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Kartellamt nimmt überteuerte Gebühren für Geldautomaten ins Visier


Geldautomaten-Gebühren: Banken droht Ärger

15.03.2010, 15:01 Uhr | CS mit Material von AFP und dpa-tmn

Kartellamt nimmt überteuerte Gebühren für Geldautomaten ins Visier. Banken verlangen für das Abheben an Fremdautomaten oft saftige Gebühren (Foto: imago)

Banken verlangen für das Abheben an Fremdautomaten oft saftige Gebühren (Foto: imago)

Die Abzocke am Geldautomaten könnte bald ein Ende haben. So ermittelt das Kartellamt mittlerweile gegen mehr als 280 Banken wegen des Vorwurfs überhöhter Gebühren an Geldautomaten. "Dem Bundeskartellamt liegen Beschwerden von Personen und Kreditinstituten über die Höhe der Entgelte vor", sagte ein Kartellamtssprecher der "Euro am Sonntag". Diese Beschwerden würden nun geprüft. Dazu versandten die Wettbewerbshüter Fragebögen an die betroffenen Institute. Sollten sich die Beschuldigungen erhärten, droht den Banken ein Kartellamts-Verfahren.

Banken droht ein formelles Verfahren

Die Untersuchungen konzentrierten sich neben bundesweit tätigen Instituten auf Regionen in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und Bayern. Betroffen seien sowohl private Institute, aber auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Dabei ermitteln die Kartellwächter wegen des Verdachts auf Wettbewerbsbeschränkungen, verbotener Diskriminierung und Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Konkret geht es darum, ob die Banken tatsächlich völlig überhöhte Gebühren beim Geldabheben an fremden Automaten verlangen. Bis Ende März soll dem Bericht zufolge entschieden werden, ob ein formelles Verfahren eingeleitet wird.

Politik schaltet sich ein

Das Thema sei auch Gegenstand eines Spitzengesprächs, zu dem der Verbraucherschutzausschuss des Bundestags am 17. März Bankenrepräsentanten nach Berlin geladen hat. Michael Goldmann (FDP), Vorsitzender des Ausschusses, schloss eine gesetzliche Regulierung nicht aus: "Ich will nicht gleich die Gesetzeskeule schwingen. Fakt ist aber, dass im Interesse der Verbraucher schnell gehandelt werden muss", sagte er der Zeitung.

Abheben an Fremdautomaten immer teurer

Eine Umfrage der Finanzberatung FMH aus dem Januar dieses Jahres ergab, dass der durchschnittliche Preis für das Abheben an Fremdautomaten 5,64 Euro beträgt - eine Steigerung von 13 Prozent in nur sechs Monaten. Manche Banken verlangten sogar pauschal zehn Euro. Schon damals liefen Verbraucherschützer Sturm und bezeichneten die Praxis der Banken als nicht hinnehmbar.

10 Euro Gebühr für 50 Euro Abheben

Laut FMH kostet das Geldabheben bei folgenden zehn Banken jeweils 10 Euro, wenn man nicht Kunde der Bank ist: DKB, Raiffeisenbank Donauwörth, Sparda-Banken Südwest und West, Sparkassen Fürstenfeldbruck und Landshut, Stadtsparkasse Fürth, Volksbank Kaiserslautern, Volks- und Raiffeisenbank Coburg und PSD-Bank Hessen-Thüringen. Wenn ein Kunde dort beispielsweise 50 Euro abhebt, werden also 20 Prozent Gebühren zusätzlich abgezogen.

Kosten von bis zu 20 Euro

Die teuersten Banken sind der FMH-Untersuchung zufolge die Sparkasse Laubach Hungen, die Raiffeisenbank Biberach und die Volksbank Kinzigtal und Enzkreis. Bei ihnen zahlt die ING-DiBa für Kunden, die mit ihrer EC-Karte Geld abheben, satte 20 Euro. Das ist eine Strafgebühr dafür, dass unsere Kunden fremde Geldautomaten nutzen, sagt Thomas Bieler von der Frankfurter Direktbank. Der Kunde zahlt von dieser Gebühr laut DiBa fünf Euro. Nutzt derselbe Kunde dagegen seine Visa-Card kostet ihn das Bargeld nichts.

Geldautomaten-Streit zwischen den Banken

"Der Hintergrund ist, dass die Banken untereinander immer höhere Gebühren für solche Abhebungen verlangen - und das geben sie an den Kunden weiter", erläuterte FMH-Chef Max Herbst damals den Hintergrund der Abzocke am Automaten. Dabei lägen die Kosten einer Fremdabhebung für eine Bank bei rund 70 Cent, so Goldmann gegenüber der "Euro am Sonntag". Fremdgeher werden hingegen mitunter mit der zehnfachen Gebühr bestraft. Die Hausbank nimmt oft noch zusätzliche Gebühren. Sie tut dies ganz unterschiedlich, je nachdem welches Logo der Automat trägt, an dem man sich seine Liquiditätsspritze besorgt, heißt es bei der FMH-Finanzberatung.

Gebühren nicht transparent

Da die Gebühren dem Kunden meist nicht ersichtlich sind, rät Herbst Bankkunden, im Preisaushang der eigenen Bank genau nachzusehen, bei welcher anderen Bank welche Gebühr fällig wird. Doch nach den Recherchen der FMH-Finanzberatung wissen die Bankmitarbeiter oft selbst nicht, wie hoch diese ausfallen. Manchen Beschäftigten war sogar nicht klar, dass sich die entsprechenden Gebühren im Preisaushang finden. Eine Möglichkeit für mehr Transparenz wäre es, den Preisaushang im Internet zu publizieren - doch das scheuen etliche Banken offenbar. "Diese Zurückhaltung könnte damit zu tun haben, dass Banken dann nur schlecht die Preise erhöhen könnten, ohne dass es auffällt“, so Herbst.

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