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Preisabsprachen: Hohe Strafen für Badezimmer-Kartell


Preisabsprachen  

Kalte Dusche für Badezimmer-Kartell - hohe EU-Strafen

24.06.2010, 13:40 Uhr | dpa, dpa, t-online.de

Preisabsprachen: Hohe Strafen für Badezimmer-Kartell. Badezimmer-Firmen hielten jahrelang ihre Preise zu hoch (Foto: dpa)

Badezimmer-Firmen hielten jahrelang ihre Preise zu hoch (Foto: dpa)

Jahrelang haben deutsche Verbraucher zu viel Geld für Badewannen, Duschkabinen und Wasserhähne bezahlt. Jetzt müssen die Sanitär-Ausstatter dafür büßen: Wegen verbotener Preisabsprachen verhängte die EU-Kommission gegen 17 Firmen Geldstrafen von insgesamt 622 Millionen Euro. Dem Kartell gehörten sechs deutsche Badezimmer-Ausstatter an, darunter auch Villeroy & Boch. "Dieses Kartell hat den Bau- und Handwerksfirmen ebenso wie vielen Verbrauchern geschadet", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia in Brüssel. Er empfahl Geschädigten, die Firmen zu verklagen.

Der Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK) kündigte an, mögliche Forderungen zu prüfen. "Wir sind verpflichtet, im Interesse unserer Betriebe Schadenersatzklagen zu prüfen", sagte ZVSHK-Sprecher Frank Ebisch der "Badischen Zeitung". Der Verband vertritt nach eigenen Angaben 30.000 Handwerksbetriebe in Deutschland, die 2008 einen Umsatz in Höhe von knapp 27 Milliarden Euro erwirtschafteten.

Sanitär-Preise jahrelang künstlich hoch gehalten

Zwölf Jahre lang hielten die Sanitär-Unternehmen in Deutschland und fünf weiteren EU-Ländern die Preise künstlich hoch. Aus Deutschland beteiligten sich die Unternehmen Dornbracht, Duravit, Grohe, Hansa, Kludi und Villeroy & Boch. Von ihnen muss Villeroy & Boch die höchste Strafe von 71,5 Millionen Euro zahlen. Das Unternehmen will voraussichtlich Rechtsmittel einlegen und kündigte an, im Halbjahresabschluss eine Rückstellung zu bilden. Daraufhin brachen die Aktien zeitweise um mehr als 25 Prozent ein. Grohe wurde die Geldbuße um ein Drittel erlassen, weil das Unternehmen mit der EU-Kommission zusammenarbeitete. Straffrei ging der US-Anbieter Masco mit seinen Tochterunternehmen Hansgrohe und Hüppe aus, denn er hatte das Kartell bei den EU-Wettbewerbshütern verpfiffen. Die höchste Strafe brummte die Kommission mit 326 Millionen Euro dem amerikanischen Hersteller Ideal Standard auf.

Daneben gingen die deutschen Hersteller Duravit, Hansa, Kludi und Dornbracht den Wettbewerbshütern ins Netz. Auch Roca aus Spanien und Duscholux aus Österreich beteiligten sich neben Firmen aus Italien und Finnland zwischen 1992 und 2004 an den Absprachen. Über ihr rechtswidriges Vorgehen hätten sich die Firmen am Rande von Tagungen ihrer Branchenverbände verständigt, teilte die Kommission mit.

Firmenvertreter trafen sich häufig

"Dieses Kartell kann als wohlorganisiertes Kartell gelten", sagte Almunia. Zwischen 1992 und 2004 hätten die Firmen die Preise für Boiler, Duschkabinen, Duschtüren, Badewannen und Armaturen im Detail abgesprochen. Mehr als 250 Mal hätten sich Firmenvertreter getroffen.

Ein verbotenes Kartell zu bilden, kann für ein Unternehmen teuer werden, denn die EU sieht Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes vor. In diesem Fall bleiben die Beträge aber weit darunter. Grund dafür ist die aktuelle Wirtschaftskrise, in der die EU-Kommission Rücksicht auf die schwierige Lage vieler Firmen nimmt. So hatten einige Kartellsünder erklärt, sie würden pleitegehen, wenn sie die üblichen hohen Summen zahlen müssten. "Es geht in der Wettbewerbspolitik nicht darum, Unternehmen den Todesstoß zu versetzen", betonte Almunia.

Entgegenkommen in der Krise

Die EU-Kommission hatte in der vergangenen Woche entschieden, in der Krise Kartellsündern entgegenzukommen. So können Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten ihre Geldbußen künftig leichter in Raten abbezahlen. Anders als bisher müssen sie für noch nicht beglichene Raten keine Bankgarantie mehr vorweisen. Von dieser Regelung profitieren auch die deutschen Sanitärausstatter.

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