Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen >

Arzneimittel: Prüfungen laufen an - Sparziel wohl verfehlt


Arznei-Prüfungen laufen an - Pharmafirmen in Aufruhr

29.12.2011, 16:25 Uhr | dpa-AFX, t-online, dpa-AFX

Arzneimittel: Prüfungen laufen an - Sparziel wohl verfehlt . Viele Medikamente gelten als überflüssig. Nun wird geprüft. (Quelle: dapd)

Viele Medikamente gelten als überflüssig. Nun wird geprüft. (Quelle: dapd)

Die wenigsten neuen Wirkstoffe auf dem reichlich gefüllten Arzneimittelmarkt bringen wirklichen Fortschritt. Nur 10 bis 30 Prozent dieser Medikamente helfen besser als ihre Vorläufer, so die ernüchternde Bilanz der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Jetzt laufen neue Arznei-Prüfungen an, die Milliarden-Einsparungen bringen sollen. Nach Einschätzung des zuständigen Spitzengremiums im Gesundheitswesen wird das Sparziel der Koalition in absehbarer Zeit jedoch nicht erreicht. Die Pharmaindustrie warnte dennoch vor möglichen Einschnitten bei der Patientenversorgung.

Prüfung von Zusatznutzen bei Medikamenten

Knapp ein Jahr nach Inkrafttreten der jüngsten Arzneireform werden nun die ersten neuen Medikamente auf ihren Zusatznutzen gegenüber vergleichbaren Therapien geprüft. Noch in diesem Jahr werde der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss die erste Bewertung abschließen, sagte der Vorsitzende dieses Spitzengremiums von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken, Rainer Hess. Der Ausschuss entscheidet auf Basis von Berichten der Hersteller, welchen Zusatznutzen ein neues Mittel - wenn überhaupt - hat.

Nur für Mittel, die wirklich mehr bringen, zahlen die Kassen auch mehr. Hersteller und Kassen sollen die Preise allerdings erst ab Januar aushandeln. Über die ersten Verfahren informiert der Bundesausschuss.

Kritik an überhöhten Preisen

Hess sagte, die von der Regierung angekündigten Einsparungen von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr seien erst bei einer Bewertung der schon länger auf dem Markt befindlichen Arzneimittel realistisch. "Derzeit können wir nicht sicher einschätzen, wann ein nennenswerter Anteil an Wirkstoffen einer neuen Bewertung unterzogen sein wird." Schon lange halten Kritiker den Pharmafirmen überhöhte Preise vor.

Seit Jahren steigen die Arzneikosten der Kassen. Im ersten Halbjahr 2011 sanken sie erstmals - um 6,3 Prozent auf gut fünfzehn Milliarden Euro. Die Regierung erwartet fürs Gesamtjahr einen geringeren Rückgang. Ende 2013 wird ein vorgegebener 16-prozentiger Herstellerrabatt wieder auf 6 Prozent gesenkt. Von den neuen Preisverhandlungen hängt die künftige Entwicklung der Arzneikosten ab.

Pharmabranche in Aufregung

Über Jahre konnte die Industrie für neu zugelassene Pillen in Deutschland nach Belieben viel verlangen. In diesem Jahr machten gleich zwei Firmen wegen der neuen Prüfungen im letzten Moment einen Rückzieher. Novartis nahm einen Blutdrucksenker vom Markt. Der Hersteller Merckle Recordati ließ einen neuen Cholesterinsenker kurzerhand unter die bestehenden Obergrenzen für die Bezahlung gängiger Mittel einordnen.

Sorge um Forschung

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) warnte, dass innovative Arzneimittel künftig den Patienten in Deutschland nicht mehr unmittelbar nach Zulassung zur Verfügung stehen könnten. "Die ersten Erfahrungen geben Anlass zur Sorge", sagte vfa-Geschäftsführerin Birgit Fischer. Man sei nicht gegen die Bewertungen. Unter anderem müsse aber die Forschung ausreichend berücksichtigt werden. Laut Fischer ist die Vergleichbarkeit immer wissenschaftlich umstritten. Der Chef des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Rainer Hess, hält dagegen: "Vorwürfe, dass der G-BA für die Vergleichstherapie gezielt ältere oder besonders günstige Präparate auswählt, um zu sparen, sind abwegig."

Strom-Rechner
Strompreisvergleich

Finden Sie günstige Stromanbieter!

Anzahl Personen im Haushalt

Anzeige

Kasse hält Sorge für Stimmungsmache

Die Kassen warfen der Branche Stimmungsmache vor. "Niemand sollte sich von der Pharmaindustrie verunsichern lassen und den vereinzelten Unkenrufen glauben, dass echte Innovationen nun nicht mehr auf den deutschen Markt kommen", sagte Verbandssprecher Florian Lanz.

Medikamentenflut in Deutschland

Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der Ärzte, Wolf-Dieter Ludwig, erläuterte: "In Deutschland sind rund 20. 000 verschreibungspflichtige Arzneimittel mit rund 2000 Wirkstoffen zugelassen." 300 bis 500 dürften reichen, so seine Hochrechnung. Zu viele Mittel brächten keinen Fortschritt. Die neuen Bewertungsverfahren führe zu sinkenden Preisen. Aber: "Bevor ein Umdenken der Industrie einsetzt und besser wirksame Arzneimittel auf den Markt kommen, werden einige Jahre vergehen."

Der Druck wächst

Der Experte Ludwig und Gremienchef Hess erwarten, dass die Pharmakonzerne jetzt unter stärkeren Druck geraten, nützliche Mittel zu entwickeln. Den Patienten komme dies zugute. Die Entwicklung eines neuartigen Medikaments kann - Fehlschläge eingerechnet - dreistellige Millionenbeträge verschlingen. Geringere Risiken für die Unternehmen gibt es bislang bei oft nur schwach veränderten Arzneimitteln, die als hochpreisige Neuerungen auf den Markt kommen können. Laut Arzneiverordnungs-Report 2011 könnten die Kassen ohne Nachteile für Patienten zwischen fünf und zwölf Milliarden Euro sparen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
HUAWEI Mate20 Pro für 9,95 € im Tarif MagentaMobil M
zur Telekom
Anzeige
Erstellen Sie jetzt 250 Visiten- karten schon ab 11,99 €
von vistaprint.de
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal