Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Börse & Märkte > Aktien >

Aktienmarkt: Chaos auf den Weltmärkten nach Fed-Entscheidung


Nach dem Fed-Entscheid  

Chaos auf den Weltmärkten

12.08.2010, 08:30 Uhr | Financial Times Deutschland

Aktienmarkt: Chaos auf den Weltmärkten nach Fed-Entscheidung. Die Kurse in Japan fielen ebenfalls (Foto: Reuters)

Kursrutsch in Tokio (Foto: Reuters)

Die US-Notenbank versetzt die Anleger mit ihrem trüben Konjunkturausblick in Depressionen. Die Aktienmärkte liefern sich infolge ein wildes Auf und Ab und verlieren mühsam erkämpfte Kursgewinne.

Euro stürzt ab

Der schlechtere Konjunkturausblick der US-Währungshüter hat Investoren am Mittwoch weltweit aus riskanten Anlagen getrieben. Die Aktienkurse brachen rund um den Globus ein, im Gegenzug parkten Anleger ihre Gelder in Staatsanleihen vieler Länder Europas sowie der Vereinigten Staaten, wobei sie teilweise so wenig Rendite verlangten wie noch nie. Unter den Währungen waren besonders der Dollar und der japanische Yen sehr beliebt, der Euro stürzte ab.

"Die Anleger auf Aktienmärkten folgen denen am Rentenmarkt", sagte Claudia Windt, Analystin bei der Helaba. Bondinvestoren waren in den vergangenen Wochen bereits von Tag zu Tag pessimistischer geworden, während die Aktienmärkte erst seit Freitag leicht korrigieren.

Fed stürzt Märkte in Turbulenzen

Ausgelöst hatte den Umschwung die US-Notenbank Fed am Dienstag. Sie äußerte sich skeptischer als zuvor über die Lage der US-Wirtschaft und kündigte weitere Hilfen für die Wirtschaft an. Zuvor hatten einige US-Notenbanker sogar davor gewarnt, die USA könne in "japanische Verhältnisse" mit Deflation und anhaltend niedrigem Wachstum rutschen.

Der deutsche Aktienindex DAX verlor am Mittwoch 2,1 Prozent auf 6154 Zähler und hat somit binnen nur zwei Handelstagen die zuvor binnen drei Wochen mühsam erkämpften Kursgewinne wieder abgegeben. Noch am Freitag hatte er ein Jahreshoch von 6386 Punkten erreicht. "Jetzt rächt sich, dass die Kursgewinne der letzten Wochen auch nur unter sehr dünnen Umsätzen zustande kamen", erklärte ein Aktienhändler. "Nun hat auch der Letzte verstanden, dass der Konjunkturaufschwung nicht selbsttragend ist", sagte Markus Wedel, Aktienexperte des Handelshauses Jefferies.

Auch andere Aktienmärkte verloren deutlich: Der Londonder FTSE 100  fiel 2,4 Prozent, für den CAC 40 ging es in Paris 2,7 Prozent abwärts, und in den USA gab der SP-500-Index für Standardwerte bis zum Abend 2,5 Prozent und die Technologiebörse Nasdaq zeitweise mehr als drei Prozent ab. Klaus Stabel, Leiter Research der ICF Kursmakler, macht für den jüngsten Rutsch aber auch die Nachrichten aus Fernost mitverantwortlich. "Die Expansionseuphorie in China hat zuletzt etwas nachgelassen, weil das Land erkennbar auf der Bremse steht."

Dollar steigt trotz schlechter US-Nachrichten

Die Kurse von zehnjährigen Staatsanleihen aus Deutschland stiegen so stark, dass deren Rendite zeitweise auf ein Rekordtief von 2,4 Prozent absackte. Die Verzinsung fällt immer dann, wenn die Nachfrage nach Anleihen und damit deren Kurse steigen.

"Anleger fürchten, dass die US-Notenbanker tatsächlich ihre Geldpolitik wieder lockern müssen, nachdem sie gesehen haben, wie wenig die bisherigen Hilfen gebracht haben", sagte Helaba-Expertin Windt. Da viele Investoren in Europa aber noch immer Papiere von Staaten mit Schulden- und Bankenkrisen meiden, hätten Bundesanleihen sogar noch einen stärken Schub bekommen als US-Staatsanleihen. Die Rendite zweijähriger US-Bonds sackte erstmals unter die Marke von 0,5 Prozent. Zehnjährige warfen am Abend 2,69 Prozent Rendite ab - acht Basispunkte weniger als am Vortag.

An den Devisenmärkten kehrte ein altes Krisenmuster wieder, wonach Anleger bevorzugt Dollar kaufen, selbst wenn schlechte Nachrichten aus den USA kommen. Hintergrund ist, dass die Anleger trotz der durchwachsenen Perspektiven der USA noch immer mehr vertrauen als etwa dem Euro-Raum. Der Euro verlor heftige 2,2 Prozent zum Dollar. Der Greenback wiederum büßte zum Yen mit minus 0,1 Prozent nur leicht ein, allerdings stieg Japans Devise zwischenzeitlich auf den höchsten Wert seit 15 Jahren: auf 84,73 Yen für einen Dollar.

"Die Fed hat an Vertrauen in die Stärke der Erholung verloren", sagte Michael Gapen, US-Volkswirt bei Barclays Capital. Die Fed sorgt vor allem die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit, die den Häusermarkt und den Konsum belastet - zwei zentrale Sektoren für die weltgrößte Volkswirtschaft. Die Fed hatte beschlossen, dass sie fällig werdende Wertpapiere aus ihrer Bilanz ersetzt und dafür längerlaufende Staatsanleihen kauft, um die Wirtschaft zu stützen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal