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Unternehmerin des Jahres: Mitarbeiter ab in den Garten


Unternehmerin des Jahres  

Mitarbeiter ab in den Garten

17.05.2010, 14:25 Uhr | t-online.de/business

Unternehmerin des Jahres: Mitarbeiter ab in den Garten. Alexandra Knauer, Unternehmerin des Jahres 2010  (Foto: Knauer)

Alexandra Knauer, Unternehmerin des Jahres 2010 (Foto: Knauer)

Sie hat Mut zu Innovationen sowie unternehmerische Weitsicht und Verantwortung bewiesen und sich damit den diesjährigen Prix Veuve Clicquot gesichert: Alexandra Knauer wurde kürzlich zur Unternehmerin des Jahres 2010 gekürt. Mit t-online.de/business sprach die 44-jährige Chefin des Berliner Familienunternehmens Wissenschaftliche Gerätebau Dr. Ing. Herbert Knauer GmbH darüber, wie sie den elterlichen Betrieb gerettet hat, was für Frauen an der Spitze wichtig ist und warum im 2000 Quadratmeter großen Firmengarten Liegestühle für die Mitarbeiter bereitstehen.

t-online.de/business: Frau Knauer, Sie sind erst kürzlich zur Unternehmerin des Jahres gewählt worden. Was machen Sie denn anders als andere?

Alexandra Knauer: Ich führe ein Unternehmen, in dem hoch präzise Labormessgeräte entwickelt und produziert werden. Solche Unternehmen sind fast ausschließlich in Männerhand. Mir ist es wichtig, dass ich mich bei der Arbeit wohlfühle – und dass es meinen Mitarbeitern genau so geht.

… und das bedeutet?

… dass wir ein sehr angenehmes Betriebsklima haben und gute Teams bilden, in denen die Mitarbeiter mit Motivation und Freude arbeiten. Ich habe 104 Mitarbeiter, die ich alle persönlich kenne. Eine gute Kommunikation ist von großer Bedeutung. Daher steht meine Tür  immer offen und meine Mitarbeiter können mir ganz direkt sagen, was sie denken – auch, wenn sie mal den Finger in eine Wunde legen.

Sie setzen sich stark für Corporate Social Responsibility – also gesellschaftliche Verantwortung ein. Warum das?

Weil ich überzeugt davon bin und denke, dass gerade Unternehmerinnen und Unternehmer Vorbilder sein sollten. Wir haben beispielsweise einen großen Firmengarten mit blühenden Blumen und Obstbäumen und ein Gärtner baut für die Mitarbeiter Erdbeeren, Kartoffeln und Salat an. Dort gibt es Liegestühle für die Mitarbeiter. Wir setzen uns generell für Umweltverträglichkeit ein und haben beispielsweise auf Bio-Kaffee und - Tee umgestellt, den es kostenlos für alle in der Firma gibt.

In Ihrem Unternehmen setzen Sie auf freiwillige Sozialleistungen, Mitarbeiterbeteiligung etc. Könnten Sie nicht mehr Gewinn machen, ohne diese Vergünstigungen?

Wenn ich kurzfristig denken würde, dann ja. Wir bezahlen unter anderem Fitnesstrainer, Kita-Gebühren und Altersvorsorge. Die Mitarbeiter schätzen dieses zusätzliche Engagement für sie sehr. Und ich folge der Überzeugung: Wenn es dem Unternehmen gut geht, sollen auch die Mitarbeiter davon profitieren. Daher beteiligen wir die Mitarbeiter am Gewinn: 15 Prozent werden an sie ausgeschüttet.

Sie wollten nach eigenen Aussagen nie Unternehmerin werden. Was hat Sie dazu bewogen, es doch zu werden?

Das Unternehmen war Mitte der 90er in der Krise und ich wollte das Lebenswerk meiner Eltern retten.

Sie haben die Strukturen des Betriebs nach der Übernahme deutlich umgemodelt – nämlich?

Die hohen Kosten mussten kurzfristig gesenkt werden. Ich habe ein Qualitätsmanagement-System eingeführt und musste leider auch rund 30 von 80 Mitarbeitern entlassen. Wir haben die Produktion an externe Firmen in Deutschland ausgelagert, neue Produkte auf den Markt gebracht und einen neuen Vertriebsleiter eingestellt. Das Unternehmen steht seit vielen Jahren wieder sehr gut da. Wir haben wieder eine sehr moderne und effiziente Produktion und montieren die Geräte just in time. Jedes Jahr stellen wir weitere Mitarbeiter ein. In diesem Jahr haben bereits sieben Männer und Frauen neu bei uns angefangen.

Ein mittelständisches Unternehmen zu leiten, bedeutet viel Arbeit. Wie vereinbaren Sie Familie und Beruf?

Das Unternehmen ist gut strukturiert und es gibt einen zweiten Geschäftsführer. So können die Aufgaben und Dienstreisen auf mehrere Schultern verteilt werden. Ich habe einen sehr engagierten, ebenfalls berufstätigen Mann, der sich gleichermaßen um  unsere beiden Kinder kümmert. Zwei Großmütter, die ganz in der Nähe wohnen, und eine Kinderfrau unterstützen uns. Eines ist unumstößlich: Die Wochenenden gehören der Familie.

Welche Eigenschaften sind für Frauen an der Spitze wichtig?

Selbstbewusstsein, Ethik und Durchhaltevermögen, wenn mal eine Durststrecke überwunden werden muss – und sie müssen, genauso wie Männer auch, ein klares Ziel vor Augen haben.

Haben Sie einen Wahlspruch für sich – oder ein Motto?

Ja. Der französische Regisseur und Schauspieler Francois Truffaut sagte einmal: Man kann niemanden überholen, wenn man in seine Fußstapfen tritt.

Das Interview führte Claudia Wenhardt.

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