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Zynga: Mit der Mafia an die Wall Street


Online-Spielebauer Zynga  

Mit der Mafia an die Wall Street

21.02.2011, 17:59 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Zynga: Mit der Mafia an die Wall Street. Mafia Wars und ähnliche Spiele verhelfen Zynga zu Milliarden.  (Foto: Hersteller)

Mafia Wars und ähnliche Spiele verhelfen Zynga zu Milliarden. (Foto: Hersteller) (Quelle: Hersteller)

Der Browserspiele-Hersteller Zynga existiert erst seit vier Jahren, der Firmenwert wird aber schon mit rund zehn Milliarden Dollar beziffert. Jetzt drängt das Unternehmen offenbar an die Börse. Doch wer steckt hinter der virtuellen Welt von "Farmville" und "Mafia Wars"?

Am Anfang war ein Hund. Zynga hieß der, eine massive, weiße Bulldogge mit schwarzem Lederhalsband. Der Name war eine Anspielung auf die afrikanische Kriegerkönigin Nzingha, die im 17. Jahrhundert gegen die Portugiesen kämpfte.

Gründung der Online-Spielfirma erst 2007

Als Internet-Unternehmer Mark Pincus im Januar 2007 eine neue Online-Spielefirma gründete, zögerte er nicht, sie nach seiner Bulldogge zu benennen, wegen ihrer "Loyalität und Kühnheit". Mehr noch: Als Logo des Unternehmens wählte er den Scherenschnitt einer Dogge, in angespannter Hab-Acht-Pose.

Börsengang in Sicht

Zynga, die Bulldogge, starb 2009. Zynga, die Firma, ist heute eines der erfolgreichsten Start-ups im Silicon Valley - und vor allem eines der wenigen auserwählten, denen die Finanzkrise und die Rezession nichts anhaben konnten. Im Gegenteil: Vier Jahre nach seinem stillen Start wird der Wert des kalifornischen Spieleenwicklers ("FarmVille") auf sagenhafte zehn Milliarden Dollar geschätzt. Ein Börsengang, so ist zu hören, sei da nicht fern.

Zynga stehe kurz davor, mit seinen Investoren eine neue Finanzierungsrunde abzuschließen, wollen das "Wall Street Journal" und die "New York Times" erfahren haben. Umfang: 500 Millionen Dollar. Zu den Geldgebern zählen demnach viele Top-Namen der Wall Street, darunter Morgan Stanley, T. Rowe Price und Fidelity Investments. Frühere Investoren seien Venture-Capital-Firmen wie Kleiner Perkins, die alten Silicon-Valley-Legenden Marc Andreessen und Ben Horowitz sowie DST Global, die Firma des russischen Internet-Tycoons Juri Milner, der auch bei Facebook stark engagiert ist.

Börsenspekulationen auch bei Facebook und Co.

Ein solcher Kraftakt gilt meist als Ouvertüre für ein Initial Public Offering (IPO) - also einen Börsengang. Für Zynga könnte es Anfang 2012 soweit sein. Damit läge das Unternehmen voll im Trend: Auch Facebook, Twitter und Groupon drehen auf und heizen die Börsenspekulationen an.

Seither debattiert nicht nur die Wall Street, was von diesem neuen IT-Hype in den USA zu halten ist. Doch während die großen Akteure wie Facebook und Twitter längst jedem geläufig sind, bleibt Zynga ein obskurer Name. Selbst Fanatiker, die sich in der virtuellen Spielchenwelt des Unternehmens verlieren, kennen ihn oft nicht.

"Die Welt durch Spiele verändern", lautet das dezidiert unbescheidene Motto des Unternehmens, das seinen Hauptsitz in San Francisco in einer früheren Kartoffelchips-Fabrik hat. Mit mittlerweile rund 1300 Mitarbeitern und Designstudios in sechs Ländern hat es bisher zehn Top-Spiele herausgebracht, die meisten davon waren Instant-Renner. Man habe mehr als 215 Millionen "aktive Nutzer" pro Monat, behauptet Zynga auf seiner Website, pro Tag seien das mehr als 50 Millionen.

Spiele auf Facebook und MySpace

Zynga-Games lassen sich auf Facebook spielen, aber auch auf MySpace, Yahoo oder auf dem iPhone und dem Android. Allein auf Facebook sind sie mit mehr als 275 Millionen Spielern im Monat der populärste Zeitvertreib. Das erfolgreichste Zynga-Spiel ist "CityVille", der Facebook-Bestseller (fast 100 Millionen Spieler), gefolgt von "FarmVille", quasi die bäuerliche Landversion (51 Millionen Spieler).

Das eine lässt einen Fantasiestädte bauen, das andere Bauernhöfe. "FrontierVille" wiederholt das Rezept für den Wilden Westen - mit verblüffendem Nebeneffekt: In dessen digitaler Cowboy-Welt haben sich mehr als 650.000 gleichgeschlechtliche Ehen (virtuell) etabliert. "Wahnsinn", staunte der zweifache Vater Pincus im November auf der Online-Messe Web 2.0 darüber. "Das ist wahrscheinlich mehr als sonst in einem Land auf der ganzen Welt." In der Tat: Zynga erobert den Globus.

Das Eroberungskonzept zieht sich auch durch den Zynga-Hit "Mafia Wars", dessen Spieler (allein 16 Millionen auf Facebook) sich als New Yorker Mafiosi aufplustern dürfen. "Gründe eine kriminelle Vereinigung", lockt Zynga fröhlich. "Pflege deine Mafia-Geschäfte. Unterwirf die Welt."

Dass Zynga so einschlagen würde, das hatte sich das kleine Gründerteam anfangs wohl kaum gedacht. Die Idee, Gesellschaftsspiele für Social Networks zu adaptieren, war bereits Pincus' viertes Web-Unterfangen. Die vorherigen waren zwar branchenbekannt (Support.com, Tribe.net), genossen aber keinen vergleichbaren Weltruhm bei den Fans.

Pincus, 44, ist vom Werdegang her eher ein Money Man. Er hat an der Harvard Business School studiert und an der Wall Street gearbeitet, als Finanzanalyst bei Lazard Freres und Manager bei Asian Capital Partners und Columbia Capital. 1995 gründete er sein erstes Start-up - Freeloader, einen Offline-Download-Service, den er ein Jahr später für 38 Millionen Dollar weiterverkaufte. Später war er einer der ersten Investoren bei Facebook.

Facebook wichtig für Zynga

Mit Facebook hob auch Zynga ab. Silicon-Valley-Auguren wie Peter Thiel und Robert Pittman waren begeistert. "Die Leute lieben diese Spiele sowieso", sagte der Risikoinvestor Fred Wilson, der sich relativ früh an Zynga beteiligte, der "New York Times". "Aber wenn man ein solches Spiel in ein Social Network steckt, wird es viel spannender. Das ist, als gösse man Benzin aufs Feuer."

Die Geldgeber sind begeistert

Die Symbiose mit Facebook hat aber nicht nur Vorteile. Immer wieder gab es Probleme zwischen den Partnern, meist ging es um Geld - immerhin werden Zynga mehr als 500 Millionen Dollar Umsatz durch Werbung und "virtuelle Spielwährung" nachgesagt. Jetzt plant Zynga offenbar eine eigene Plattform, die es alleinig kontrollieren kann, genannt "Zynga Live".

Auch anderswo hat es Reibereien gegeben. Eine Zeitlang wurde Zynga als Massen-Spammer verdächtigt. Andere kritisierten die Billig-Qualität der Spiele, wieder andere warfen Zynga Urheberrechtsverletzung vor, da es die Ideen anderer Spielemacher schamlos kopiert habe (der Streit wurde außergerichtlich beigelegt). Zynga wiederum versucht dieser Tage, dem Hersteller des Online-Spiels "Blingville" die Verwendung des Wortbrockens "ville" zu verbieten (der Streit dauert noch an).

Investmentbanker neuer Finanzchef

Die Begeisterung der Geldgeber schmälert das nicht. Nun scheint Zynga die Weichen für einen Börsengang zu stellen. Die Firma heuerte einen Investmentbanker als Finanzchef an. Und es soll nach Angaben eines Ex-Mitarbeiters eine rigorose interne Buchprüfung begonnen haben. "Schaut man sich ihre jüngsten Aktionen an", sagte der Online-Gaming-Analyst Atul Bagga von ThinkEquity dem Börsenblog "Dealbook" der "New York Times", "dann ist es klar, dass sie den Weg für einen IPO ebnen."

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