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Kik: TV-Doku enthüllt schäbige Praxis des Textilriesen


Kik: TV-Doku enthüllt schäbige Praxis des Textilriesen

05.08.2010, 12:48 Uhr | t-online.de/business

Komplett eingekleidet für weniger als 30 Euro - damit lockt der Textildiscounter Kik viele Kunden, die aufs Geld achten müssen. Die kürzlich in der ARD ausgestrahlte Reportage "Die Kik-Story" hat deutlich gezeigt, wie das möglich ist - nämlich durch miese Bezahlung und katastrophale Arbeitsbedingungen. Der Film enthüllt ein skrupelloses System der Ausbeutung und Einschüchterung, das selbst im Umfeld der Discounter seinesgleichen sucht.

Kik-Aushilfe erzählt über schlechte Arbeitsbedingungen

Mit aggressiver Preispolitik hat sich Kik durchgesetzt, fast täglich eröffnen neue Filialen. Ein Gespräch der Reporter mit einer ehemaligen Kik-Aushilfe beleuchtet schnell, was hinter den Kulissen des "Aldis für Klamotten" mit Milliardenumsatz passiert. Die Frau erzählt, sie sei als Packerin eingestellt worden, habe dann aber alles machen müssen - von der Toilettenreinigung bis hin zu Kasse, Inventur, Kundenbedienung - für am Ende fünf Euro in der Stunde. Die Heizung im Laden habe sechs Jahre nicht funktioniert, wer aber gewagt habe, den Mund aufzumachen, sei "klein gemacht" worden.

Mitarbeiter "ausgespresst" und kontrolliert

Was Guido Hagelstede, ehemaliger Leiter von 15 Kik-Filialen im Raum Bremen, den Journalisten berichtet, verstärkt das negative Bild des Unternehmens: Die Mitarbeiter seien "ausgepresst" und extrem kontrolliert worden. Er selbst habe auf Anweisung nach Dienstschluss Angestellte, die das Haus verließen, abpassen und deren Taschen kontrollieren müssen. Unfassbar: Hagelstede erklärt, selbst die Kosten für die Müllabfuhr habe sich Kik gespart, die Angestellten hätten den Unrat selbst entsorgen müssen.

"Schlimmer als im Gefängnis"

Noch viel schlimmere Zustände haben die Reporter in Bangladesch gefilmt. Und nachgewiesen: Weil Kik unbarmherzig die Preise drückt, arbeiten die Näherinnen in den dortigen Fabriken sechs Tage in der Woche jeweils neun Stunden für 20 bis maximal 30 Euro im Monat. In den Nähsälen sitzen zusammengepfercht etwa 300 Menschen. Den Journalisten offenbart eine Frau, bei der Arbeit sei es "schlimmer als im Gefängnis": Bei Krankheit gebe es keinen Lohn, sie müssten Schikanen von Aufsehern erdulden und auf Anweisung unbezahlte Überstunden machen. Wer aufmucke, sei den Job los.

Kik-Chef: Luxusheim in Dortmund

Der Kontrast, den der Film abbildet, könnte nicht größer sein: In Bangladesch Näherfamilien, die mit fünf Personen auf zwölf Quadratmeter hausen, sich fast nur von Reis ernähren und nicht einmal einen Arzt für ein krankes Kind bezahlen können. Im Dortmunder Süden hingegen das Luxusheim von Kik-Chef Stefan Heinig. Eine Schlüsselszene des Films: Von NDR-Mann Christoph Lütgert aufgespürt und mit dem Foto eines todkranken Jungen konfrontiert, dessen Tante als Fabriknäherin in Bangladesch arbeitet und sich eine medizinische Versorgung nicht leisten kann, winkt Heinig ab: "Ich weiß schon, was sie wollen. Ich denke mir, das machen wir mal ein anderes Mal."

Kik gelobt erneut Besserung

Da wirkt es wenig überzeugend, wenn der Textilriese kurz vor der Sendung Fehler eingeräumt und Besserung gelobt. Der Hoffnung, dass Kik durch den heftigen öffentlichen Beschuss etwas ändert, setzt Arbeitsforscher Khorshed Alam in der "Kik-Story" ein Ende. Er habe vor anderthalb Jahren mit der Kik-Führung über die üblen Arbeitsbedingungen gesprochen, man habe Änderungen versprochen - passiert sei bisher nichts. "Was Kik verspricht und was Kik dann tut, das hat kaum etwas miteinander zu tun", so Alam. Es gehe dem Unternehmen allein darum, sein Image zu verbessern.

Ausstrahlung der Sendung sollte verhindert werden

Die Ausstrahlung der "Kik-Story" wollte der Textildiscounter vehement verhindern: Die interviewten Näherinnen hätten selten oder nur vor langer Zeit für Kik gearbeitet. Zunächst mit Erfolg. Die Journalisten mussten ein zweites Mal nach Bangladesch reisen, um sich von den Frauen schriftlich bestätigen zu lassen, dass sie für Kik tätig sind oder zumindest bis zum letzten Jahr waren. Dann konnte die Dokumentation endlich gesendet werden. Gut so - das bestätigt auch die hervorragende Einschaltquote: Die "Kik-Story" erreichte Spiegel Online zufolge 3,97 Millionen Zuschauer bei einem Marktanteil von 14,8 Prozent.

Der Textildiscounter Kik hat seinen Sitz in Bönen, Nordrhein-Westfalen, und beschäftigt in fast 3000 Filialen in Deutschland, Österreich, Slowenien, Tschechien, Ungarn und der Slowakei rund 20.000 Mitarbeiter. Die ARD-exklusiv-Reportage "Die Kik-Story" können Sie hier als Video der ARD-Mediathek anschauen.

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