Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen >

Hypo Real Estate: Schäuble bestellt Schrottbank-Manager ein


Schäuble bestellt Schrottbank-Manager ein

31.10.2011, 11:59 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Hypo Real Estate: Schäuble bestellt Schrottbank-Manager ein. Finanzminister Wolfgang Schäuble steht wegen der HRE-Affäre in der Kritik (Quelle: dpa)

Finanzminister Wolfgang Schäuble steht wegen der HRE-Affäre in der Kritik (Quelle: dpa)

Hat der kapitale Bilanzpfusch bei der HRE-Bad-Bank disziplinarische Folgen für das Management? Nach "Spiegel"-Informationen müssen sich demnächst sowohl ein Vorstand der Schrottbank als auch der Hypo Real Estate bei Wolfgang Schäuble im Berliner Finanzministerium verantworten.

Rapport im Finanzministerium

Die milliardenschweren Fehlbuchungen im Umfeld des ehemaligen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) haben womöglich disziplinarische Folgen für das Management. Für kommende Woche ist nach "Spiegel"-Informationen ein Vorstand der HRE zum Rapport ins Finanzministerium einbestellt, in der darauffolgenden Woche soll ein Vorstand der FMS Wertmanagement, der Bad Bank des Instituts, erscheinen.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will von beiden wissen, wie es zu den Bilanzfehlern kommen konnte. Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass die FMS Wertmanagement ihre Verschuldung um 55,5 Milliarden Euro zu hoch ausgewiesen hatte. Zu dem Bilanzierungsfehler kam es offenbar, weil die FMS Wertmanagement Kursgewinne bei den Papieren, die in die Bank ausgelagert worden waren, als Verlust verbucht hatte.

Staatsverschuldung sinkt

Allein wegen des Buchungsfehlers sinkt Deutschlands Staatsverschuldung 2011 um 2,6 Prozentpunkte auf 81,1 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung. Doch die Schrottbank sorgt zudem durch ihre eigentliche Aufgabe für ein kleineres Staatsdefizit: Unabhängig von den Fehlbuchungen verkaufte der HRE-Resteverwerter Papiere und Derivate im Wert von rund zehn Milliarden Euro.

Die Termine beim Finanzminister dürften für die beiden Bankvorstände eher unangenehm verlaufen - denn Wolfgang Schäuble ist offenbar alles andere als erfreut über den unverhofften Geldsegen. Vielmehr steht er wegen des kapitalen Fehlers unter starkem öffentlichen Druck. Die Opposition zeigt sich empört und fordert vehement Aufklärung über die Hintergründe der falschen Bilanz.

Schäuble "verantwortlich"

Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, zielt dabei direkt auf den Finanzminister. Schäuble sei "dafür verantwortlich, dass die Bank ordnungsgemäß geführt und beaufsichtigt wird". Das Bundesfinanzministerium scheine angesichts immer neuer Rettungspläne für die Euro-Zone "völlig die Übersicht verloren" zu haben. Das neue Motto der Bundesregierung sei: "Milliarden sind nicht mehr so wichtig. Wir rechnen in Billionen", spottete Oppermann.

In der Tat gibt Schäubles Haus in der Causa bislang ein eher unglückliches Bild ab. Obwohl ihm die Bilanzkorrektur seit Wochen bekannt ist, behielt es die Information wochenlang für sich. Als der Rechenfehler am Freitag schließlich bekannt wurde, verlautete anfangs aus dem Ministerium, lediglich der Teilbetrag von 24,5 Milliarden Euro sei falsch gebucht worden, die Differenz zu den 55,5 Milliarden Euro habe die Schrottbank sauber erwirtschaftet - bis ein Sprecher am späten Abend korrigierte, dass der volle Betrag auf den Bilanzpfusch zurückzuführen sei.

Vorfall wurde geheim gehalten

Dass Schäuble über den Zig-Milliarden-Fund in der Schrottbank-Bilanz wochenlang Stillschweigen behielt, ist allerdings nachvollziehbar. Denn wenn die stattliche Summe von 55,5 Milliarden Euro scheinbar aus dem Nichts auftaucht, könnte das Begehrlichkeiten wecken, sowohl innenpolitisch als auch im Zuge der Euro-Krise im Ausland. Doch weder der Bundesfinanzminister noch seine Länderkollegen haben deshalb auch nur einen Cent mehr zur Verfügung.

Zwar schmilzt das Staatsdefizit Deutschlands tatsächlich um die stattliche Summe von 55,5 Milliarden Euro - aber das hat keine Auswirkungen auf Bundes- oder Länderhaushalte. Die Finanzierung der HRE-Bad-Bank wird vielmehr über einen Sonderhaushalt geführt, der sich selbst finanziert und sich notfalls Kredite beschafft. Dementsprechend dürr fallen die Worte aus, mit denen das Ministerium die Freude über den fiskalischen Aspekt des Bilanzpfuschs kommentiert: "Ungeachtet der noch zu klärenden Ursachen für diese Korrektur begrüßt die Bundesregierung grundsätzlich jede Reduzierung des Maastricht-Schuldenstandes."

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
15,- € Gutschein für Sie - nur bis zum 22.09.2019
bei MADELEINE

shopping-portal