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Nokia-Fabrik in Rumänien wegen Zoll-Schulden beschlagnahmt


Nokia-Fabrik in Rumänien wegen Zoll-Schulden beschlagnahmt

11.11.2011, 18:52 Uhr | dpa-AFX, dpa-AFX

Nokia-Fabrik in Rumänien wegen Zoll-Schulden beschlagnahmt. Nach nur wenigen Jahren macht das Nokia-Werk in Rumänien wieder dicht (Quelle: dpa)

Nach nur wenigen Jahren macht das Nokia-Werk in Rumänien wieder dicht (Quelle: dpa)

Das rumänische Finanzamt hat den Betrieb des finnischen Handy-Herstellers Nokia im Industriepark Jucu beschlagnahmt. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, nachdem eine Prüfung ergeben habe, dass Nokia Zollgebühren von zehn Millionen US-Dollar nicht bezahlt habe, sagte Behördenchef Sorin Blejnar in Bukarest. Nokia will seine Fabrik in Rumänien bis Jahresende schließen. Die Produktion am Standort Jucu war erst Anfang 2008 aufgenommen worden - im gleichen Jahr wurde dafür das Nokia-Werk Bochum geschlossen.

Zollbestimmungen umgangen

Nokia habe in gesetzwidriger Weise Zollbefreiungen für den Import von Bestandteilen aus China, Taiwan und den USA in Anspruch genommen, erklärte der rumänische Zollchef Viorel Comanita. Die Finnen hätten fertige Teile wie etwa Handy-Ladegeräte importiert und diese wahrheitswidrig als Komponenten deklariert. Die Zollbefreiungen für Produkte aus Nicht-EU-Ländern gälten nach EU-Recht nur für den Import von Komponenten, die am Bestimmungsort in andere Geräte eingebaut werden, nicht aber für bereits gefertigte Teile, sagte Comanita.

Beschlagnahmung ohne Einfluss auf Produktion

Die Beschlagnahmung der Fabrik gefährde die laufende Produktion nicht, hieß es weiter. Sie erstrecke sich auf die Immobilien von Nokia, einschließlich Büros und Produktionshallen.

Schließung von Werk fordert tausende Arbeitsplätze

Nokia hatte im Februar 2008 in Jucu nahe der siebenbürgischen Stadt Cluj mit der Produktion einfacher Handys begonnen und dazu dort eine Fabrik für 60 Millionen Euro gebaut. Der rumänische Staat lieferte im Gegenzug die Infrastruktur. Im September beschlossen die Finnen, im Zuge einer neuen Unternehmensstrategie die Produktion in Rumänien einzustellen. 2200 Beschäftigte in Jucu werden dadurch arbeitslos. Für die ehemaligen Nokia-Mitarbeiter in Bochum muss die Nachricht aus Rumänien bitter sein.

Absatzkrise bei Nokia

Nokia muss mit dem Schritt Konsequenzen aus dem drastischen Bedeutungsverlust der vergangenen Monate ziehen. In Westeuropa werden inzwischen immer mehr Smartphones statt einfacher Handys gekauft. Und bei den Computer-Telefonen hatte Nokia in den vergangenen Jahren massiv an Gewicht verloren. Der Wandel geht schnell, der Markt für Basis-Telefone bröckelt.

Insgesamt fiel der Marktanteil des langjährigen Handy-Spitzenreiters im zweiten Quartal nach Zahlen des Marktforschers Gartner auf 22,8 Prozent - ein Jahr zuvor waren es noch 30,8 Prozent.

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