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Opel-Entscheidung ist gefallen


Opel  

Opel-Verkauf an Magna - Sberbank skeptisch

11.09.2009, 13:59 Uhr | mmr/bab, AFP, dapd, dpa, t-online.de

Bei den Opel-Verhandlungen dreht sich vieles im Kreis (Foto: dpa) (Quelle: dpa)Bei den Opel-Verhandlungen dreht sich vieles im Kreis (Quelle: dpa) Heute schlug die Stunde der Wahrheit für die Opelaner und ihre Angehörigen. Nach monatelangem Hick-Hack hat sich der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) entschlossen, Opel an das Bieterkonsortium um Magna zu verkaufen. Die Opel-Treuhand, die 65 Prozent der Opel-Anteile verwaltet, stimmte dem Verkauf zu. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte die Entscheidung außerordentlich. Auch die Mitarbeiter werden an ihrem Unternehmen beteiligt. Zudem wolle GM ein gutes Drittel der Opel-Anteile behalten.

GM behält 35 Prozent an Opel

Einer Mitteilung von GM zufolge sollen 55 Prozent von Opel an Magna und die Sberbank gehen, mit zehn Prozent sollen die Mitarbeiter beteiligt werden, und 35 Prozent will GM behalten. Merkel sagte, die Entscheidung des Verwaltungsrats habe GM-Chef Fritz Henderson dem Kanzleramt mitgeteilt. "Geduld, Zielstrebigkeit, auch Klarheit" der Bundesregierung hätten zu diesem Ergebnis beigetragen. Die Regierung hatte sich früh auf Magna festgelegt und Opel einen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro gewährt. "Ich weiß, dass vor Opel noch ein schwieriger Weg liegt", erklärte die Kanzlerin. Es sei aber nun möglich, Opel in eine sichere Zukunft zu schicken.

Sberbank sieht Poker nicht beendet

Die Verhandlungen verlaufen allerdings alles andere als einfach. Das zeigt ein Kommentar der russische Sberbank. Der Partner Magnas warnte trotz der richtungsweisenden Entscheidung vor überzogenen Erwartungen. Der Sberbank-Vorstandsvorsitzende German Gref nannte es "zu früh, um von einer endgültigen Lösung" zu sprechen. "Wir sind in einem sehr wichtigen Zwischenstadium", sagte Gref der Agentur Interfax. Bisher seien die Verhandlungen mit GM "sehr anstrengend" gewesen. "Das Geschäft ist beispiellos kompliziert: Allein die Absichtsvereinbarung hat mehr als 1000 Seiten."

Verkauf wider Willen

Nach Angaben aus Regierungskreisen entschied sich GM letztlich aus finanziellen Gründen für die Trennung von Opel. Eine Sanierung des deutschen Herstellers habe GM nicht stemmen können. Die US-Regierung habe nicht erlaubt, dass Geld aus den 50 Milliarden Dollar Staatshilfen in Europa verwendet würde. GM-Verhandlungsführer John Smith erklärte, die verbindliche Vereinbarung mit Magna solle in zwei bis drei Wochen unterschriftsreif sein. Im Großen und Ganzen seien die Arbeiten bereits getan. Es seien noch vier kleinere Vereinbarungen auszuhandeln. Dabei gehe es um die Zusammenarbeit beim Einkauf und die technologische Nutzung.

GM hält sich Hintertür offen

GM fordert jedoch, dass Opel weiterhin im globalen Produktentwicklungs- und Einkaufsverbund von GM integriert bleibt. "Dies ermöglicht es allen Seiten, vom Austausch von Technologie- und Entwicklungskapazitäten zu profitieren", betonte GM-Chef Fritz Henderson. Beispielsweise könnten Fahrzeuge wie das Elektroauto Ampera nur mit vereinten Kräften auf den Markt gebracht werden. Der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Carl-Peter Forster, der auch Europachef von GM ist und als neuer Spitzenmann von "NewOpel" gehandelt wird, betonte: "Eine Zukunft mit Magna bedeutet in keiner Weise einen Bruch mit GM." Die Entwicklungsressourcen von Opel alleine reichten nicht aus, um auf dem hart umkämpften globalen Markt bestehen zu können. In den Verhandlungen wurde jedoch erreicht, dass das neue Unternehmen Opel künftig auch Teile wie Getriebe oder Motoren von anderen Herstellern beziehen kann.

Opel-Treuhand stimmt zu

Kurz nach der Bekanntgabe der Entscheidung von GM gab auch die Opel-Treuhand in Frankfurt und Berlin grünes Licht. "Wir sind heute im Beirat zu einer Entscheidung gekommen, von der wir fest glauben, dass sie im besten wirtschaftlichen Interesse von Opel/Vauxhall sowie deren Mitarbeitern ist", sagte der Vorsitzende des Treuhand-Beirats, Fred Irwin. Die Opel-Treuhand setzt sich zusammen aus Vertretern von Bund, Ländern und GM und verwaltet 65 Prozent der Opel-Anteile. Sie wurde Ende Mai von der Bundesregierung eingesetzt. Dies war Voraussetzung für die Gewährung des Überbrückungskredits von 1,5 Milliarden Euro, der seither Opel am Leben gehalten hat. Durch die Treuhand-Konstruktion blieb Opel außerdem vor der zeitweiligen GM-Insolvenz in den USA geschützt.

Entscheidung nicht einstimmig

Die Entscheidung der Treuhand fiel allerdings nicht einstimmig, wie inzwischen bekannt wurde. Der Vertreter der Bundesregierung in dem Gremium, Ex-Conti-Chef Manfred Wennemer, lehnte den Verkauf an Magna ab, wie Irwin sagte. Der Vertreter der Bundesländer, Dirk Pfeil, enthielt sich der Stimme. Die beiden Vertreter von GM stimmten für den Verkauf, damit ergab sich dann die Mehrheit. Wennemer kritisierte, das gesamte Risiko des Deals liege beim Steuerzahler. Pfeil sagte, er hätte bei der Treuhand nicht mitgemacht, wenn er gewusst hätte, dass es um eine politische Entscheidung geht. Er habe sich jedoch enthalten, um die Sache nicht noch mehr in die Länge zu ziehen.

Deutliche Kritik an Bundesregierung

Pfeil sparte nicht mit Kritik an der Haltung der Bundesregierung: er saniere seit 34 Jahren Unternehmen. Aus dieser Erfahrung wisse er, dass es völlig falsch sei, sich von Anfang an auf eine Option festzulegen. Er hätte die Aufgabe nicht übernommen, wenn er gewusst hätte, dass es nicht um eine betriebswirtschaftliche, sondern eine politische Entscheidung gegangen sei. Er habe sich jetzt nur enthalten, weil ein weiteres Hinziehen der Sache noch abträglicher gewesen wäre, sagte er mit Blick auf die monatelange Ungewissheit für die Opel-Mitarbeiter. Pfeil bekannte auch, dass er dem Konzept des belgischen Investors RHJ zugeneigt gewesen sei, weil dieser das europafreundlichere Konzept vorgelegt habe.

Magna-Gründer feiert mit Glas Wasser

Magna-Eigentümer Frank Stronach wird die heutige vorläufige Einigung mit dem US-Autobauer zum Kauf von Opel bei einem Glas Wasser feiern. "Ich bin ja fast schon im Ruhestand. Der Erfolg gehört Sigi Wolf. Er hat einen guten Job gemacht", sagte Stronach der Tageszeitung "Österreich" (Freitagausgabe). Er habe Opel immer haben wollen und nun sei ein gutes Geschäft gemacht worden. Dieses sei auch gut für Österreich, wird der Selfmade-Milliardär zitiert. Sein größter Erfolg sei der Deal aber nicht. "Der größte Erfolg ist immer, wenn du die erste Million machst." Er warnte vor zu großer Euphorie. "Es wird für alle Beteiligten ein harter Weg werden."

Deutsche Standorte sollen erhalten bleiben

Magna hatte in seinem Angebot zugesichert, dass alle vier deutschen Opel-Standorte (Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern, Eisenach) erhalten bleiben. Dies hat die Treuhand noch einmal bestätigt. Opel beschäftigt derzeit mehr als 25.000 Mitarbeiter in Deutschland. Einen deutlichen Stellenabbau wird es aber wohl auch mit Magna geben. Unklar ist, wie die anderen EU-Länder mit Opel-Werken auf die Vereinbarungen zwischen Detroit und Berlin reagieren. Klar ist jedenfalls, dass deutsche Steuergelder zur Sanierung keinesfalls in die USA oder nach Russland fließen sollen.

Briten müssen zittern

Während die Opel-Beschäftigten in Deutschland nun eher aufatmen können, zittern die Briten um ihre zwei Werke. Magna habe der Regierung zwar zugesichert, die englischen Fabriken in Luton und Ellesmere Port weiterzubetreiben, sagte Wirtschaftsstaatsminister Pat McFadden der BBC. Es gebe aber keine zeitlichen Zusagen. Der Opel-Betriebsrat unterstrich unterdessen die Bereitschaft zu Millionen-Einsparungen. Die Mitarbeiter böten einen Verzicht von jährlich 265 Millionen Euro an, von 2009 bis 2014 kämen so 1,6 Milliarden Euro zusammen, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz. Das Geld soll etwa durch den Verzicht auf Lohnerhöhungen sowie auf Weihnachts- und Urlaubsgeld zusammenkommen.

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