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Fehlberatung beim AWD wohl größer als gedacht


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Fehlberatung beim AWD wohl größer als gedacht

10.03.2011, 13:50 Uhr | AFP, t-online.de - mmr, AFP, t-online.de

Fehlberatung beim AWD wohl größer als gedacht. Flaggen vor der AWD-Zentrale in Hannover (Quelle: dpa)

Flaggen vor der AWD-Zentrale in Hannover (Quelle: dpa)

Neue Vorwürfe gegen den AWD. Der Finanzdienstleister soll Privatanlegern in Deutschland Beteiligungen an hochriskanten geschlossenen Immobilienfonds empfohlen haben - in deutlich größerem Ausmaß als bislang bekannt. Wie das Magazin "Stern" unter Berufung auf eine interne Kundenliste von AWD berichtet, soll das Unternehmen allein aus der Serie der Drei-Länder-Fonds in den neunziger Jahren mehr als 34.000 Beteiligungen mit einem Wert von insgesamt rund einer Milliarde Euro vertrieben haben. Die meisten Anleger hätten mit diesen Fonds viel Geld verloren, da ihre Beteiligungen inzwischen nur noch einen Bruchteil wert seien. AWD-Gründer Carsten Maschmeyer hatte immer nur von Einzelfällen gesprochen.

Anlagen an unpassende Anleger vermittelt?

Medienberichte werfen AWD-Beratern vor, sie hätten in den 90er Jahren bis vor etwa zehn Jahren systematisch und in großem Stil über Steuervorteile die Drei-Länder-Fonds (DLF) als Altersvorsorge-Produkt vermittelt - selbst an Kundenkreise, die aufgrund ihres Einkommens und ihrer Lebensumstände gar nicht dafür geeignet gewesen seien. Recherchen von "Spiegel-TV" zeigten kürzlich zudem, dass die geschlossenen Fonds bei den meisten Anlegern offenbar sogar als Hauptanlageprodukt vermittelt wurden. Dafür seien an die Berater und den AWD hohe Provisionen geflossen.

Ein Fünftel der Kunden kaufte mit geliehenem Geld

Die Liste belegt nach Angaben des NDR-Magazins "Panorama" (Sendung am 09.03.2011 im 3. Programm des NDR) auch, dass die AWD-Berater an mindestens 20 Prozent der Kunden die hoch riskanten Beteiligungen auf Kredit verkauften. Als wegen schlechter Entwicklung der Fonds die Ausschüttungen zurückgegangen oder gar ganz ausgeblieben seien, hätten diese Kunden nicht nur ihre Investments verloren, sondern seien auch auf hohen Kreditschulden sitzen geblieben.

In einer Stellungnahme zu den Vorwürfen erklärte der AWD, dass die nun als "neu" vermeldeten Zahlen schon seit etwa zehn Jahren in der Öffentlichkeit seien. Zudem hätten zahlreiche der vermittelten Drei-Länder-Fonds viele Jahre hintereinander eine Ausschüttung von jährlich sieben Prozent, in Einzelfällen (DLF 92/10) sogar von neun Prozent erzielt. Darüber hinaus konnten die Anleger steuerliche Vorteile geltend machen.

Prospekte enthielten Warnhinweise

Der AWD schrieb weiter, eine Fondsbeteiligung sei eine unternehmerische Beteiligung. "Dies - und das damit eingegangene unternehmerische Risiko - wurde den Anlegern von AWD mündlich wie schriftlich erläutert", heißt es in der Stellungnahme. Die Verkaufsprospekte hätten deutlich oberhalb der seinerzeit geforderten IDW-Standards gelegen und hätten alle wesentlichen Informationen über die Konzeption, die Besonderheiten sowie über die mit einer Anlage verbundenen Chancen und Risiken enthalten. Ob die Hinweise von den Anlegern auch gelesen und verstanden wurden, schrieb der AWD nicht.

Der AWD meinte, in der aktuellen Berichterstattung werde der falsche Eindruck erweckt, es handele sich bei der Vermittlung der Drei-Länder-Fonds durchweg um Fehlberatungen. Es werde hierbei aus der unbestrittenen Tatsache, dass sich die DLF nicht wie erwartet entwickelt haben, "der ungerechtfertigte Rückschluss einer Fehlberatung durch AWD gezogen".

Verschärfte Pflichten von Anlageberatern

Ob die Privatanleger während der Beratung tatsächlich auch auf die Risiken hingewiesen wurden, kann wohl nicht mehr belegt werden. Heutzutage werden die Pflichten von Finanzberatern deutlich verschärft. So müssen nun Beratungsprotokolle geführt werden. Zudem hat kürzlich der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass Anlagevermittler auch für die offensichtlich falsche Berechnung der Rendite bei ihren Produkten haften müssen. Weisen sie ihre Kunden nicht auf erkennbare Fehler in den Berechnungen von Fondsanbietern hin, müssen sie Schadenersatz leisten, heißt es in einem Grundsatzurteil (Az.: III ZR 144/10).

Schaden in Milliardenhöhe

Der Düsseldorfer Anwalt Julius Reiter, der seit Jahren AWD-Opfer vertritt, geht laut "Stern" und "Panorama" davon aus, dass der Finanzdienstleister bei seinen Kunden durch die Vermittlung zahlreicher Finanzprodukte einen Gesamtschaden in Milliardenhöhe verursachte.

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