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Guttenberg warnt Länder vor Festlegung auf Magna


Ringen um Opel  

Guttenberg warnt Länder vor Festlegung auf Magna

13.07.2009, 14:12 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online, t-online.de

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (Foto: Reuters)Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (Foto: Reuters) Die Suche nach einem Opel-Investor gerät zur Hängepartie: Wirtschaftsminister Guttenberg ist gegen eine Vorfestlegung auf Magna - und widerspricht damit den Landeschefs von Thüringen und Hessen. Tatsächlich soll mit Ripplewood ein weiterer Bieter seine Offerte konkretisiert haben.#


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Poker um Opel geht weiter

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hält das Rennen um Opel offen: Der CSU-Politiker sagte in der "Bild am Sonntag" (BamS), die Regierung spreche über einen Einstieg bei Opel "selbstverständlich mit allen, die sich ernsthaft an sie wenden". Er kritisierte zugleich öffentliche Festlegungen von Landesregierungen auf einen Bieter vor Abschluss der Verhandlungen. "Ich warne vor Selbstüberschätzung: Ein Vertragsabschluss zur Sicherung von Opel gelingt nicht deshalb, weil dies eine Landesregierung oder die Bundesregierung so wünscht. Das hängt zunächst und vor allem von den Vertragspartnern ab", sagte Guttenberg.

Koch für Magna

Der Wirtschaftsminister wendet sich damit gegen die Ministerpräsidenten von Hessen und Thüringen, die sich öffentlich für den österreichisch-kanadischen Zuliefererkonzern Magna ausgesprochen hatten. So hatte der hessische Landeschef Roland Koch (CDU) erklärt, ein Einstieg von Magna wäre "mit Blick auf die Zukunft von Opel, die Standorte und die Jobs in Deutschland und nicht zuletzt wegen der eingesetzten Steuergelder die beste Lösung." Magna verhandele "ganz konkret mit dem amerikanischen Mutterkonzern General Motors (GM) und hat einen großen Vorsprung vor anderen Bietern", hatte Koch gesagt. Auch Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) hatte erklärt, die Entscheidung für Magna als Investor sei gefallen.

Konkurrenz für Magna und BAIC

Allerdings gibt es neben dem chinesischen Autobauer BAIC offenbar noch mindestens einen Mitbewerber, der im Rennen ist: Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" laufen seit Wochen intensive Verhandlungen zwischen dem in Belgien ansässigen Finanzinvestor RHJI und GM. Ziel sei es, noch im Laufe dieser Woche dem GM-Vorstand in Detroit und dem Treuhand-Beirat, der die Mehrheit an Opel hält, ein komplexes Vertragswerk vorzulegen, schreibt das Blatt.

Ripplewood-Ableger RHJI konkretisiert Angebot

Die in Brüssel ansässige RHJI, ein Ableger des Finanzinvestors Ripplewood, hat nach "BamS"-Informationen ihr ursprüngliches Angebot für Opel in einem wichtigen Punkt nachgebessert: Alle deutschen Standorte sollen nach dem neuen Konzept erhalten bleiben, auch das Werk in Bochum, da es "zur Identität der Marke gehört". Die langfristige Sicherung des Standortes ergebe sich daraus, dass der neue Opel Zafira in Bochum gefertigt werden solle.


RHJI will Garantien schneller zurückzahlen

Der RHJI-Restrukturierungsplan sehe einen Garantiebedarf der europäischen Staaten mit GM-Standorten von insgesamt 3,8 Milliarden Euro vor, die spätestens bis 2014 zurückgezahlt werden sollen. Das ist knapp eine Milliarde Euro weniger als bei Magna, mit einer zudem deutlich kürzeren Rückzahlungsfrist. Der Finanzinvestor RHJI wolle den Kreditbedarf minimieren, um die Zinslast für das künftige Unternehmen und die Belastung der Steuerzahler möglichst gering zu halten, schreibt die Zeitung.

Ist Magna noch Favorit?

Von den rund 52.000 Opel-Jobs in Europa würden nach dem RHJI- Konzept etwas weniger als 10.000 abgebaut werden. RHJI lehnte auf "BamS"-Anfrage eine Stellungnahme ab. Die Bundesregierung sei über die neue Entwicklung in der Schlacht um Opel informiert, schreibt die "BamS". In Berlin sieht man Magna zwar noch immer in der Favoritenrolle, nimmt RHJI und den chinesischen Mietbieter BAIC aber sehr ernst.


Magna ändert Zeitplan

Allerdings mehren sich auch die Zweifel an einem Einstieg von Magna - einmal mehr, nachdem am Samstag bekannt geworden war, dass der österreichisch-kanadische Zulieferer seinen Zeitplan geändert hat. Magna habe eine für kommenden Dienstag erwartete Aufsichtsratssitzung auf einen nicht genannten Termin verschoben, berichtete die "Automobilwoche". Damit sei auch der 15. Juli als Stichtag hinfällig, den Magna-Co- Chef Siegfried Wolf für die Vorlage eines Vorvertrags mit Opel geplant hatte, heißt es in dem Bericht des Fachblatts. Auf dem Treffen sollte der endgültige Geschäftsplan für Opel abgesegnet werden.

Ärger über General Motors

Der "Automobilwoche" zufolge hat sich Magna zuletzt über die Führung von GM beklagt, bei den Verhandlungen über die Zukunft von Opel trete sie hochnäsig auf und strapaziere die Geduld der Interessenten, berichtet das Blatt unter Berufung auf das Umfeld von Magna. Magna-Gründer Frank Stronach und sein Co-Chef Siegfried Wolf seien bei direkten Gesprächen mit der GM-Führung in Detroit auf wenig Kompromissbereitschaft gestoßen. Das Europa-Geschäft von GM war mit staatlicher Milliardenhilfe vor der GM-Insolvenz abgetrennt und in die Hände einer Treuhand gegeben worden. GM hat am Freitag die Insolvenz entlassen und ist mehrheitlich in Staatsbesitz.


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