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Inflation ist Eurolands einzige Option, sagt Stefan Riße


Gast-Kommentar  

Gast-Kommentar: Inflation ist Eurolands einzige Option

18.12.2010, 15:26 Uhr | Gastkommentar von Stefan Riße, t-online.de

Inflation ist Eurolands einzige Option, sagt Stefan Riße. Stefan Riße   (Quelle: privat)

Stefan Riße (Quelle: privat)

Auf dem EU-Gipfel in Brüssel sprach man wieder über die Schulden der Eurozone und deren zukünftiger Finanzierung. Tatsächlich sollte Deutschland aber die Löhne erhöhen, um die wirkliche Ursache des Problems zu bekämpfen - meint Stefan Riße in seinem Gast-Kommentar, exklusiv für t-online.de.

Viel wird derzeit darüber diskutiert, wie der Euro zu retten ist. Immer neue Vorschläge kommen inmitten der Schuldenkrise auf den Tisch, die immer mehr Länder zu erfassen droht. Von der Auflage gemeinsamer Euroanleihen über einen Teilverzicht durch die Gläubiger bis hin zu schärferen Sanktionen gegenüber den Schuldensündern ist von solidarisch bis abstrafend alles dabei. Dabei gehen die Diskussionen am wirklichen Problem der Eurozone vorbei. Die Politik fokussiert sich ausschließlich auf die zu hohe Verschuldung einiger Länder oder ihrer Banken und der dadurch ausgelösten Refinanzierungsprobleme. Diese Probleme wären solidarisch lösbar, doch würde sich an der chronischen Unterfinanzierung der betroffenen Länder auch in der Zukunft nichts ändern. Die Folge wäre: Die Schuldenberge wachsen weiter. Denn der Grund für die Staatsverschuldung ist nicht - wie die Bundesregierung glaubt - eine zu laxe Haushaltspolitik, sondern die durch den Euro verlorene Wettbewerbsfähigkeit.

In Spanien, Portugal, Griechenland, Italien und auch in Frankreich sind die Preise seit der Einführung des Euros deutlich stärker gestiegen als hierzulande. Das lag in den meisten der genannten Länder an einer in den Euro-Anfangsjahren rasant wachsenden Wirtschaft. Hierzulande hingegen musste sich zur selben Zeit die rot-grüne Koalition von FDP und CDU eine verfehlte Wirtschaftspolitik vorwerfen lassen, die Deutschland zum Schlusslicht Europas mache. Heute klingt das wie ein Witz. Denn tatsächlich war das Wachstum in den zum Vorbild gemachten Ländern fast ausschließlich auf steigenden Immobilienpreisen und Scheinreichtum aufgebaut. Deutschland hingegen übte Agenda 2010 und Lohnzurückhaltung und stärkte seine Wettbewerbsfähigkeit. Und das ist nun in Zeiten der gemeinsamen Währung das Problem.

Verloren Italien, Spanien, Portugal oder irgendein anderes Land in der Vergangenheit an Wettbewerbsfähigkeit, werteten sie im europäischen Währungssystem (EWS) ihre Währung ab und stellten so wieder Wettbewerbsfähigkeit her. Da das jetzt aber nicht mehr geht, müssten nun theoretisch betrachtet die Preise und Löhne in diesen Ländern über einen längeren Zeitraum fallen. Praktisch aber ist das unmöglich, da eine länger anhaltende Deflation erst recht in die wirtschaftliche Katastrophe führen würde. Die Bevölkerung der betroffenen Länder würde dies auf keinen Fall mitmachen.

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Für den Ausweg aus Eurolands Misere gibt es genau drei Optionen. Die erste ist eine Aufgabe unserer Gemeinschaftswährung und die Wiedereinführung nationaler Währungen. Für Deutsch(export)land eine Katastrophe, denn die wieder eingeführte D-Mark würde natürlich nicht nur innerhalb Europas, sondern auch gegenüber dem Dollar und dem chinesischen Yuan stark aufwerten, solange dieser an den US-Dollar gebunden ist. Es wäre zugleich das Ende der europäischen Integration. Die zweite ist eine permanente Subventionierung der nicht mehr wettbewerbsfähigen Länder durch die wettbewerbsfähigen mit Handelsbilanzüberschuss. Dies würde ohne politische Union jedoch zu einer unkontrollierbaren Transferunion führen - ohne Anreiz der von Transfers lebenden Länder, etwas an ihrer Politik zu ändern. Wir kennen das Problem sogar innerhalb einer politischen Union - mit dem Länderfinanzausgleich in Deutschland. Dauerhafte Spannungen wären vorprogrammiert.

Bleibt noch Option drei: Löhne rauf in Deutschland und die Inflation ankurbeln. So ließe sich vermeiden, dass die anderen Länder in die Deflation müssten, um ihr Preis- und Lohnniveau wieder an Deutschland anzupassen. Natürlich hätte auch diese Lösung ihre Kehrseite. Denn Deutschland würde einen Teil seiner Wettbewerbsfähigkeit, nicht nur innerhalb der Eurozone, sondern auch international verlieren. Doch vor dem Hintergrund, dass die USA sie schon längst verloren haben und auch in China die Löhne mittlerweile stärker als die Produktivität steigen, wäre dies verkraftbar. Nebenbei wäre auch das Verschuldungsproblem gelöst, wenn die vorhandenen Schulden durch Inflation abgewertet würden.

Was bedeutet das für die weitere Entwicklung des Euros? Dass bei einem Umsatz von vier Billionen Dollar in 24 Stunden Bewegungen der Devisenkurse wenig mit Fundamentaldaten zu haben, liegt auf der Hand. Deshalb kann auch hier die Stimmungsanalyse helfen. In der Eurokrise im Frühjahr 2010, als es bis auf 1,18 zum Dollar herunterging (siehe Euro-Chart), zeigte der starke Pessimismus, die Wende an. Aktuell ist die Stimmung auch eher pessimistisch, ein klares Verkaufssignal für den Dollar gegenüber dem Euro scheint jedoch nicht gegeben. Noch nicht. Sollte sich die Krise in Euroland durch politische Maßnahmen beruhigen lassen, wäre ein Aufwärtsschub für die Gemeinschaftswährung bei diesem Stimmungsbild aber allemal drin.

Der Autor Stefan Riße ist Deutschland-Chef und Hauptstratege von CMC Markets. Bekannt wurde er durch seine jahrelange Tätigkeit als Börsenkorrespondent für den Nachrichtensender n-tv. Sein Buch "Die Inflation kommt" schaffte es im Jahre 2010 in die Bestseller-Listen. -- Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de.

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