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Oetker backt sich eine Großbank


BHF-Kauf  

Oetker backt sich eine Großbank

07.10.2010, 11:12 Uhr | Financial Times Deutschland

Oetker backt sich eine Großbank. Oetker erschließt sich neue Wege (Foto: AP)

Oetker erschließt sich neue Wege (Foto: AP)

Das Bankhaus Lampe gehört zur Oetker-Gruppe und will künftig zusammen mit dem Finanzinvestor KKR das Institut BHF übernehmen. Eine ungewöhnliche Kooperation - die eine der größten Banken zur Folge hätte, die rein auf private Vermögensverwaltung konzentriert ist.

"Wir prüfen den Erwerb der BHF, der für uns ein großer strategischer Schritt wäre", bestätigte eine Lampe-Sprecherin entsprechende FTD-Informationen. "Wir wollen uns an der Konsolidierung des deutschen Privatbankensektors beteiligen", sagte sie. Erhält Lampe den Zuschlag für die Deutsche-Bank-Tochter BHF, wäre das Institut mit einem Schlag eine der größten rein auf die Verwaltung privater Vermögen konzentrierten Banken des Landes. Lampe verwaltet rund 14 Milliarden Euro, die BHF mehr als 40 Milliarden Euro. Größer sind nur noch HSBC Trinkaus und Sal. Oppenheim. Zudem ist die Kooperation mit KKR ungewöhnlich. In der Regel treten Finanzinvestoren bei Übernahmen allein oder zusammen mit anderen Private-Equity-Gesellschaften auf, nicht aber mit "Strategen" - also Bietern aus der Branche, aus der das Übernahmeobjekt kommt. Warum Lampe mit der "Heuschrecke" KKR und nicht allein agiert, wollte die Sprecherin nicht sagen. Klar ist aber, dass KKR nicht nur Fachwissen einbringen, sondern sich auch finanziell am BHF-Kauf beteiligen will.

BHF gehört noch der deutschen Bank

Verkäuferin ist die Deutsche Bank. Ihr gehört die BHF seit der Übernahme der Luxemburger Privatbank Sal. Oppenheim. Oppenheim hatte die BHF 2004 der niederländischen ABN Amro abgekauft, war aber 2009 nach 220 Jahren Unabhängigkeit vom Marktführer für rund eine Milliarde Euro geschluckt und damit vor der Pleite gerettet worden. Die Oppenheim-Führung hatte sich mit Derivatewetten, Großkrediten an Lieblingskunden und der fatalen Beteiligung am Warenhauskonzern Arcandor verspekuliert.

Den Verkauf der BHF will die Deutsche Bank noch 2010 abschließen. Das Institut, das am Mittwoch seine Kapitalerhöhung über 10,2 Milliarden Euro zur Finanzierung der Postbank-Übernahme erfolgreich abschloss, hofft auf einen Kaufpreis in Höhe des BHF-Buchwerts von 640 Millionen Euro. Dass es so viel kassiert, ist aber unrealistisch, auch wenn in der BHF-Bilanz kaum riskante Wertpapiere schlummern. Zu unsicher ist die Lage an den Märkten, hinzu kommen Restrukturierungskosten.

Interessenten haben bis Ende Oktober Zeit, für die BHF zu bieten. Dann endet die Frist für die Abgabe verbindlicher Offerten. Deutsche-Bank-Finanzvorstand Stefan Krause hatte die Zahl der Interessenten für die BHF Mitte September auf vier beziffert.

Bekannt ist, dass das liechtensteinische Fürsteninstitut LGT im Rennen ist, ebenso der Finanzinvestor Apollo, der zusammen mit der Abu Dhabi Investment Company (ADIC) bietet. ADIC und BHF kooperieren seit 2009 im Fondsgeschäft. Interesse wird auch der brasilianischen Banco Itaú nachgesagt. Sollte Itaú tatsächlich ein Angebot abgeben, beträten die Brasilianer Neuland: Sie sind bislang ausschließlich in Nord- und Südamerika aktiv. Nach dem Ende der ersten Frist für die Abgabe unverbindlicher Angebote ausgeschieden waren die Pariser BNP Paribas sowie die Züricher Privatbank Julius Bär.

Bankhaus Lampe ist in zwölf deutschen Städten mit Filialen vertreten. 2009 hatte das Institut mit 627 Mitarbeitern nach Steuern zwölf Millionen Euro verdient. 1852 als Bank- und Speditionsgeschäft in Minden gegründet, gehört Lampe seit 1949 zur Oetker-Gruppe. Kerngeschäft des Familienkonzerns sind Nahrungsmittel. Dazu gehören außerdem die Getränkegruppe Radeberger, die Sektkellerei Henkel, die Hamburg Südamerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft (HSDG) sowie die Oetker Finanzierungs- und Beteiligungs-GmbH.

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