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Opel-Übernahme: Moskau feiert Zugriff auf deutsches Auto-Know-how


Opel-Übernahme  

Moskau feiert Zugriff auf deutsches Auto-Know-how

11.09.2009, 18:04 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Moskau feiert Sieg in Bieterschlacht über Opel (Foto: Imago) (Quelle: imago images)In Moskau freut man sich auf deutsches Know-how (Quelle: imago images) Die Schlagzeilen in Moskau zum Ende des monatelangen Bieterkampfs um Opel könnten triumphaler kaum sein: Zwar steht das Käuferkonsortium offiziell unter der Führung des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna. Doch nach Meinung der meisten Kommentatoren in der russischen Hauptstadt sind es vor allem die russischen Partner Sberbank und der Autobauer Gaz, die von dem Geschäft profitieren: "Opel wird russisch", jubiliert die dem Kreml nahe stehende "Iswestija". Und die Wirtschaftzeitung "RBK" titelt: "Opel kommt nach Russland".

Bemerkenswerter Coup

Der Chef der staatlichen Sberbank warnt zwar, der Deal sei noch nicht in trockenen Tüchern. Aber auch er kann die Freude über den lang ersehnten Zuschlag kaum verhehlen. "Wir glauben, dass dieses Geschäft sehr wichtig ist für Russland und für seine Integration in die europäische Wirtschaft", sagte German Gref, der einst unter Präsident Wladimir Putin als Wirtschaftsminister diente. Tatsächlich ist Russland im Falle von Opel ein bemerkenswerter Coup gelungen. Seit Jahren schon bemüht sich die russische Führung gemeinsam mit milliardenschweren Oligarchen um Zukäufe im Westen. 2006 verkündete die Regierung in Moskau vollmundig den "Sprung in die globale Wirtschaft" - und hatte dabei vor allem die Akquise von Unternehmensanteilen in Deutschland im Sinn.

Westen lässt Investoren abblitzen

Denn das produzierende Gewerbe liegt in Russland trotz der üppigen Einnahmen aus Rohstoffexporten noch immer danieder. Es fehlt vor allem an zukunftsfähigen Technologien, die dem rauen Wettbewerb auf dem Weltmarkt gewachsen sind. Ambitionierte Versuche, eigene Hightech-Giganten etwa im Bereich der Nano-Technik zu schaffen, scheiterten bislang kläglich. Die Investoren aus dem Osten, ausgerüstet mit prall gefüllten Geldbörsen und dem Segen des Kreml, waren in Europa nicht willkommen. Nachdem die staatliche Wneschtorgbank 2006 für 800 Millionen Euro bereits fünf Prozent der Anteile des Luft- und Raumfahrtskonzern EADS erworben hatte, wurden die Russen kurz darauf von entrüsteten westeuropäischen Politikern wieder aus dem Unternehmen gemobbt. Und als der Oligarch Wladimir Jewtuschenkow 2006 öffentlich über einen milliardenschweren Einstieg seines Mischkonzerns AFK Sistema bei der Deutschen Telekom nachdachte, war von "Industrie-Imperialismus" der Russen die Rede. Die Telekom, deren größter Aktionär noch immer der Bund ist, lehnte die Offerte dankend ab.

Die Vorfreude wächst

Doch jetzt hat mit dem maroden Autobauer Gaz und der Sberbank endlich ein russischer Konzern den lang ersehnten Zugriff auf deutsches Produktions-Know-how. "500 Millionen Euro für geistiges Eigentum", titelte denn auch die Wirtschaftszeitung "Wedomosti" mit Blick auf den erwarteten Technologietransfer von Rüsselsheim nach Osten. In Russland freut man sich offen auf die Errungenschaften der Opelaner: Mit Verweis auf Magna-Vorstand Siegfried Wolf hebt die Zeitung hervor, die russische Seite werde das "Recht erhalten, alle neuen Entwicklungen der Ingenieure des deutschen Konzerns" zu nutzen.

Kritik an der Bundesregierung

Doch was die Russen begeistert, verstärkt in Deutschland Befürchtungen, Russlands Interesse an den vier Opelwerken in Bochum, Kaiserslautern, Eisenach und Rüsselsheim könnte schnell erlahmen, sobald mit Hilfe der Deutschen die Automobil-Produktion des völlig maroden Gaz-Konzerns auf den neuesten Stand gebracht wurde. "Das ist natürlich eine Gefahr für die deutschen Fertigungsstandorte", sagt Heinrich Weiss, Präsident der deutsch-russischen Auslandshandelskammer. "Die deutschen Werke werden bei einem Verkauf an das Magna-Konsortium mindestens genauso gefährdet sein, wie bei einer geordneten Insolvenz." Weiss hatte deshalb bereits vor Wochen die Verhandlungsführung von Seiten der Bundesregierung als unverantwortlich verurteilt. Es sei dilettantisch, wie mit Steuergeldern in Höhe von 4,5 Milliarden Euro umgegangen werde.

"Opel-Kompetenz-Zentrum nach Russland verlagern"

Tatsächlich ist das Bestreben der russischen Seite, Zugang zu modernsten Produktionstechnologien zu bekommen, seit langem bekannt. Alexander Schochin, Chef des russischen Unternehmerverbands, sagte bereits im Juni, natürlich gehe es "um den Versuch, das Opel-Kompetenz-Zentrum nach Russland zu verlagern oder es gemeinsam in einer russisch-deutschen Kooperation zu betreiben". Auch in den schwierigen Verhandlungen war die Frage des intellektuellen Eigentums offenbar einer der Knackpunkte. So schrieb der GM-Vize John Smith Anfang August in seinem Blog, diese "Transaktion sollte nicht zu einer Pipeline werden, über die wertvolles geistiges Eigentum an unbekannte Bestimmungsorte" abfließe.

Berlin bleiben Druckmittel

"Natürlich ist Technologietransfer wichtig und er ist auch aus russischer Sicht sehr erwünscht", betont auch der Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold. Eine Gefahr für die deutschen Opelstandorte mag er darin aber nicht erkennt. "Man muss jetzt erst einmal abwarten, bis man die einzelnen Konditionen des Verkaufs kennt", sagt Mangold. Sollte der russische Gaz-Konzern aber versuchen, sich auf Kosten der deutschen Werke zu sanieren "könnte die Bundesregierung natürlich reagieren, weil sie dank der staatlichen Finanzierung für Opel einen Hebel in der Hand hat", so Mangold. "Bis der erste in Russland gebaute Opel allerdings vom Band läuft", beschwichtigt der Wirtschaftslobbyist, "werden noch mindestens zwei Jahre vergehen."

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