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Wirtschaftskrise: Bloß kein Wort von der Krise


Wirtschaftskrise  

Bloß kein Wort von der Krise

24.03.2009, 16:26 Uhr | FTD, Elmar Jung u. Ana Radic

Wirtschaftskrise: Bloß kein Wort von der Krise.

Zeitung ohne schlechte Nachrichten (Foto: Archiv)

Zu drastischen Mitteln im Kampf gegen die Finanzkrise greift ein kleines Unternehmen aus Dänemark. Dort ist es seit Januar verboten, von der schlechten Wirtschaftslage zu sprechen. Selbst die Zeitungen werden zensiert.

Alle pleite und keiner weiß es

Stell Dir vor, es ist Finanzkrise, und niemanden interessiert es. Ganze Staaten kurz vor dem Bankrott: nie davon gehört. Zahlreiche Banken und Versicherer müssen mit Milliarden vom Steuerzahler gepäppelt werden: und wenn schon. Alles Negativschlagzeilen, die viel von ihrem Schrecken verlieren - wenn man sie nur gründlich genug ignoriert.

Nein zur Finanzkrise"

Dieser Meinung ist zumindest Lars Nonbye. Der Chef des gleichnamigen dänischen Werbetafelherstellers ist es leid, dass ihm die Medien jeden Tag mit Hiobsbotschaften zur Wirtschaftslage die Laune verderben. Deshalb hat er die Krise aus dem Firmengebäude im jütländischen Odder verbannt und die Aktion "No til finanskrisen" ("Nein zur Finanzkrise") ins Leben gerufen. Seit Januar ist das Thema tabu, die Angestellten dürfen nicht darüber sprechen - und Kunden bekommen bei Geschäftsessen schon mal zu hören, sie sollten doch bitte die Chancen sehen und nicht nur die Risiken.

"Irgendwann glauben wir auch dran"

"Mir steht das Thema bis hier", sagt Nonbye und deutet mit seiner rechten Handkante an, wie sauer ihm die angebliche Panikmache in den Medien aufstößt. Er wolle die Abwärtsspirale aus Banken- und Firmenpleiten sowie immer neuen Negativschlagzeilen durchbrechen. "Wenn wir pausenlos hören, wie schlecht es uns geht, glauben wir auch irgendwann daran."

Miesmacher müssen draußen bleiben

Also nimmt Nonbye jeden Morgen die Zeitungen zur Hand, die in seiner Firma ausliegen - und schneidet alle Artikel aus, die auch nur den Hauch von Miesmacherei versprühen. Gut, das Ausschneiden selbst übernimmt Praktikant Jan Kehlet. Nonbye schaut ihm aber persönlich über die Schulter, damit er auch wirklich nichts übersieht.

Schlechte Nachrichten sind inzwischen weniger geworden

Noch vor ein paar Wochen war Kehlet lange mit der Schere beschäftigt, bis die gelöcherten Tageszeitungen das Placet seines Chefs fanden. "Anfangs war von der Zeitung fast nichts mehr übrig", sagt er. Inzwischen seien die schlechten Nachrichten zur Finanzkrise jedoch weniger geworden, es gebe jetzt nicht mehr so viel zum Ausschneiden.

"Stimmung mental drehen"

Dass bei Nonbye nur noch Zeitungen mit Löchern ausliegen, findet Personalchefin Karen Sauer gar nicht schlimm. Die Mitarbeiter könnten das Thema Krise ohnehin schon lange nicht mehr hören, sagt sie. "Indem wir nicht mehr darüber sprechen, wollen wir die Stimmung mental drehen." Vor allem soll Unsicherheit unter den Angestellten vermieden werden. "Wenn die Leute Angst haben, geben sie ihr Geld nicht aus, und das macht die Lage noch schlimmer."

Ort ohne traurige Neuigkeiten

Auch die übrigen 65 Angestellten in Odder sehen Nonbyes Kampf gegen die Krise gelassen. Macht es ihnen denn nichts aus, dass die Firma vorschreibt, was sie zu lesen haben? "Nein", sagt Jan Petri in die Kamera eines schwedischen Fernsehsenders, der vor knapp einer Woche ein Reporterteam zu Nonbye geschickt hatte. Er könne doch zu Hause lesen, was er wolle. "Ich finde es angenehm, an einem Ort zu arbeiten, an dem es keine traurigen Neuigkeiten gibt."

12.000 Antikrisenaufkleber

Mit dieser Haltung wissen Petri und seine Kollegen viele Dänen hinter sich. Fast 12.000 Antikrisenaufkleber hat Nonbye bereits verkauft, und auf einer von der Firma eingerichteten Facebook-Seite tummeln sich 11.000 Mitglieder, die von der Initiative begeistert sind. Eine Mitarbeiterin des Marketingunternehmens Viscom berichtet dort, dass die Krise auch in ihrer Abteilung seit dem 1. März schlicht nicht mehr existiert.

Freiwilliger Verzicht

Es ist übrigens keineswegs so, dass Nonbye seinen Angestellten per Arbeitsvertrag verbietet, über die Krise zu sprechen. Keiner werde gezwungen, sagt er. "Wenn sich jemand unbedingt die schlechten Nachrichten reinziehen will, soll er das tun." Bislang zumindest hatte dazu aber niemand Lust.

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