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ifo-Chef Werner Sinn: "Insolvenz wäre derzeit der beste Weg für Opel"


Übernahmekampf  

Sinn: "Insolvenz wäre derzeit der beste Weg für Opel"

02.06.2009, 08:39 Uhr | bab, dapd, t-online.de

Hans-Werner Sinn ist der Chef des Ifo-Instituts (Foto: imago) Hans-Werner Sinn ist der Chef des Ifo-Instituts (Foto: imago) Die Lage bei Opel ist ernst, die Verhandlungen festgefahren. Immer öfter fällt deshalb das Wort Insolvenz. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat die Option für den angeschlagenen Autobauer bereits mehrfach ins Spiel gebracht und nun mehren sich auch die Stimmen aus der Wirtschaft. Gegenüber "Bild.de" verteidigten auch ZEW-Präsident Werner Franz und ifo-Präsident Hans Werner Sinn diesen Weg für Opel. "Eine geordnete Insolvenz wäre derzeit der beste Weg für Opel“, wird Sinn bei "Bild.de“ zitiert.

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Das reine Grauen

Für Anhänger der reinen Marktwirtschafts-Lehre ist die staatliche Rettungsaktion für Opel das reine Grauen und die Kritik Sinns nichts Neues: "Eine Rettung ohne Insolvenz ist eine Rettung des Altkapitals", zürnte Sinn vor kurzem. Ganz ähnlich sieht das auch sein Kollege Franz, der eine Insolvenz sogar als sinnvolles Vorgehen sieht. "Der Konzern müsste nur einen Teil der Schulden zurückzahlen. Wenn Opel ein gut aufgestelltes Unternehmen ist, wird der Insolvenzverwalter einen Investor finden, ohne dass Steuergelder in Milliardenhöhe riskiert werden“, sagte der Wirtschaftsforscher zu "Bild.de“.



Heimliche Hoffnung

Mit Staatsknete würden Marktverhältnisse verzerrt, werfen die Rettungsgegner der Regierung immer wieder vor und wenden ein, die Steuermilliarden könnten anderswo viel mehr Jobs retten. Aber wie sehen die tatsächlich Betroffenen die Berliner Rettungsaktion, also Opel-Konkurrenten wie VW, BMW und Toyota? Eine Branchenumfrage der Nachrichtenagentur AP brachte ein überraschendes Ergebnis: Nicht Zorn über einen künstlich am Leben erhaltenen Pleite-Konkurrenten oder drohende Opel-Rabatte aus Steuermilliarden prägen die Stimmung, sondern offizielles Schweigen und – unter der Hand – die Hoffnung auf einen Erfolg der Rettungs-OP.

So könnte das Treuhandmodell für Opel aussehen (Quelle: dpa)So könnte das Treuhandmodell für Opel aussehen (Quelle: dpa)

Offiziell kein Kommentar

Die machtvollen Verbände der Autoindustrie schweigen offiziell zu Opel. Der Zusammenschluss der deutschen Autobauer und Zulieferer VDA erklärt einsilbig, man äußere sich nicht zu Belangen eines Mitgliedes. Der Importeursverband VDIK, in dem die schärfsten Opel-Konkurrenten Mitglied sind, will auch nichts sagen: "Wir kommentieren das nicht", meinte Sprecher Thomas Böhm. Tatsächlich aber macht sich die Branche durchaus Sorgen wegen Opel, und zwar wegen der Zulieferer.

Auswirkungen nicht absehbar

Ein Branchenkenner im Umfeld des VDA etwa sagt: "Die Auswirkungen einer Opel-Pleite auf die Zulieferer sind gar nicht auszudenken." Wenn Opel seine Rechnungen nicht mehr bezahlen könnte, würden reihenweise Zulieferer mit umkippen, was so auch andere Hersteller betreffen würde. Es gebe etwa einen Hersteller von Kabelbäumen, der zur Hälfte für Opel produziere und zur Hälfte für BMW. Wenn Opel ausfalle, wäre das Unternehmen in Gefahr. BMW stünde plötzlich ohne Lieferanten da. "Nirgendwo sind Untenehmen und Zulieferer so vernetzt wie in Deutschland", sagt er.



Autobosse hüllen sich in Schweigen

Auch aus einem anderen Grund schweigen die deutschen Autobosse lieber zu der Berliner Hilfsaktion: Wer weiß, ob sie nicht bald selbst im Kanzleramt anklopfen müssen. VW-Konzernchef Martin Winterkorn erklärte noch im März im "Spiegel: "Der Staat sollte sich raushalten." Der Staat dürfe nicht zur Rettungsgesellschaft für möglicherweise vom Bankrott bedrohte Firmen werden, sagte der mächtigste der deutschen Auto-Chefs.

So könnte das Treuhandmodell für Opel aussehen (Quelle: dpa)So könnte das Treuhandmodell für Opel aussehen (Quelle: dpa)

Winterkorn hält den Ball flach

Heute hält Fußball-Fan Winterkorn den Ball lieber flach, wenn es um eine aktuelle Einschätzung der Opel-Krise geht. Ein VW-Sprecher erklärt auf Anfrage nur, den Aussagen sei "nichts hinzuzufügen". Kein Wunder: Der VW-Vorstandsvorsitzende ist gut beraten, sich mit schärferer Kritik am Vorgehen der Bundesregierung zurückzuhalten. Schließlich hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrem Einsatz für das VW-Gesetz Winterkorn den Sieg im Machtkampf mit Großaktionär Porsche ermöglicht.

Ford-Chef redet Klartext

Einzig der Deutschland-Chef von Ford, Bernhard Mattes, wagt klare Worte: "Ich halte nichts von Staatsbeteiligungen." "Stern.de" sagte er: "Einseitige Wettbewerbsverzerrungen - in welcher Form auch immer - halte ich für unangemessen. Für alle, die am Wettbewerb teilnehmen, soll es gleiche Bedingungen geben." Ford ist der einzige der "Big Three", der drei großen US-Autobauer GM, Chrysler und Ford, der bisher ohne Staatsgelder der US-Regierung auskommt.

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