollständig abgeschrieben wurden.

Millionenzahlungen für Pensionen

Zudem werde Daimler bei Inkrafttreten des Vertrages sowie in den folgenden beiden Jahren je 200 Millionen US-Dollar in die Chrysler-Pensionspläne einzahlen. Die bestehende Pensionsgarantie in Höhe von einer Milliarde Dollar werde auf einen Betrag von 200 Millionen Dollar reduziert und laufe bis August 2012 weiter, teilte Daimler mit.

Belastungen für Daimler im zweiten Quartal

Chrysler und der Finanzinvestor Cerberus, der gut 80 Prozent an Chrysler hält, verzichteten ihrerseits vollständig auf etwaige Forderungen. Die Vereinbarung wird Daimler zufolge das operative Daimler-Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) im zweiten Quartal um bis zu 700 Millionen Dollar belasten.

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