Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen >

Kirche will Weltbild-Verlag verkaufen


Zu viel Erotik: Kirche will Weltbild-Verlag verkaufen

22.11.2011, 12:11 Uhr | dpa, AFP, dapd, dpa, dapd, AFP, t-online.de

Kirche will Weltbild-Verlag verkaufen. Augsburger Weltbild-Verlag: Kritik an Erotik-Angebot (Quelle: imago images)

Augsburger Weltbild-Verlag: Kritik an Erotik-Angebot (Quelle: imago images)

Die katholische Kirche in Deutschland hat den Verkauf des kircheneigenen Weltbild-Verlags beschlossen. Der Augsburger Verlag war in die Kritik geraten, weil er im Internet auch Erotik-Literatur zum Verkauf angeboten hatte. Vorige Woche war der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Donaubauer deshalb zurückgetreten. Am Dienstag teilte die Verlagsgruppe nun mit, das Unternehmen solle "ohne jeden Verzug entschlossen" veräußert werden. Die Gesellschafter hätten die Geschäftsführung mit entsprechenden Maßnahmen beauftragt. Die Vollversammlung des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) hatte sich am Montag in Würzburg mit der Weltbild GmbH befasst. Der VDD hält 24,2 Prozent der Anteile an der Verlagsgruppe.

Am Wochenende hatte der Kölner Kardinal Joachim Meisner die vollständige Trennung der Kirche von dem Verlag gefordert. Für die Kirche gehe es darum, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx hatte Stellung bezogen: "Wir können noch so große Medienkonzerne haben - wenn sie nicht das Ziel haben, das Evangelium zu verkünden, geht es in die falsche Richtung", sagte er.

Einer der größten Buchhändler

Gesellschafter des Verlages mit 6400 Mitarbeitern und 1,6 Milliarden Euro Jahresumsatz sind zwölf Diözesen, die Soldatenseelsorge sowie der Verband der Diözesen. Das Unternehmen ist auch an einem Tochterunternehmen beteiligt, das Buchhandlungen unter verschiedenen Markennamen betreibt - neben den Weltbild-Läden zählen dazu auch die Hugendubel-Filialen. Die Buchhandelskette gehört nach eigenen Angaben zu den größten Internet-, Buch- und Medienhandelsunternehmen in Europa.

Die Kritik am Weltbild-Verlag hatte ihren Ausgang am rechten Rand der katholischen Kirche genommen. Einschlägige Internet-Foren und streitbare Gruppen wie das Forum deutscher Katholiken warfen Weltbild vor, Porno- und Esoterik-Bücher zu verkaufen und damit gegen die katholische Moral zu verstoßen. Die Konservativen starteten eine Kampagne mit Briefen an die zwölf Bischöfe, deren Diözesen die Augsburger Verlagsgruppe gehört.

Geringer Anteil von Erotik im Angebot

Mit ihrer Hartnäckigkeit schafften es die Weltbild-Kritiker, den Druck auf das Unternehmen stetig zu erhöhen. Ende Oktober widersprach Weltbild energisch dem Pornografie-Vorwurf und erklärte: "Weltbild bietet in seinem Sortiment keine Pornografie an und hat dies auch noch nie getan." Mit einem Anteil von gerade 0,017 Prozent des Gesamtumsatzes seien Bücher aus dem Bereich der Erotik verkauft worden.

Doch die Rechtfertigung kam zu spät - der Papst hatte da schon genug. Es sei an der Zeit, die "Verbreitung von Material erotischen oder pornografischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken", wetterte Benedikt vor knapp zwei Wochen. Dabei forderte er ein "vielfach" entschiedeneres Vorgehen der deutschen Bischöfe.

Meisner für radikale Trennung

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner ist schon seit Jahren einer der größten Weltbild-Kritiker. Sein Bistum hatte seine Anteile an dem Konzern 2008 abgegeben und kassiert seither auch kein Geld mehr aus den Geschäften. "Es geht nicht, dass wir in der Woche damit Geld verdienen, wogegen wir sonntags predigen. Das ist einfach skandalös", sagte Meisner der "Welt am Sonntag". An die Bischofskonferenz hat er deshalb eine schlichte Forderung zur Zukunft von Weltbild. "Wir müssen uns davon radikal trennen. Dafür gibt es für mich gar keine Alternative."

Schon in den vergangenen Jahren gab es wiederholt Forderungen nach einem Verkauf. Allerdings wurde dies auch mit dem Argument zurückgewiesen, dass das weit verzweigte Unternehmen mit den Vertriebsmarken Weltbild, Jokers, KIDOH und buecher.de sowie Beteiligungen an Buchketten wie Hugendubel und Wohlthat schwer zu verkaufen sei. Nun hat aber der Papst den Kritikern im September mit seiner Freiburger Konzerthaus-Rede ein weiteres Argument gegeben: In der Rede forderte er die Kirche auf, sich von materiellen Lasten zu befreien.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Nur dieses Wochenende versandkostenfrei bestellen!
Code: GRATISVERSAND19 bei MADELEINE

shopping-portal