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Schwarzer Freitag: Panik an den Weltbörsen


Kurssturz  

Konjunkturangst und Schuldenkrise führen zu Kurssturz

05.08.2011, 19:34 Uhr | t-online.de - cs, mmr mit dpa-AFX, AFP, dpa-AFX, t-online.de

Angst regiert die Börsen weltweit. Seit der Einigung im Schuldenstreit in den USA sind DAX, Dow Jones und Co. heftig abgestürzt und haben alle Gewinne dieses Jahres wieder abgegeben. In den USA verloren die Aktien in einem Tempo, das die Welt seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr gesehen hat. Auch der Deutsche Aktienindex sackte erneut ab. Selbst die Erdbebenkatastrophe in Japan und die damit verbundene Atomhavarie in Fukushima verkrafteten die Börsen besser. Die Politik schaute bislang machtlos zu - jetzt hat Kanzlerin Merkel durch ein Telefonat mit den spanischen und französischen Regierungschefs die Lage sondiert. Angst vor einer neuen Weltwirtschaftskrise macht sich breit. Neue US-Arbeitsmarkt-Daten fielen derweil besser als erwartet aus. Der DAX drehte sogar vorübergehend mal ins Plus. Ein "Schwarzer Freitag", wie von vielen erwartet, wird es wohl nicht.

Kleiner Lichtblick am US-Arbeitsmarkt: Im Juli kamen 117.000 neue Jobs in Amerika hinzu, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte. Die Arbeitslosenquote sank leicht von 9,2 auf 9,1 Prozent. Die Zahlen waren nach dem Absturz der Weltbörsen mit besonderer Spannung erwartet worden. Ökonomen hatten lediglich mit einem Zuwachs zwischen 75.000 und 85.000 neuen Stellen gerechnet.

Gefahr einer neuen Weltwirtschaftskrise

Angesichts der dramatischen Verluste an den Börsen in Europa und den USA sieht der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, die Gefahr einer neuen Weltwirtschaftskrise heraufziehen. "Die Lage ist besorgniserregend. Denn die Panik an den Finanzmärkten kann schnell die Kreditvergabe und die Kreditnachfrage zum Absturz bringen", sagte Horn dem "Handelsblatt". Dies würde eine globale Krise zur Folge haben. Wichtig sei jetzt, dass die Politik Vertrauen erzeugt. "In Europa heißt dies, dass der Europäische Rettungsschirm EFSF tätig werden muss, falls Staatsanleihen weiter unter Druck geraten. In den USA sollte die Fed entsprechend intervenieren", sagte Horn.

Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. Für hoch verschuldete Länder wie Italien reiche eine neue Finanzpolitik allein nicht aus. Es seien auch "ganz kurzfristige markttechnische Maßnahmen notwendig, um die Finanzmärkte zu stabilisieren", sagte Kater. "Markteingriffe durch den Rettungsschirm EFSF stehen hier an erster Stelle, um selbstverstärkende Spekulationswellen gleich im Entstehen abzufangen und damit zu verhindern, dass sie sich zu schweren Turbulenzen ausweiten."

ntwicklung wichtiger Indizes seit August 2010 (Grafik: dpa) (Quelle: dpa)Entwicklung wichtiger Indizes seit August 2010 (Grafik: dpa) (Quelle: dpa) Furcht vor einem Double Dip

Getrieben wurde der Kurssturz auch von schlechten US-Konjunkturdaten und dem massiven Sparprogramm, die die Furcht vor einem erneuten Abtauchen der USA in eine Rezession nährt. Neben den Schulden bekommen die USA einfach nicht die Probleme auf dem Arbeitsmarkt in den Griff. Und da das US-Wachstum zu 70 Prozent vom heimischen Konsum anhängt, kommt dem Arbeitsmarkt eine zentrale Rolle zu.

Aber auch die sich weiter verschärfende Schuldenkrise in den Euro-Staaten nährt die Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs. Anleger befürchten, dass auch Spanien und Italien kippen. Und so rutschte der Euro zeitweise unter die 1,41-Dollar-Marke (siehe EURUSD). Gestern stand der Euro noch etwa drei Cent höher. Dabei haben sich die ökonomischen Kennzahlen dieser beiden Staaten seit vergangener Woche nicht verschlechtert. Doch wenn einmal Panik herrscht, lassen sich viele Börsianer davon anstecken.

"Jetzt brechen die letzten Dämme"

Gefahr durch Börsenoptionen (Grafik: dpa) (Quelle: dpa)Gefahr durch Börsenoptionen (Grafik: dpa) (Quelle: dpa) Wenn dann noch wichtige charttechnische Marken wie ein altes Jahrestief fallen, rauschen die Aktien nach automatisch ausgelösten Verkäufen fast ungebremst in den Keller. Denn die Marktteilnehmer sichern ihre Position an bestimmten Stellen ab. Wenn diese Marken erreicht werden, wird automatisch verkauft, was den Bärenmarkt weiter verstärkt - und danach sieht es augenblicklich aus. "Jetzt brechen die letzten Dämme", kommentierten Börsianer den Kursrutsch unter das März-Tief. "Weit und breit ist keine Unterstützung zu sehen", sagte ein anderer Händler.

DAX auf Neun-Monats-Tief

Am Vorabend hatte der DAX nach Eröffnung der Wall Street deutlich abgegeben und war bis auf 6392 Zähler gefallen. Im frühen Freitags-Handel ging es weiter bergab. Der DAX fiel bis auf 6152 Punkte - der tiefste Stand seit Anfang Oktober 2010. Damit büßte der DAX seit vergangenem Montag mehr als 1000 Punkte ein. In den Nebenwerte-Indizes MDAX und TecDAX sieht die Bilanz sogar noch dramatischer aus. Kein besseres Bild bei den US-Aktien, die ihre Verluste in dieser Woche aber bislang noch relativ begrenzen konnten. Im weiteren Handelsverlauf am Freitag konnte der DAX seine Verluste begrenzen, stieg sogar vorübergehend wieder über die 6400er-Marke und notierte leicht im Plus. Mehr dazu in unserem aktuellen Marktbericht.

Weltbörsen notieren tiefrot

Der Dow Jones stürzte am Donnerstag um mehr als 500 Punkte ab - der tiefste Stand seit Dezember 2010. Laut Händlern führten die Sorgen um das US-Wirtschaftswachstum global zu einer beschleunigten Flucht aus Aktienwerten. Von den vergangenen zehn Handelstagen hat er somit neun Tage im Minus beendet und in dieser Zeit 10,5 Prozent an Wert eingebüßt. Der breiter gefasste S&P 500 rauschte deutlich unter die charttechnisch wichtige Marke von 1250 Punkte und erlitt seinen größten Tagesverlust seit Februar 2009. Auch die Technologiewerte an der Nasdaq zeigten sich tiefrot - der Composite-Index gab deutlich ab.

Politik stimmt sich ab

Angesichts der Turbulenzen auf den Finanzmärkten hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy über die Schuldenkrise in Europa gesprochen. Beide hätten dazu am Freitag ein Telefonat geführt, sagte ein Regierungssprecher am Abend. Nach Angaben aus Regierungskreisen telefonierte Merkel im Anschluss daran noch mit den Regierungschefs anderer europäischer Länder.

Die Kanzlerin hält sich derzeit im Urlaub in Südtirol auf. Angesichts der Spannungen an den Finanzmärkten waren Rufe nach ihrer Rückkehr nach Berlin laut geworden. Derzeit wird an den Finanzmärkten vor allem die Lage in Italien und Spanien mit großer Sorge betrachtet

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte in einem "Brandbrief" an die Euroland-Chefs vorgeschlagen, den inzwischen 440 Milliarden Euro schweren Krisenfonds EFSF weiter aufzustocken. Die Regierungen müssten sicherstellen, dass der Fonds "über die Mittel verfügt, um Ansteckungsgefahren zu bekämpfen".

Rehn beruhigt

EU-Währungskommissar Olli Rehn versicherte, die Umsetzung der Beschlüsse des Euro-Gipfels sei eine Frage von "Wochen, nicht Monaten". Alle betroffenen Institutionen arbeiteten "Tag und Nacht" am Hilfsplan für die gefährdeten Euro-Länder, betonte Rehn. Um "effektiv und glaubwürdig" zu bleiben, müsse der EFSF regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Spanien und Italien würden aber keine Hilfe des Fonds benötigen.

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Wirtschaft
Kursstürze an den Börsen bedrohen Weltwirtschaft

Die Angst vor einer neuen Rezession geht um. zum Video


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