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E.ON will Gasnetz verkaufen und muss Milliarden abschreiben

afp, t-online, AFP

Aktualisiert am 23.12.2011Lesedauer: 3 Min.
Kehraus bei E.ON
Kehraus bei E.ON (Quelle: dapd)
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E.ON macht Kasse: Der größte deutsche Energieversorger will laut einem Pressebericht nach seinem Stromnetz auch sein Gasnetz verkaufen. Der Münchener Versicherungskonzern Allianz wolle das Netz über seine Beteiligungstochter Allianz Capital Partners (ACP) übernehmen, meldete die "Süddeutsche Zeitung". Der Versorger betreibt derzeit einen radikalen Konzernumbau - und muss wegen schlechter Geschäfte in Südeuropa Milliarden abschreiben. Deswegen senkte E.ON seine Prognose für das operative Ergebnis. Die E.ON-Aktie tendierte gegen den Markttrend schwächer.

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Ludwig Erhard (
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Das Netz der E.ON-Gastochter Ruhrgas ist 12.000 Kilometer lang und damit das größte Deutschlands. Durch das Pipeline-System fließt mehr als die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Erdgases. E.ON Ruhrgas steht schon seit langem im Visier von EU-Wettbewerbshütern. Erst im September durchsuchte die EU-Kommission Geschäftsräume des Unternehmens.

Im Jahr 2009 hatte Ruhrgas nach jahrelangem Streit mit der Brüsseler Behörde bereits zugesagt, den Zugang zu seinem Transportnetz für die Konkurrenz zu verbessern. Wie die "Süddeutsche Zeitung" nun unter Berufung auf E.ON-Kreise berichtete, sind die Gespräche über den kompletten Verkauf des Gasnetzes weit fortgeschritten. E.ON plane die Zerschlagung der Firmentochter. E.ON war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

E.ON verkauft auch sein Stromnetz

Weiter ist der Konzern bei seinem Stromnetz: Ende 2009 verkaufte E.ON seine Höchstspannungsleitungen an den niederländischen Betreiber TenneT. Wettbewerbshüter und Verbraucherschützer setzen sich seit langem für eine Trennung der Produktion von Energie vom Transport aus. Sie fürchten, die großen Energiekonzerne könnten ansonsten ihre Marktmacht missbrauchen, um Konkurrenten den Zugang zu ihren Netzen zu erschweren.

E.ON betreibt derzeit einen radikalen Konzernumbau. Weltweit will das Unternehmen 11.000 seiner 79.000 Stellen abbauen, in Deutschland sind es 6000 Jobs. Unklar ist noch, auf welche Weise diese Stellen gestrichen werden sollen. E.ON begründet den Umbau mit dem Atomausstieg in Deutschland. Geplant sind zugleich aber Milliardeninvestitionen: E.ON werde "mehrere Milliarden Euro" in den kommenden Jahren investieren, "vor allem in erneuerbare Energien", sagte E.ON-Chef Johannes Teyssen der "Leipziger Volkszeitung".

Milliarden-Minus für E.ON in Südeuropa

Zu schaffen macht E.ON zudem die Schuldenkrise in Europa. Der Konzern muss deshalb Abschreibungen in Höhe von drei Milliarden Euro vornehmen, wie E.ON mitteilte. 2,1 Milliarden Euro betreffen demnach die Geschäfte in Spanien und Italien. Dort schätzt der Konzern die langfristige Entwicklung der Strompreise nach eigenen Angaben nun pessimistischer ein. Zudem führe die lahmende Konjunktur dazu, dass die Kohle- und Gaskraftwerke von E.ON weniger stark ausgelastet seien. Weitere Abschreibungen nahm E.ON auf Kraftwerke in Ungarn, der Slowakei und den BeNeLux-Staaten vor.

Halbe Gewinnwarnung von E.ON

Seine Prognose für 2011 engte der Konzern ein. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (angepasstes EBITDA) wird im laufenden Jahr 9,1 bis 9,3 Milliarden Euro betragen. Bisher hatte E.ON mit einer Spanne von 9,1 bis 9,8 Milliarden Euro auch ein höheres Ergebnis für möglich gehalten. Der unter anderem um Bewertungseffekte bereinigte Überschuss soll 2011 bei 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro liegen (bisher: 2,1 bis 2,6).

Analysten sind vorsichtig

Die WestLB hat E.ON nach den angekündigten Abschreibungen von "Add" auf "Neutral" abgestuft und das Kursziel von vormals 19,00 Euro gestrichen. Auch wenn sich keine unmittelbare Belastung für die Gewinn- und Dividendenvorhersagen ergebe, dürften die dadurch wieder in den Vordergrund rückenden Unsicherheiten die Marktstimmung für den Titel in den kommenden Wochen belasten, schrieb Analyst Peter Wirtz. Daher habe er die Papiere von der "Large Cap Focus"-Liste gestrichen.

Für JPMorgan-Analyst Vincent de Blic entspricht die angekündigte Wertberichtigung von drei Milliarden Euro rund 1,60 Euro je Aktie und sei keine gute Nachricht. Allerdings signalisiere die Bestätigung der Unternehmensziele für 2013, dass die Abschreibungen Altlasten und nicht aktuelle Probleme reflektiere. Daher sehe er größere Kursverluste infolge der Nachricht als Kaufgelegenheit.

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