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Selbstständigkeit: Uli Hoeneß - Wurstfabrikant aus Leidenschaft


Uli Hoeneß - Wurstfabrikant aus Leidenschaft

01.04.2011, 16:57 Uhr | dapd, dapd

Was für Uli Hoeneß unvergesslich ist, glaubt man ungefähr zu wissen. Die Fußball-Weltmeisterschaft 1974, der verschossene Elfmeter im EM-Finale 1976, zahlreiche Titelfeiern des FC Bayern München auf dem Marienplatz, die er als Spieler oder als Manager des Klubs mitmachte, schließlich ein wundersam überlebter Flugzeugabsturz. Viel weniger bekannt ist Hoeneß als Lenker eines erfolgreichen Familienbetriebs. Wir verraten, warum es ihm dabei eher um die Wurst als um das runde Leder geht.

Erste Verhandlungen mit Aldi

Für Hoeneß selbst hat ein weiteres Datum herausragende Bedeutung: der 6. März 1982 - und damit ein Treffen in einem Zweckbau in Mülheim an der Ruhr. Da traf sich der erst 31-Jährige Fußballmanager, den eine Knieverletzung früh vom Platz gezwungen hatte, mit dem mächtigen Chef-Einkäufer von Aldi Süd.

Der hatte über ein merkwürdiges Anliegen zu entscheiden: Eine Metzgerei, die täglich vielleicht 50 Kilo Nürnberger Rostbratwürstchen für den eigenen Laden herstellt, will Lieferant des Discount-Giganten werden. Der entscheidende Dialog lief in Hoeneß' Erinnerung etwa so: "Wenn Sie uns zwei Lager geben, je 60 Geschäfte, dann schaffen wir das." Gegenfrage: "Wann können Sie liefern?" Die Antwort: "Geben Sie uns sechs Wochen."

Wurstproduktion ist vertrautes Terrain

Die nächste Zeit war hart für den Fußballprofi und seinen Freund und Metzger Werner Weiß, die beiden Teilhaber der Firma HoWe. Die Männer begegneten sich zufällig im Sport-Umfeld, ihre Bekanntschaft führte Hoeneß aber auf vertrautes Terrain - in der elterlichen Metzgerei in Ulm mussten die Kinder früh mit anpacken. "Nürnberger" gab es dort nicht, schließlich ist die weltweit geschätzte Spezialität geschützt und darf nur in Nürnberg produziert werden.

Lieferung bald bis Australien

Das Rezept, das sich durch die typische Majoran-Note auszeichnet, kam von Weiß, ansonsten fehlte alles. Fleisch wurde geordert, Räume gemietet, Maschinen geleast, 15 Mitarbeiter angeheuert. In der Nacht vor dem ersten Liefertermin stellten Hoeneß und seine Frau eigenhändig die letzten Paletten fertig. Fünf Tonnen Wurst hatte die aus dem Nürnberger Boden gestampfte Fabrik verarbeitet. Heute sind es schon mal 50 Tonnen pro Tag, die in etliche europäische Länder und seit kurzem auch in die USA geliefert werden. Australien ist das nächste Ziel.

Und wie ging das damals alles - als Manager des großen FC Bayern? "Der war damals ja nicht so groß. 15 bis 20 Millionen Mark Umsatz, ein normaler Verein. Da konnte man schon mal weg", erklärt Uli Hoeneß. Sein heutiges Präsidentenbüro an der Säbener Straße, von der Ehefrau heimelig mit hellem Holz ausgestattet, könnte immer noch in jene Zeit passen.

Weltclub ohne Schulden

Die Umgebung eindeutig nicht: Modernste Trainingsanlagen und repräsentative Räume weisen Bayern München als ein Machtzentrum des Weltfußballs aus. Der Klub entwickelte sich unter Hoeneß mit rund 325 Millionen Euro Umsatz zur Nummer vier hinter Barcelona, Real Madrid und Manchester United. Im Unterschied zu denen aber, wie Hoeneß gern erläutert, ohne nennenswerte Schulden.

"Familienunternehmen im besten Sinn"

Das Gleiche gilt für das private Unternehmen des Bayernpräsidenten in Nürnberg. "Wir sind organisch gewachsen, ohne Vorgaben von außen", versichert Hoeneß. Den heutigen Umsatz von etwa 45 Millionen Euro steuert seit zehn Jahren sein Sohn Florian als Geschäftsführer - für den Vater eine ideale Konstellation. "Das ist ein Familienunternehmen im besten Sinn, die Mitarbeiter bleiben lange bei uns, und wir kennen jeden", so Hoeneß.

Einen patriarchalischen Zug in der Unternehmensführung will Hoeneß gar nicht verbergen, etwa im Umgang mit Gewerkschaften: "Die sind sauer, dass sie bei uns nichts werden. Aber von unseren Mitarbeitern ist noch keiner deswegen gekommen." Sich im besonders umkämpften und kostensensiblen Discount-Sektor zu behaupten, scheint ihn besonders zu reizen. "Wir liefern erstklassige Qualität und bekommen dafür einen Preis, der das Überleben ermöglicht", betont der Wurstfabrikant.

"Nürn-Burger" für McDonald's

Auf mögliche Parallelen zwischen seinen beiden Geschäftsfeldern ist Uli Hoeneß schwer anzusprechen, da er sie strikt trennt. "Die Firma ist meine Privatsache, ich habe streng darauf geachtet, nichts zu vermischen", sagt er. Als Discount-Produzent, der in jedem Land genau eine Ladenkette exklusiv beliefert, konnte er auf den Einsatz seiner enormen Popularität zugunsten der Firma ohnehin verzichten - in diesem Sektor entscheiden Produkt und Preis, nicht Markenname und Werbung. Für einen "Nürn-Burger", die McDonald's-Variante der klassischen "Drei im Weggla" aus Nürnberger Imbissbuden, machte er eine Ausnahme.

Doch Hoeneß' aus dem Fußball bekannte Herzhaftigkeit, bisweilen gepaart mit einer gewissen Rauflust, kommt im Unternehmen allenfalls intern zum Tragen. Gerade wurde der Betrieb für acht Millionen Euro ausgebaut und modernisiert, zur kommenden Grillsaison sind bis zu 300 Mitarbeiter am Werk. Der Markt ist mit vier großen Herstellern in Nürnberg angenehm überschaubar, anders als im Fußball kann dort nicht plötzlich eine junge Rasselbande aus Dortmund als Konkurrenz auftauchen.

FC Bayern geführt, "als würde mir der Laden selbst gehören"

Tatsächlich funktioniert die Parallele zwischen dem Wurstfabrikanten und dem Fußballmanager eher andersherum: Der Wirtschaftsbetrieb FC Bayern München, den der Manager so energisch in die sportliche Moderne geführt hat, nimmt sich unter lauter Aktiengesellschaften und Investitionsobjekten, die die Champions League füllen, wie eines der letzten Familienunternehmen aus. Mit Uli Hoeneß, dem Präsidenten und Aufsichtsratschef, in der Rolle des guten Patrons: "Ich habe den FC Bayern nie wie ein angestellter Manager geführt", sagt er, "sondern immer so, als würde mir der Laden selbst gehören." Blickt man sich um an der Säbener Straße, war das eine gute Idee.

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