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Ostseefischer fürchten um ihre Zukunft


Fischerei  

Ostseefischer fürchten um ihre Zukunft

24.06.2011, 17:46 Uhr | dapd, t-online.de, dapd

Ostseefischer fürchten um ihre Zukunft. Die deutschen Kutter- und Küstenfischer dürfen immer weniger fischen (Foto: imago)

Die deutschen Kutter- und Küstenfischer dürfen immer weniger fischen (Foto: imago)

Den deutschen Ostseefischern droht neues Ungemach: Neben immer neuen Quotenkürzungen sollen jetzt auch noch Fangbeschränkungen in Meeresschutzgebieten kommen. Offenbar plant das Bundesumweltministerium ein Verbot der traditionellen Schlepp- und Stellnetzfischerei in den Natura-2000-Gebieten der Ausschließlichen Wirtschaftszone. Das käme einem Berufsverbot gleich, sagte der Chef des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer Mecklenburg-Vorpommern, Norbert Kahlfuss. Vertreter des Bundesamts für Naturschutz (BfN) bestätigten entsprechende Pläne, die am 13. Juli in Berlin beraten werden sollen.

Betroffen wären vor allem die Pommersche Bucht mit der Oderbank, der Adlergrund, der Fehmarnbelt, die Kadetrinne sowie die westliche Roenne-Bank, sagte Kahlfuss. Das seien Seegebiete, aus denen die einheimischen Fischer einen Großteil ihrer Fänge bezögen. Demnach soll zum Beispiel die Oderbank gänzlich für den Fischfang geschlossen werden, und im Adlergrund soll nur noch von Januar bis Oktober gefischt werden dürfen.

"Wenn solche totalen Fangverbote kommen, dann brauchen wir über Quotenerhöhungen und Hilfsmaßnahmen gar nicht mehr zu reden", sagte Kahlfuss. Dann würde es das Fischereigewerbe an der ostdeutschen Küste bald nicht mehr geben. Kahlfuss forderte ein Mitspracherecht für die Fischer bei der Festlegung von Managementplänen in maritimen Schutzgebieten.

Streit um alternativen Einsatz von Fischfallen

"Zum Schutz von Seevögeln, Schweinswalen und Robben sollen die Fischer vor allem auf den Einsatz von Grundnetzen verzichten", schlug BfN-Meeresexperte Christian Pusch vor. Zudem sollte in Vogelschutzgebieten wie der Pommerschen Bucht der Einsatz von Stellnetzen verboten werden. Alternativ könne mit neuartigen Fischfallen Dorsch gefangen werden.

Die von den deutschen Küstenfischern bislang abgelehnte Fangtechnologie bewähre sich bereits erfolgreich in Schweden, sagte Pusch. Auch dreijährige Tests des Rostocker Vereins Fisch und Umwelt mit Heringsködern in Fischfallen seien zufriedenstellend verlaufen.

Der EU-Abgeordnete Werner Kuhn (CDU) warnte vor vorauseilenden Bewirtschaftungsplänen für Meeresschutzgebiete. Zugleich sprach er sich für erhöhte Beikostenregelungen für Fischereibetriebe aus.

Backhaus will Heringsquotenkürzung nicht akzeptieren

Als nicht akzeptabel bezeichnete Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) Vorschläge für eine erneute Kürzung der Heringsquote für 2012 um drei Prozent. Damit müssten die ostdeutschen Fischer, die im vergangenen Jahr 9159 Tonnen Hering anlandeten, auf weitere 200 Tonnen verzichten.

Angesichts der beiden guten Nachwuchsjahrgänge 2009 und 2010 sei eine weitere Quotenreduzierung nicht zu verstehen, sagte Backhaus. Er verwies darauf, dass die Fangmenge von der EU seit 2007 bereits um 70 Prozent gekürzt worden sei. Zugleich sei die Zahl der hauptberuflich tätigen Küstenfischer um 20 Prozent zurückgegangen. Backhaus kündigte massiven Widerstand gegen weitere Einschnitte bei der kleinen, handwerklich geprägten ostdeutschen Küstenfischerei an, die für Mecklenburg-Vorpommern unersetzlich sei.

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