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EZB senkt Leitzinsen auf das Rekordtief von 1,00 Prozent


Leitzinsen  

EZB senkt die Leitzinsen auf 1,0 Prozent

23.12.2011, 22:08 Uhr | dpa, dapd, AFP, t-online.de - mmr, AFP , dpa , dapd , t-online.de

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Leitzins für die Eurozone nochmals gesenkt. Nach der überraschenden Zinssenkung vor einem Monat auf 1,25 Prozent wird der Leitzins nun um weitere 25 Basispunkte auf das Rekordtief 1,0 Prozent herabgesetzt. Das gab die EZB am Donnerstag bekannt. EZB-Präsident Mario Draghi hat die beschlossene Zinssenkung mit "substantiellen neuen Abwärtsrisiken" für die Wirtschaft der Eurozone begründet und weitere Notfallhilfen für das angeschlagene Bankensystem angekündigt. Eine massive Ausweitung der Anleihekäufe durch die Notenbank schloss der EZB-Chef unterdessen aus. DAX und Euro reagierten nachgebend.

Draghi gab zudem bekannt, dass der Sicherheiten-Rahmen für Offenmarktgeschäfte weiter gelockert wird und Refinanzierungsgeschäfte über einen extrem langen Zeitraum von 36 Monaten durchgeführt werden. Das Kreditangebot im Währungsraum sei durch die Spannungen im Finanzsektor bislang wenig beeinträchtigt.

Rezession in Eurozone möglich

Die Konjunkturaussichten hätten sich infolge der Unsicherheiten durch die Staatsschuldenkrise deutlich eingetrübt, sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Selbst eine Rezession schließt die Notenbank nicht länger aus. Die EZB rechnet für 2012 mittlerweile nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,3 Prozent, die Spanne liegt zwischen minus 0,4 Prozent und plus 1,0 Prozent. Im September war die EZB noch von einem Plus von 1,3 Prozent ausgegangen.

Preisdruck wird nachlassen

Die Inflation wird nach Draghis Prognose in den kommenden Monaten über dem EZB-Zielwert von knapp unter 2,0 Prozent verharren. Im laufenden Jahr erwartet die Notenbank eine Jahresteuerung von 2,7 Prozent (Spanne 2,6 bis 2,8 Prozent). Im kommenden Jahr dürfte der Preisdruck auch wegen der schwachen Konjunktur nachlassen. Die EZB erwartet eine Inflationsrate von 2,0 Prozent (Spanne 1,5 bis 2,5 Prozent). 2013 soll die Teuerung im Euroraum nach der Prognose auf 1,5 Prozent (0,8 bis 2,2 Prozent) fallen.

Keine Finanzierung von Staatsschulden durch die EZB

Im Hinblick auf die Schuldenkrise in der Eurozone sagte Draghi, alle Regierungen im Währungsraum müssten fiskalische Nachhaltigkeit unterstützen. Mit Blick auf umstrittenen Anleihekäufe der Notenbank widersprach der EZB-Chef dem Eindruck, er habe sich für eine Ausweitung eingesetzt. Er sei in der vergangenen Woche "falsch interpretiert" worden.

Eigentlich könnte Mario Draghi die Notenpresse anwerfen und nach dem Vorbild etwa der US-Notenbank Fed in großem Stil Anleihen kaufen. Doch das lehnt der Italiener weiterhin strikt ab. "Wir haben einen Vertrag, und der besagt, dass unser Primärauftrag die Preisstabilität ist", sagte Draghi. Die Finanzierung von Staatsschulden sei hingegen aus gutem Grund verboten. Die viel beschriebene "Bazooka" der EZB wird es also weiterhin nicht geben - jedenfalls nicht ohne Gegenleistung der Politik.

Märkte reagieren am Nachmittag nachgebend

Der Deutsche Aktienindex DAX reagierte auf die vielfach erwartete Leitzinssenkung zunächst kaum. Später stieg der Leitindex auf ein neues Tageshoch bei 6077 Punkten, um kurz darauf jäh auf ein neues Tagestief unter 5900 Zähler abzurutschen (siehe Parkettkamera). Der Euro hielt sich lange relativ stabil nahe der 1,34-Dollar-Marke, rutschte später aber ebenfalls ab. Die überraschende Absage des EZB-Präsidenten an unbegrenzte Anleihekäufe durch die Notenbank drückte die Kurse in den Keller.

Kredite werden billiger, Inflation steigt

Durch eine Zinssenkung verbilligen sich tendenziell Kredite. Das erleichtert Unternehmen Investitionen und kann die Konsumfreude von Verbrauchern steigern - beides kurbelt die Konjunktur an. Zugleich befeuern niedrige Zinsen aber die Inflation, die zuletzt weiter deutlich über dem Zielwert der EZB von knapp zwei Prozent lag. Im November hatte die jährliche Teuerungrate in den 17 Eurostaaten bei 3,0 Prozent gelegen. Experten sind sich aber einig, dass der Höhepunkt überschritten ist und der Preisdruck nun stetig abnehmen wird.

Am Abend startet in Brüssel der zweitägige EU-Gipfel zur Krise im Euroraum. Frankreich und Deutschland wollen strengere Regeln zur Kontrolle der Haushaltsdisziplin durchsetzen, dürften jedoch auf Widerstand treffen. Experten erwarten den Bund-Future bis zur Bekanntgabe der Gipfel-Ergebnisse unter leichtem Abwärtsdruck.

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