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Deutsche Wirtschaft: Es geht uns gut wie selten


Wirtschaft  

Es geht uns gut. Es geht uns sehr, sehr gut

29.12.2011, 16:28 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Deutsche Wirtschaft: Es geht uns gut wie selten. Gute Lage, schlechte Stimmung? Wie geht es den Deutschen wirklich? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gute Lage, schlechte Stimmung? Wie geht es den Deutschen wirklich? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Löhne, Konsum, Arbeitsmarkt: Der deutschen Wirtschaft steht trotz Weltfinanzkrise sehr ordentlich da. Trotzdem grassiert die Angst vor einer neuen Rezession, und diese Sorge bremst den Aufschwung. Wie gut oder schlecht geht es uns wirklich? Einige Fakten, die optimistisch stimmen.

Stellen Sie sich vor, Sie laufen die Straße hinunter und begegnen plötzlich ihrem guten alten Freund, der deutschen Wirtschaft. "Hey, Wirtschaft", sagen Sie, "schön, dich zu sehen, wie geht's dir?" Und die Wirtschaft blickt Sie kurz unschlüssig an und sagt: "Danke der Nachfrage, es geht mir gut. Nein, eigentlich geht es mir schlecht. Nee, eigentlich beides."

Widersprüchliche Aussagen zur Lage

Wer sich im Moment über die Lage der Wirtschaft informieren will, muss sich ungefähr so fühlen. Die Bürger bekommen völlig widersprüchliche Angaben. "Der deutschen Wirtschaft geht es gut", sagte etwa Wirtschaftsminister Philipp Rösler am Donnerstag, nachdem die Regierung ihre Herbstprognose präsentiert hatte. Erst kurz zuvor hatte der Bundesverband der Deutschen Industrie vor einer "explodierenden Staatsverschuldung" gewarnt, vor "labilen Finanzmärkten", vor "externen Schocks", die eine gesunde Wirtschaft nach unten ziehen können. Finanzexperten schätzen die Konjunkturaussichten so schlecht ein wie seit drei Jahren nicht.

Was denn jetzt? Geht es der Wirtschaft nun gut oder schlecht?

"Deutschland steht besser da als seit langem", sagt Thomas Straubhaar, der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). "Es gibt viele strukturelle Rahmenbedingungen, die gegen einen erneuten Einbruch der Wirtschaft sprechen", sagt der Konjunkturforscher Kai Carstensen vom Ifo-Institut.

Positive Aussichten

Allerdings gibt es eine Delle. In den vergangenen anderthalb Jahren ging es mit der deutschen Wirtschaft steil bergauf, und das lag vor allem daran, dass sie nach der Finanzkrise stark eingebrochen war und sich dann wieder berappelte. Von einem "Erholungs-Boom", spricht Michael Hüther, der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). "Es war abzusehen, dass der nicht ewig anhält."

Tatsächlich wuchs das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal nur noch um 0,1 Prozent. Ein Rückfall in die Rezession ist dennoch kaum zu befürchten. Es sprechen jedenfalls viele Fakten dagegen.

  • Der Jobmarkt - der für die meisten Menschen wohl wichtigste Punkt - entwickelt sich robust. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnet damit, dass die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr von 2,984 Millionen auf 2,868 Millionen sinkt; auch Wirtschaftsinstitute rechnen mit einem weiteren Rückgang. Selbst die Zahl der Langzeitarbeitslosen geht momentan zurück.
  • Die Zinsen für Firmenkredite sind zurzeit sehr niedrig. Unternehmen kommen bei Bedarf leicht an Geld - zu günstigen Konditionen.
  • Die Löhne von Millionen Menschen steigen. In zahlreichen Branchen haben Gewerkschaften Steigerungen von mehreren Prozent erkämpft. Für 2012 rechnet die Bundesregierung mit weiteren guten Tarifabschlüssen. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte sollen 2011 um 3,2 Prozent zulegen und 2012 um 2,9 Prozent. Es wäre der höchste Anstieg seit der Wiedervereinigung.
  • Gleichzeitig erwarten Forscher, dass die Verbraucher-Preise nur moderat anziehen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) etwa rechnet für 2012 mit einer Inflationsrate von weniger als zwei Prozent.
  • Die Steuerzahler haben vorerst keine Erhöhungen bei den Abgaben zu befürchten. Sie dürfen sogar auf Erleichterungen in Höhe von sechs bis sieben Milliarden Euro pro Jahr hoffen - vorausgesetzt, die CSU spielt mit.

Das alles sind Zeichen dafür, dass es auch künftig weiter bergauf geht - wenn auch langsamer. Die Regierung rechnet für 2012 nun mit einem Wachstum von einem Prozent, zuvor war sie noch von einem 1,8 Prozent-Plus ausgegangen. Führende Wirtschaftsforscher hatten ihre Prognose bereits in der vergangenen Woche von 2,0 auf 0,8 Prozent gesenkt.

Klima der Angst

Für die gestutzten Prognosen gibt es zwei Gründe: Erstens dürfte sich die Wirtschaft in vielen anderen EU-Ländern wegen der Schuldenkrise noch viel schlechter entwickeln als in der Bundesrepublik. Da die deutschen Unternehmen aber mehr als die Hälfte aller Güter in andere EU-Länder exportieren, geht das Wachstum deutlich zurück. Die Regierung geht in ihrem Herbstgutachten davon aus, dass die Ausfuhren in diesem Jahr um 7,5 Prozent zulegen und im kommenden Jahr nur noch um 3,5 Prozent.

Zweitens herrscht in Deutschland derzeit ein Klima der Angst. Die drastischen Warnungen der Wirtschaftsverbände, die ständigen Hiobsbotschaften über Griechenlands mögliche Pleite und den bedrohten Euro, die massive Kritik an der Krisenpolitik von Europas Staatslenkern - das macht Investoren und Unternehmer nervös.

All das erinnert sie an den Crash von 2008, daran, dass es mit der Wirtschaft rapide bergab gehen kann, wenn das Bankensystem kollabiert. Zwar ist damit derzeit nicht zu rechnen - aber es hat auch 2008 kaum einer damit gerechnet, und die Krise kam trotzdem. Es besteht die Gefahr, dass immer mehr Firmen ihre Investitionen verschieben, weil sie auf sicherere Zeiten warten. Das kann die Wirtschaft abwürgen.

Lage ist besser als die Stimmung

Die widersprüchlichen Meldungen zur deutschen Konjunktur lassen sich daher mit einem Satz zusammenfallen: Die wirtschaftliche Lage ist weit besser als die Stimmung im Land. Die strukturellen Rahmenbedingungen sprechen für ein stabiles Wachstum, gleichzeitig bremst die Angst vor einem neuen Crash den Aufschwung.

Gut wäre jetzt eine Einstellung, wie sie die Band Eins Zwo in einem ihrer Songs beschreibt: "Es geht mir gut, ich mein: Es könnte weißgott schlimmer sein", heißt es darin. "Ich will nix anderes machen als das hier, und zwar in Bestform. Und erfüll mal wieder mit links die Testnorm."

Dass viele Unternehmer nach dem Cash von 2008 nicht mehr so denken, kann man ihnen nicht verdenken. Der deutschen Wirtschaft indes würde es im Moment weiterhelfen.

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