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Expertenrat: Auswege aus dem Exportüberschuss


Expertenrat  

Auswege aus dem Exportüberschuss

06.04.2010, 12:13 Uhr | Financial Times Deutschland

Die Welt des Warenhandels ist ein Nullsummenspiel: Des einen Überschuss ist des anderen Defizit. Und die Stärke des einen ist die Schwäche des anderen, was insgesamt destabilisiert. Die "FTD"-Konjunkturexperten setzen dagegen vor allem auf Dienstleistungen.

Abbau der Außenüberschüsse

Reformen des Dienstleistungssektors und Steuererleichterungen sollen nach Meinung von Experten den Abbau der deutschen Außenüberschüsse vorantreiben. Das ist das Ergebnis der jüngsten "FTD"-Schattenratumfrage unter deutschen Ökonomen. Als Alternative werden auch zusätzliche staatliche Investitionen in Betracht gezogen. Nur eine Minderheit der Ökonomen fordert einen stärkeren Anstieg der deutschen Löhne.

Deutschland muss etwas tun

Die Umfrage zeigt spiegelbildlich zur öffentlichen Diskussion, dass sich mittlerweile die meisten Ökonomen weitgehend in einem Punkt einig sind: Nicht allein die Defizitländer sind für die Ungleichgewichte der Außenhandelsbilanzen in der Euro-Zone verantwortlich - und müssten entsprechend handeln. Auch Deutschland sollte Maßnahmen ergreifen, um die Unterschiede innerhalb des Währungsgebiets auszugleichen.

Reformen im Dienstleistungssektor

Fast ein Drittel der Ende März befragten "FTD"-Schattenräte spricht sich dafür aus, dass Deutschland Reformen im Dienstleistungssektor vorantreiben sollte. Diesen Vorstoß unterstützt auch Thomas Mayer, Chefökonom der Deutschen Bank. Seiner Ansicht nach sollte der Binnensektor durch angebotspolitische Strukturreformen dynamisiert werden. "Es würden Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor entstehen, die das bisher ungenutzte Nachfragepotenzial in diesem Bereich ausschöpfen und damit die Inlandsnachfrage stärken würden", sagte Mayer. So würden die deutschen Überschüsse nachhaltig reduziert.

Wachstum bei der Binnennachfrage

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rät Deutschland zu Reformen, um das Wachstum über die Exporte hinaus auszudehnen. In ihrem neuen Wirtschaftsbericht für Deutschland empfiehlt die Industriestaatenorganisation, es müssten weitere Reformen umgesetzt werden, "um das Wachstumspotenzial in Sektoren zu steigern, die die Binnennachfrage bedienen". So sollte unter anderem der Rahmen für Investitionen verbessert werden.

Mehr Kaufkraft durch Steuersenkungen

Zur Reduzierung der deutschen Überschüsse gibt es nach Ansicht vieler Experten auch die Möglichkeit von Steuer- und Abgabensenkungen. Über 30 Prozent der "FTD"-Schattenräte sprachen sich jüngst für dieses Instrument aus. Insbesondere eine Senkung der Lohnsteuer sei zielführend, sagte Udo Ludwig, Ökonom beim Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). "Die Kaufkraft der deutschen Verbraucher steigt, und sie konsumieren mehr", sagte der Ökonom. In der Folge stiegen auch die deutschen Importe, wodurch wiederum die Außenüberschüsse sinken würden, so Ludwig. Diese Maßnahme könnte allerdings auch die Lage des Staatshaushalts verschlechtern, schränkte er ein. "Der Zeitpunkt muss günstig sein."

Mehr Staatsausgaben

Eine weitere Option könnte sein, dass Deutschland mit zusätzlichen öffentlichen Investitionen die Nachfrage im Inland ankurbelt und so die Überschüsse reduziert. Der Mechanismus griffe ähnlich wie bei Steuersenkungen: Die heimische Nachfrage würde steigen und so auch die Importe beleben.

Sparen zum Schuldenabbau

"Wenn die Länder Europas asynchron aus der Verschuldung aussteigen, würden die Ungleichgewichte abgebaut", sagte Gustav Horn, Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung und Schattenrat-Mitglied. Seiner Ansicht nach könnten Überschussländer wie Deutschland später ihre Sparprogramme beginnen als die europäischen Defizitländer.

Minderheit für höhere Löhne

Mit knapp acht Prozent der Befragten vertritt im "FTD"-Schattenrat zwar nur eine Minderheit der deutschen Ökonomen die Ansicht, dass ein stärkerer Anstieg der Löhne der beste Weg wäre, die deutschen Überschüsse abzubauen. Indes ist nach Einschätzung von Heiner Flassbeck, dem Chefökonom der Welthandels- und Entwicklungskonferenz (Unctad), eine Lohnstückkostenanpassung die einzige dauerhaft wirksame Maßnahme in der Euro-Zone.

Staat kann Löhne nicht bestimmen

"Deutschland muss mehr tun, weil es stärker nach unten vom gemeinsamen Inflationsziel von zwei Prozent abgewichen ist als die anderen Länder nach oben", sagte der Ökonom. "Wer ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone, Deflation oder eine Transferunion verhindern will, muss diesen Weg gehen", meint er. Dieser Weg wird von anderen Experten aber kritisiert, weil in einer Marktwirtschaft der Staat kaum über die Lohnkosten entscheiden könne.

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