Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen >

Hamburg Mannheimer: Steuernachzahlung wegen Sex-Skandal


Sex-Party: Jetzt droht teure Steuernachzahlung für die Hamburg Mannheimer

31.05.2011, 15:57 Uhr | dpa-AFX, dpa-AFX

Hamburg Mannheimer: Steuernachzahlung wegen Sex-Skandal. In dieser edlen Budapester Therme fand die Sex-Sause der HMI statt  (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

In dieser edlen Budapester Therme fand die Sex-Sause der HMI statt (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Die Sex-Party der Hamburg Mannheimer International (HMI) könnte eine hohe Steuernachzahlung nach sich ziehen. Denn die Kosten der in die Schlagzeilen geratenen Sause für erfolgreiche Versicherungsvertreter sind nach einem Medienbericht von der Steuer abgesetzt worden. Die Summe von 83.000 Euro habe die Versicherung vollständig steuerlich geltend gemacht, bestätigte der Mutterkonzern ERGO der Zeitung "Welt am Sonntag" (WamS). Dadurch seien Gewinn und Steuerlast vermindert worden.

Sodom und Gomorra auf Steuerzahlerkosten

Die HMI war in dem zum weltgrößten Rückversicherer Munich Re gehörenden ERGO-Konzern aufgegangen, der nun mit den Folgen der Sex-Sause zu kämpfen hat. Und der Konzern kommt einfach nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Sex-Party, Drogenkonsum und nun auch noch die Steuermeldung: Die feierfreudigen Vertreter lassen zielsicher kein Fettnäpfchen aus. "Die Rechnung ist in voller Höhe als Betriebsausgabe behandelt worden", sagte ein ERGO-Sprecher. Sozusagen Sodom und Gomorra auf Steuerzahlerkosten.

Und der Konzern steht zu seiner Praxis: "Nach unseren bisherigen Prüfungen war das steuerrechtlich in Ordnung. Wir prüfen jedoch weiter, ob man eine andere Beurteilung vornehmen kann und wie wir die Angelegenheit bereinigen können" erklärte der Sprecher in der "WamS". Das sieht die Kölner Steuerrechtlerin Prof. Johanna Hey etwas anders. Sie weist auf einen Streitfall um Nachtbar- und Bordellbesuche hin. Dabei hatte der Bundesfinanzhof die Anerkennung der Kosten 1990 bereits als "unangemessen" zurückgewiesen (Urteil BFH III R 21/86).

Vieles spricht für ein Abzugsverbot

Neben dem sonst üblichen Streit um die Höhe der Abzugskosten habe das Obergericht mit dieser Entscheidung ein grundsätzliches Abzugsverbot wegen Unangemessenheit aufgestellt, sagte Hey. "Was angemessen ist, das lässt natürlich Wertungsmöglichkeiten offen", sagte die Juristin. Da bei den Versicherungsvertretern Prostituierte im Spiel waren, spreche aber einiges gegen eine Abzugsfähigkeit. Da die Sex-Party der Versicherung erst wenige Jahre zurückliegt, sei die Steuer auf jeden Fall noch nicht verjährt und eine Änderungen der Steuerbescheide möglich.

In Paragraf 4, Absatz 5 des Einkommenssteuergesetzes hat der Gesetzgeber einen Katalog von Ausgaben erstellt, die nicht von der Steuer abgezogen werden dürfen. Dazu zählen Gästehäuser für Nicht-Betriebsangehörige, Segel- und Motorjachten und Aufwendungen für Jagd- und Fischerei. In dem Katalog heißt es in Satz 7, auszuschließen seien auch andere Aufwendungen, "soweit sie nach allgemeiner Verkehrsauffassung als unangemessen anzusehen sind".

Sex-Party für die hundert besten Vertreter

Mitte Mai war bekanntgeworden, dass die mittlerweile zum ERGO-Konzern gehörende Hamburg-Mannheimer 2007 für ihre 100 besten Vertreter eine Sex-Party in Budapest organisiert hatte. Teilnehmer berichteten dem "Handelsblatt", die offenbar attraktivsten Frauen mit weißen Bändchen seien für den Vorstand und die allerbesten Vertriebler reserviert gewesen.

Bordellbesuche als Firmenspesen branchenüblich

Nach Recherchen der "Welt am Sonntag" (WamS) sei es in deutschen Unternehmen durchaus üblich, dass Bordellbesuche über die Firmenspesen abgerechnet werden. Exzesse wie die Sex-Party der Versicherung in Budapest seien aber die Ausnahme. Immerhin habe nach Konzernangaben später jeder der rund 100 Teilnehmer 3000 Euro für die Gesamtreisekosten an geldwertem Vorteil versteuern müssen.

Prostituierte als mehrsprachige Hostessen verbucht

Laut "WamS" gibt es viele Möglichkeiten, sich mit Prostituierten auf Firmenkosten zu vergnügen, ohne dass es auf der Rechnung auftauche. So könnten die Damen etwa als mehrsprachige Hostessen abgerechnet werden. Sexuelle "Zusatzleistungen" könnten nach Angaben von Steuerfahndern auch in einem erhöhten Zimmerpreis verrechnet werden. Es gebe "keine Chance", das aufzudecken, zitiert die Zeitung einen Fahnder. Auch in den Belegen der Sause in Budapest habe es keinen Posten Prostitution oder gar eine Detailrechnung gegeben, sagte der ERGO-Sprecher. Die steuerliche Behandlung von Prostitution ist nach Angaben der Zeitung in Deutschland nicht klar geregelt

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Wirtschaft
Oben ohne gegen Wohnungsklau

Geprellte Investoren demonstrieren in Kiew für ihr Recht. zum Video


Anzeige
15,- € Gutschein für Sie - nur bis zum 22.09.2019
bei MADELEINE

shopping-portal