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Schuldenkrise: China hilft Europa - und sich selbst


Schuldenkrise  

China hilft Europa - und sich selbst

11.01.2011, 09:45 Uhr | mash mit dpa-AFX, dapd, t-online.de, dapd, dpa-AFX

Schuldenkrise: China hilft Europa - und sich selbst. Bulle an der Uferpromenade in Shanghai: China sagt weitere Unterstützung bei der Überwindung der EU-Schuldenkrise zu (Foto: imago)

Bulle an der Uferpromenade in Shanghai: China sagt weitere Unterstützung bei der Überwindung der EU-Schuldenkrise zu (Foto: imago)

Paukenschlag in der Euro-Zone: Nach Griechenland und Spanien will China bald weitere EU-Mitgliedsstaaten bei der Überwindung der Schuldenkrise unterstützen. Dies sagte der chinesische Vizepremierminister Wang Quishan in Peking bei einem chinesisch-europäischen Wirtschafts- und Handelsdialog. Die Märkte werten dies als Vertrauensbeweis für den Euro, der sich nach der Ankündigung stabilisierte. Peking handelt aber nicht völlig selbstlos: Die Volksrepublik will ihren größten Handelspartner stabilisieren - und Chinas Einfluss ausbauen.

Details zu den Stabilisierungsmaßnahmen nannte Wang Qishan nicht. Der Vizepremier sagte, China und die EU sollten ihre Zusammenarbeit verbessern, um gemeinsam für ein robustes, nachhaltiges und ausgewogenes Wachstum zu arbeiten. Aus Brüssel waren Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia, Handelskommissar Karel De Gucht und Währungskommissar Olli Rehn zu dem Treffen gereist.

Reich der Mitte will stabilen Euro

Peking handelt nicht aus purer Selbstlosigkeit: "Die Chinesen haben ein handfestes Interesse daran, dass der Euro überlebt", sagte Johannes Müller, Chefvolkswirt von DWS Investments. China habe riesige Währungsreserven, die größtenteils in Dollar investiert seien. Die lockere Geldpolitik der USA drückt jedoch den Wert des '"Greenback". "Um das Währungsrisiko zu reduzieren, baut China deshalb neben dem Dollar den Euro als zweite Währungsreserve auf", erklärte Müller im Gespräch mit t-online.de. Außerdem gewähre das Land Kredite in anderen Devisen, um seine Reserven zu diversifizieren.

"China will den vollen Marktzugang in alle Richtungen"

Während des Treffens erneuerte Chinas Handelsminister Chen Deming den Wunsch, dass Europa so schnell wie möglich den chinesischen Marktwirtschaftsstatus anerkennen könne. Dadurch sollten auch die Einschränkungen im bilateralen Handel von High-Tech-Produkten gelockert werden, berichtete die deutsche Online-Ausgabe von "Radio China International". "China will vollen Marktzugang in allen Richtungen", kommentierte DWS-Chefvolkswirt Müller. Das heißt, dass China den Zugang zu High-Tech-Produkten will - und in die andere Richtung bisherige EU-Handelszölle auf chinesische Produkte fallen könnten. Die EU ist Chinas wichtigster Handelspartner, China ist der zweitgrößte Markt für die EU.

"China will einen festen Platz im Welthandel", so Müller. Dies sei auch für die gesellschaftspolitische Entwicklung innerhalb Chinas wichtig. Momentan kämpft China mit hoher Inflation, die vor allem die Lebensmittelpreise rapide ansteigen lässt. Die Partei hat Angst vor sozialen Unruhen: "Die Legitimation der Partei beruht auf dem ständigen Wachstum des Lebensstandards", sagte Müller weiter. In den vergangenen Jahren habe die chinesische Regierung jedoch vieles richtig gemacht.

Chinesen kaufen Staatsanleihen der PIIGS-Staaten

Das Reich der Mitte hat in den vergangenen Jahren massiv in ausländische Staatsanleihen investiert und wird auch aus diesem Grund immer einflussreicher. Würde China in größerem Stil Kapital aus der EU oder den USA abziehen, würde dies die jeweilige Währung massiv destabilisieren. Zudem verzahnen sich die EU und China wirtschaftlich immer enger: Bereits vor einem Monat besuchte Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao Portugal und versprach, das Land "durch konkrete Maßnahmen zu unterstützen". Der bilaterale Handel zwischen Portugal und China solle bis 2015 verdoppelt werden, sagte Jintao. Im Juli kaufte China für 400 Millionen Euro spanische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit.

"Gute Freunde sind da, um zu helfen"

Mit Griechenland vereinbarte Chinas Regierungschef Wen Jiabao neben dem Kauf von Staatsanleihen eine strategische Kooperation. Die Staaten und Vertreter von Unternehmen unterzeichneten insgesamt elf Kooperationsabkommen für Schifffahrt, Handel sowie Kultur und Tourismus. Peking wolle seine Importe griechischer Produkte verdoppeln, teilte Wen damals mit. "Die guten Freunde sind da um zu helfen, wenn einer es braucht." Papandreou erwiderte: "Für uns ist das eine sehr wichtige Vertrauensbekundung."

Griechenland als Brückenkopf nach Osteuropa

Bereits seit 2008 ist das chinesische Transportunternehmen COSCO am Container-Hafen von Piräus beteiligt. Der Pachtvertrag läuft über 35 Jahre. Der Hafen soll laut Medienberichten Chinas Drehscheibe für Exporte in den Südosten und Osten Europas werden. Binnen fünf Jahren soll sich das jährliche Handelsvolumen auf umgerechnet gut 5,8 Milliarden Euro verdoppeln. Geplant ist außerdem ein Kredit in Höhe von 3,6 Milliarden Euro für Reedereien, um den Kauf chinesischer Schiffe zu finanzieren.

Außerdem plane China ein Umschlagslager für seine Produkte nahe der Hafenstadt Eleusis westlich von Athen. Auch im Hafen von Thessaloniki im Norden des Landes wollen sich die Chinesen engagieren. Zudem sollen sie Interesse am Kauf von Teilen der griechischen Eisenbahnen (OSE) geäußert haben.

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