Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > Aktien >

Autokrise in USA: Fiat steigt bei Chrysler ein


Chrysler  

Fiat steigt bei US-Autobauer Chrysler ein

01.05.2009, 22:20 Uhr | bab / mfu, AFP, dpa

Fiat steigt bei Chrysler ein (Foto: Imago)Fiat steigt bei Chrysler ein (Foto: Imago) Der italienische Autohersteller Fiat steigt beim insolventen US-Konzern Chrysler ein. Beide Unternehmen hätten sich darauf geeinigt, dass Fiat zunächst 20 Prozent der Anteile bei Chrysler übernimmt, teilte US-Präsident Barack Obama in Washington mit. Später sollen die Italiener ihren Anteil auf 35 Prozent aufstocken. Chrysler werde dafür weitere drei Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) an US-Staatshilfen erhalten, Entlassungen und Werksschließungen solle es während des Insolvenzverfahrens zunächst nicht geben.

Quiz - Kennen Sie dieses Auto-Logo?
Hintergrund - US-Autobauer Chrysler immer wieder in der Krise
Märklin, Pfaff, Grundig - Insolvente Traditionsunternehmen
USA - Zwei Varianten im US-Insolvenzrecht

Nardelli schmeißt hin

Laut US-Medien sehen die Details der Abmachung mit Fiat vor, dass der italienische Autobauer Technologie in die Vereinigten Staaten transferiert und dort zukünftig Autos und Motoren baut. Zudem soll die Chefetage von Chrysler umstrukturiert werden. Der Vorstandsvorsitzende Bob Nardelli will nach Abschluss des bevorstehenden Insolvenzverfahrens zurücktreten. Das kündigte er am Donnerstag im Fernsehsender CNBC an. Er betonte, dass er nicht vom Finanzministerium zum Rücktritt aufgefordert worden sei. Er sei jedoch der Auffassung, dass nach dem Ende des Insolvenzverfahrens ein günstiger Zeitpunkt für einen solchen Schritt sei. Nardelli erklärte, das neue Unternehmen solle von einem neunköpfigen Vorstand geleitet werden. Sechs der Mitglieder sollten von der Regierung und drei von Fiat bestimmt werden. Der Vorstand werde einen neuen Vorsitzenden wählen, sagte Nardelli, der Chrysler seit August 2007 führt.



Chrysler geht in die Insolvenz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts

Vor der Rede Obamas hatte die US-Regierung angekündigt, dass Chrysler Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Konkursrechts beantragen wird. Das geordnete Insolvenzverfahren ermöglicht es dem Unternehmen, seinen Betrieb zunächst aufrecht zu erhalten und zu sanieren, ohne die Forderungen der Gläubiger bedienen zu müssen. Das Insolvenzverfahren solle zwischen 30 und 60 Tagen dauern, sagte ein Regierungsbeamter. Während des Verfahrens will Chrysler weitgehend die Produktion einstellen. Bereits ab diesem Montag sollen in den meisten Werken die Bänder stillstehen, kündigte das Unternehmen an. Die Fertigung solle erst dann wieder normal anlaufen, wenn die Insolvenz zur Rettung abgeschlossen sei.

Insolvenz "kein Zeichen von Schwäche"

Dass Chrysler ein Insolvenzverfahren eröffnet, sei "kein Zeichen von Schwäche", sagte der US-Präsident. Scharf ging Obama mit den Hedge Fonds ins Gericht. Diese und "eine kleine Gruppe von Investoren" hätten eine andere Lösung verhindert. Sie hatten einen weitgehenden Verzicht auf ihre Ansprüche abgelehnt. In dem Verfahren mit Gläubigerschutz solle Chrysler nun Ballast abwerfen. Gläubiger oder auch Händler könnten dem Weißen Haus allerdings noch einen Strich durch die Rechnung ziehen und ein schnelles Insolvenzverfahren mit ihren Ansprüchen blockieren.

Chrysler-Belegschaft zu Einschnitten bereit

Die von der US-Regierung geforderten Lohnkürzungen waren hingegen am Mittwochabend von der Chrysler-Belegschaft gebilligt worden. Nach Angaben der Autogewerkschaft UAW wurde die Vereinbarung in einer Urabstimmung von mehr als 80 Prozent der Beschäftigten angenommen. Die Vereinbarung sieht unter anderem Kürzungen bei den Zuzahlungen zur Krankenversicherung, einen Verzicht auf die an die Lebenshaltungskosten gebundenen Lohnerhöhungen sowie Einschränkungen beim Streikrecht vor. Obama dankte den Beschäftigten für die "schmerzhaften Zugeständnisse".

USA planen Abwrackprämie

Eine Insolvenz des Kleinsten unter den "Großen Drei" der US-Autobranche ist eine beispiellose Zäsur. Obama bemühte sich, die Öffentlichkeit zu beruhigen. Die Garantie auf Chrysler-Fahrzeuge sei von der Regierung abgesichert, betonte der Präsident. Der Autofinanzierer GMAC werde Kredite für Chrysler-Käufer geben. Man plane weitere Maßnahmen wie eine Art Abwrackprämie und ein Programm zum Einkauf von US-Fahrzeugen für Behördenflotten.

GM hat noch eine Galgenfrist

Bei der Opel-Mutter General Motors (GM) dauern die Rettungsverhandlungen vor allem mit den Gläubigern unterdessen weiter an. Sie sollen für einen Schuldenverzicht maximal zehn Prozent am Unternehmen bekommen. Die Mehrheit soll mit mindestens 50 Prozent der Staat erhalten, weitere knapp 40 Prozent die Gewerkschaft. GM verschärft unterdessen wie angekündigt die Einschnitte im US-Händlernetz massiv. Insgesamt sollen 42 Prozent der Häuser wegfallen auf dann 3600. Die betroffenen Händler würden ab 11. Mai benachrichtigt, hieß es.

Autobauer brauchen weitere Milliarden

Die US-Regierung deutete für Chrysler und GM auch immer wieder den Weg einer Sanierung über eine möglichst rasche "Blitz-Insolvenz" an, die nun wohl eingetreten ist. Die Chrysler-Partnerschaft mit Fiat könnte auch in einem solchen Verfahren weiterverhandelt werden, meinten Beteiligte. Bei einem tragfähigen Rettungskonzept hat Obama Chrysler weitere sechs Milliarden an Hilfen in Aussicht gestellt über die geleisteten vier Milliarden Dollar hinaus. GM will nach letztem Stand der Dinge nochmals 11,6 Milliarden Dollar nach bisher 15,4 Milliarden Dollar.

Mehr Themen:
VEB Chrysler - Die Belegschaft will die Mehrheit
Autobauer - Daimler mit Milliardenverlust
Übernahmekampf - Fiat garantiert Erhalt aller Opel-Standorte
Beliebte Autohersteller - Deutschlands wertvollste Marken
Auto - Quiz: BMW | Opel | VW | Daimler

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal