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Energiepreise Schuld an Inflation


Energiepreise Schuld an Inflation

28.06.2011, 14:29 Uhr | dpa, dpa

Die hohen Preise für Energieprodukte wie Heizöl und Kraftstoff drücken erneut auf die Preisstabilität. Die Verbraucherpreise kletterten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,4 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Kraftstoff war in diesem Juli gleich mehr als zwölf Prozent, Heizöl sogar über 25 Prozent teurer als noch vor einem Jahr. Ohne Berücksichtigung der Energie hätte die Inflationsrate lediglich bei 1,5 Prozent gelegen. Doch auch bei einigen Konsumgütern mussten Verbraucher deutlich tiefer in die Tasche greifen als noch vor einem Jahr - der Preis für Kaffee stieg um mehr als 20 Prozent, der für Butter und Margarine um etwas über elf Prozent. Im Monatsvergleich stiegen die Verbraucherpreise um 0,4 Prozent.

Leitzins bereits zweimal angehoben

Die Inflationsrate verharrt bereits seit einem halben Jahr über der Zwei-Prozent-Marke. Das ist die Warnschwelle der Europäischen Zentralbank (EZB), die bei Teuerungsraten bis knapp unter zwei Prozent die Preisstabilität gewahrt sieht. Im Kampf gegen die Inflation hatte die Notenbank Anfang Juli zum zweiten Mal in diesem Jahr die Zinsen angehoben. Damals hatten Beobachter mit weiteren Zinsschritten in den kommenden Monaten gerechnet. Wegen der sich zuspitzenden Staatsschuldenkrisen und der Turbulenzen an den Finanzmärkten in aller Welt halten inzwischen jedoch immer mehr Ökonomen weitere Zinserhöhungen für unwahrscheinlich.

"EZB hat Handlungsspielraum, Fed kann nicht agieren."

Nach Überzeugung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer diktiert die Staatsschuldenkrise die Geldpolitik der EZB. Der Leitzins werde wegen der enormen Risiken bis Mitte 2012 bei 1,5 Prozent verharren. "Danach wird die EZB den Weg zu normalen Raten nur dann wieder aufnehmen, wenn die Staatsschuldenkrise dann weniger akut ist als heute." Martin Faust von der Frankfurt School of Finance & Management schließt mittelfristig selbst eine Zinssenkung in Europa nicht aus: "Die EZB hat sich Handlungsspielraum ermöglicht. Die Fed kann nicht agieren."

Schlechte Aussichten für die US-Wirtschaft

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hatte am Dienstagabend "Dauer-Tiefst-Zinsen" angekündigt, um die lahmende US-Konjunktur in Schwung zu bringen: Bis Mitte 2013 sollen der Leitzins praktisch bei Null bleiben. Seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise im Dezember 2008 liegt der US-Leitzins auf einem Tiefststand zwischen 0,0 und maximal 0,25 Prozent. Diese langfristige Festlegung deutet auf eine düstere Prognose für die US-Wirtschaft hin.

Gemüse deutlich günstiger

Der Preisauftrieb in Deutschland wurde nach den Angaben der Statistiker im Juli maßgeblich von weiter gestiegenen Energiepreisen bestimmt. Energie insgesamt verteuerte sich im Jahresvergleich um 10,6 Prozent. Noch stärker zogen die Kraftstoff- (+12,3 %) und Heizölpreise (+25,6 %) an. Für Nahrungsmittel mussten Verbraucher 2,1 Prozent mehr bezahlen als im Juli 2010. Allerdings wurden Gemüse (-3,6 %) und Obst (-1,8 %) günstiger. Paprika kostete sogar über ein Viertel weniger als vor einem Jahr (-25,5 %), Tomaten waren 17,6 Prozent günstiger.

Rückgang der Inflationsrate aufgrund sinkender Rohstoffpreise

Während die Teuerung in Deutschland im Juli anzog, ging sie im Euroraum leicht auf 2,5 Prozent zurück. Im Vergleich zum Boomland China, wo die Inflation auf das Drei-Jahres-Hoch von 6,5 Prozent kletterte, ist die Teuerung in den 17 Euroländern aber noch niedrig. Da die Rohstoffpreise zuletzt aber angesichts der nachlassenden Konjunktur sanken, dürfte aus Sicht von Ökonomen auch der Preisdruck in Deutschland wieder etwas nachlassen.

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