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Airlines fliegen vielleicht bald mit Algensprit


Luftverkehr  

Fliegen Airlines bald mit Algensprit?

07.12.2010, 12:16 Uhr | t-online.de, srt - Fabian von Poser, t-online.de

Airlines fliegen vielleicht bald mit Algensprit. Bald Flugzeug-Sprit aus Algen?  (Foto: srt/ Huber)

Bald Flugzeug-Sprit aus Algen? (Foto: srt/ Huber)

Schon bald sollen tonnenschwere Passagierflugzeuge mit Biosprit aus Wasserpflanzen abheben. Geht es nach Flugzeugherstellern und Airlines, könnte aus Algen gewonnener Treibstoff schon bald herkömmliches Kerosin ersetzen. Aber kann das funktionieren?

Sie sind mikroskopisch klein, grün und sehr pflegeleicht. Sie vermehren sich im Handumdrehen und gedeihen fast überall. Und sie sind die große Hoffnung der Luftfahrt-Industrie: Mikroalgen. Geht es nach Flugzeugherstellern und Airlines, könnte aus Algen gewonnener Treibstoff schon bald herkömmliches Kerosin ersetzen. "Biotreibstoff aus Algen hat großes Potenzial, da Algen große Mengen an CO2 aufnehmen, relativ wenig Fläche brauchen und sehr ergiebig sind", sagt Béatrice Bracklo vom Flugzeughersteller Boeing in Berlin.

Flugzeug-Turbinen müssen nicht umgebaut werden

Mikroalgen sind bekannt dafür, dass sie Fettsäuren produzieren, die wiederum in Biodiesel umgewandelt werden können. In der Raffinerie lässt sich daraus eine Substanz mit fast denselben Eigenschaften machen wie Kerosin. Bereits seit geraumer Zeit unterstützt Boeing deshalb die Forschung mit Biosprit. Das Gute am Algentreibstoff: An einer Flugzeugturbine müssen keine Änderungen vorgenommen werden. "Das war von Anfang an ein wichtiges Ziel, damit der Biotreibstoff nach der Zertifizierung unmittelbar eingesetzt werden kann."

Auch die Fluggesellschaften forschen mit Hochdruck an Alternativen zum herkömmlichen Kerosin. Anfang Dezember stellte Lufthansa gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und der Deutschen Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) in Berlin Pläne vor, wonach sie schon in naher Zukunft Passagierflugzeuge teilweise mit Biotreibstoff betanken will, darunter Rapsöl. Die weltweit erste Langzeiterprobung von bio-synthetischem Kerosin, einem Mix aus verschiedenen Energieträgern, wird ab April 2011 auf der Strecke Frankfurt-Hamburg im regulären Flugbetrieb stattfinden. Dabei wird nach erfolgreicher Zulassung voraussichtlich im März eine Mischung von 50 Prozent bio-synthetischem Kerosin und 50 Prozent normalem Kerosin auf einem Triebwerk verwendet. In den sechs Monaten der Erprobung werden rund 1500 Tonnen CO2 eingespart, schätzen Experten.

Lufthansa will bis 2020 zehn Prozent Biosprit beimischen

Bei den Tests geht es jedoch nicht nur darum, ein möglichst umweltschonendes Treibstoffkonzept zu entwickeln. Angesichts steigender Kosten und endlicher Rohstoffe benötigt man Alternativen zum herkömmlichen Kerosin. Er sei sehr an einer höheren Treibstoffeffizienz interessiert, weil das Budget dafür einen "sehr großen Brocken" darstelle, sagte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber schon vor Wochen. "Unser Ziel ist es, im Jahr 2020 bis zu zehn Prozent Bio-Sprit beizumischen." Jeden Tag verbraucht die Lufthansa derzeit rund 27 Millionen Liter Kerosin. 2010 werden die Gesamtkosten der Airline dafür auf 5,2 Milliarden Euro geschätzt, 2011 könnten sie auf sechs Milliarden Euro steigen.

Mit Kraftstoff aus Pflanzenöl ein mehrere hundert Tonnen schweres Passagierflugzeug in die Luft zu heben, kann das funktionieren? Offensichtlich ja, denn auch andere Fluggesellschaften haben bereits Testflüge mit Biosprit unternommen, darunter Air New Zealand, Continental, KLM und Japan Airlines. Virgin Atlantic startete sogar schon mit raffiniertem Kokos-Öl. Erst Ende November haben TAM Airlines und Airbus mit einem Airbus A320 den ersten Flug mit Biokraftstoffen auf Jatropha-Basis, einer Pflanze aus der Familie der Wolfmilchgewächse, die vor allem in tropischen Gefilden wächst, durchgeführt. Airbus zufolge könnten Jatropha-Kraftstoffe die CO2-Bilanz im Luftverkehr in Zukunft um bis zu 80 Prozent verbessern.

Keine landwirtschaftliche Nutzfläche benötigt

Doch die Branche ist noch weit davon entfernt, große Mengen an Bio-Treibstoff zu verfliegen. "Der Markt dafür ist vermutlich einer der wenigen weltweit, auf dem eine riesige Nachfrage besteht, aber nahezu kein Angebot", sagt Peter Schneckenleitner von der Lufthansa. In ganz Deutschland gebe es bislang kein einziges Unternehmen, das Biomasse in großen Mengen in Treibstoff umwandeln könne. Den Sprit für ihre Testflüge muss die Lufthansa derzeit noch aus dem Ausland beziehen: vom finnischen Mineralölunternehmen Nestle Oil.

Algenöl ist derzeit noch nicht dem Bio-Cocktail der Lufthansa beigemischt, und das wird auch noch dauern. "Bei Algen steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen, langfristig gesehen sind sie aber eine interessante Alternative zu anderen Rohstoffen", sagt Schneckenleitner. "Sie besitzen eine sehr hohe Energiedichte." Ein weiterer Vorteil von Algen sei, dass sie sich sehr schnell vermehren. Außerdem werde für die Herstellung von Algen keine landwirtschaftliche Nutzfläche benötigt. Sie wachsen nahezu überall, selbst auf Brachland und in der Wüste. Es besteht also kein Wettbewerb zu anderen Produkten. Negatives Beispiel ist Mexiko, wo 2007 die Tortillas knapp wurden, weil ein Großteil des angebauten Maises an die boomende Bio-Ethanol-Industrie in den USA verkauft wurde.

Algensprit ist produktiver als andere Biotreibstoffe

Ist das Augenwischerei der Luftfahrt-Industrie oder sind Algen tatsächlich so umweltfreundlich wie behauptet wird? "Mikroalgen verbrauchen genauso viel CO2 wie sie produzieren, das macht den aus ihnen gewonnenen Kraftstoff sehr klimafreundlich", sagt Otto Pulz. Pulz ist so etwas wie der Algen-Pionier in Deutschland. Am Institut für Getreideverarbeitung (IGV) in der Nähe von Potsdam forscht er seit Jahren mit den Mikroorganismen. Auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin im September startete der erste öffentliche Testflug mit Algensprit in enger Zusammenarbeit des IGV mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Und Algen haben laut Pulz noch einen weiteren großen Vorteil: "Sie wachsen nicht nur überall, sondern sind je Flächeneinheit auch viel produktiver als andere Biotreibstoffe. Aus einem Hektar Raps gewinnen wir etwa sieben Tonnen Biomasse, aus Algen 250 bis 300 Tonnen." Wegen seines geringeren Volumens sei Algensprit sogar effektiver als Kerosin. "Mit gleicher Tankfüllung kann man also weiter fliegen."

Das einzige Problem, das die Luftfahrt-Industrie noch mit ihrem neuen Wunderkraftstoff hat, ist, dass er derzeit nur in Labormengen hergestellt werden kann. "Bislang produzieren wir etwa 10.000 Tonnen Mikroalgen pro Jahr. Für die Luftfahrt reicht das jedoch noch nicht einmal ansatzweise", sagt Pulz. Zum Vergleich: Der weltweite Kerosinbedarf beträgt derzeit etwa 250 Millionen Tonnen jährlich. Im Moment sei Algensprit noch fern der Wirtschaftlichkeit, gibt Pulz zu. "Aber je größer die Nachfrage ist, desto mehr wird angebaut und desto niedriger ist der Preis." Und was die Zukunft angeht, ist Pulz sehr optimistisch. Bis 2040 könnten schon 50 Prozent aller Flugzeuge weltweit mit Algentreibstoff fliegen, so der Experte.

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