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Preisabsprachen: Stahl-Kartell muss blechen


Preisabsprachen  

Stahl-Kartell muss EU-Strafe blechen

30.06.2010, 14:08 Uhr | apn, AFP, AFP, dapd, t-online.de

Die EU-Kommission hat eine hohe Millionenstrafe gegen ein langjähriges Stahlkartell verhängt. 17 Produzenten von Spannstahl müssen 518,5 Millionen Euro zahlen, davon entfallen als höchste Einzelstrafe 276,5 Millionen auf den Branchenprimus ArcelorMittal. Das Kartell nannte sich "Club Europa" und war von 1984 bis 2002 aktiv. In dieser Zeit wurden Preise abgesprochen und Märkte aufgeteilt. Die Firmen seien dabei "fast so aufgetreten wie in einer Planwirtschaft", erklärte die EU-Kommission in Brüssel. Das illegale Netzwerk erstreckte sich auf fast alle damaligen EU-Länder.

Mit dabei waren auch die deutschen Firmen Pampus und Saarstahl. Saarstahl packte 2002 aus, ermöglichte so die Zerschlagung und entging damit selbst einer Geldbuße. Pampus muss 56 Millionen Euro zahlen.

Kartell mit hoher Selbstdisziplin

"Es ist erstaunlich, wie es so zahlreichen Unternehmen gelingen konnte, über einen so langen Zeitraum hinweg nahezu die gesamte europäische Bauindustrie zu schädigen", erklärte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Es handelt sich um die neunthöchste je verhängte Kartellstrafe der Kommission. Als Spannstahl werden Metalldrähte und Litzen aus Bewehrungswalzdraht bezeichnet, die etwa zum Vorspannen von Beton für Bodenplatten, Balkone oder Brücken verwendet werden.

Die ersten europaweiten Kartelltreffen fanden 1984 in Zürich statt, daher der erste Name "Züricher Club". In der Regel hätten sich die Unternehmen am Rande offizieller Branchenverbands-Veranstaltungen in Hotels überall in Europa getroffen, erklärte die Kommission. Es gebe Beweise für mehr als 550 Kartelltreffen.

Strafzuschlag für Wiederholungstäter

Absprachen wurden in sämtlichen damaligen EU-Ländern außer Großbritannien, Irland und Griechenland getroffen. 18 Jahre lang haben die beteiligten Unternehmen einzelne Lieferquoten und Preise festgesetzt, Abnehmer untereinander aufgeteilt und sensible Geschäftsinformationen ausgetauscht, erklärte Almunia. Die Geldbußen gegen zwei ArcelorMittal-Töchter wurden um 60 Prozent erhöht, weil sie schon zuvor in zwei Fällen wegen Kartellvergehen im Stahlsektor sanktioniert worden waren. Pampus erhielt einen Abschlag von fünf Prozent, weil es mit der Kommission kooperierte. Für drei Unternehmen gewährte der Wettbewerbskommissar Nachlässe von bis zu 75 Prozent, weil ihnen sonst der Konkurs gedroht hätte.

"Die Kommission wird gegenüber Kartellen keine Nachsicht walten lassen", warnte Almunia. Bereits vor einer Woche hatte seine Behörde eine Strafe von 622 Millionen Euro gegen ein Badewannen-Kartell verhängt, dem auch zahlreiche namhafte deutsche Sanitär-Einrichter angehörten.

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