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Euro fällt unter 1,30 Dollar


Rezessionsangst und Italien  

Euro rutscht unter 1,30 Dollar

20.01.2012, 09:49 Uhr | dpa-AFX, AFP, t-online.de - sky, AFP , dpa-AFX

Euro fällt unter 1,30 Dollar. Wird der Euro zur Weichwährung? (Quelle: imago, Montage: t-online.de)

Der Euro verliert an Vertrauen (Quelle: imago, Montage: t-online.de)

Nächster Akt in der Schuldenkrise: Italien muss ein Misstrauensvotum der Anleger verkraften und Rekordzinsen für neue Schulden bezahlen. Zudem belasteten zunehmende Rezessionsängste den Finanzmarkt. Die Anleger flohen wieder in deutsche und amerikanische Staatsanleihen. Der Kurs der Gemeinschaftswährung sank erstmals seit Mitte Januar unter die Marke von 1,30 US-Dollar – das Tagestief lag bei 1,2969. Der Euro steht nun nicht mehr weit über seinem Jahrestief bei 1,2850 Dollar.

Trotz der Konsolidierungsbemühungen des neuen italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti muss Italien für die Aufnahme von Schulden einen neuen Rekordzinssatz zahlen. Die Zinsen für fünfjährige Anleihen stiegen am Mittwoch auf 6,47 Prozent - dies ist der höchste Zinssatz seit der Schaffung der Eurozone.

Anleger trauen Italien nicht

Erstaunlicherweise gab es keine Nachfrageprobleme: Das Angebot war 1,4-fach überzeichnet. Mitte November hatte Italien für die Aufnahme von fünf Milliarden Euro über fünf Jahre noch 6,29 Prozent zahlen müssen. Am Mittwoch nahm Italien neue Schulden in Höhe von drei Milliarden Euro auf.

Die Regierung in Rom hatte vergangene Woche ein milliardenschweres Programm zum Kampf gegen die Schuldenkrise vorgestellt. Vorgesehen sind unter anderem eine Erhöhung der Immobiliensteuer, die Einführung einer Luxussteuer, Maßnahmen gegen Steuerflucht und eine Anhebung des Renteneintrittsalters. Das Unterhaus soll noch in dieser Woche darüber entscheiden. Im Oberhaus wird mit einer Abstimmung für nächste Woche gerechnet.

Flucht in deutsche und US-Staatsanleihen

Trotzdem verzeichneten deutsche Staatsanleihen wegen steigender Sorgen um die Eurozone als "sicherer Hafen" deutliche Kursgewinne. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg bis zum Mittag um 0,71 Prozent auf 137,32 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel im Gegenzug auf 1,955 Prozent. Der Bund konnte am Morgen 4,18 Milliarden Euro zum äußerst geringen Zins von 0,29 Prozent aufnehmen. Die Rendite für die dreißigjährige Staatsanleihe erreichte mit 2,4 Prozent den niedrigsten Stand seit der Einführung des Euro.

Die Anleger setzten außerdem auf längerlaufende US-Staatsanleihen. Richtungsweisende zehnjährige Bonds kletterten um 3/32 Punkte auf 100 13/32 Punkte. Sie rentierten mit 1,953 Prozent. Longbonds mit einer Laufzeit von dreißig Jahren legten um 17/32 Punkte auf 102 23/32 Punkte zu, sie rentierten mit 2,989 Prozent.

Euro-Talfahrt mit dem Übergreifen der Krise

Die jüngste Talfahrt der Gemeinschaftswährung setzte bereits in diesem Sommer ein, nachdem sie bis dahin kräftig auf knapp 1,50 Dollar zugelegt hatte. Experten begründen die Entwicklung seither mit zwei Wellen in der Schuldenkrise: So war die Krise im Sommer von kleineren Ländern wie Griechenland auf die dritt- und viertgrößte Euro-Wirtschaft Italien und Spanien übergeschwappt. Im Spätherbst kam es dann noch schlimmer, als sogar "Kernländer" im Herzen Europas in den Abwärtssog gerieten.

Selbst Staaten wie Frankreich, die bis dahin als stabil galten, standen plötzlich im Kreuzfeuer der Investoren. Sie mussten den Anlegern empfindlich höhere Zinsen zur Refinanzierung ihrer Staatsschulden bieten.

Ratingagenturen wollen Anleihenkäufe

Zusätzliches Sperrfeuer kam zuletzt von den Ratingagenturen: Die größte Agentur Standard & Poor's hatte unlängst die gesamte Eurozone unter verschärfte Beobachtung gestellt und drohte mit Bonitätsabstufungen. An dieser skeptischen Haltung hat auch der EU-Krisengipfel nichts geändert. Die Experten der Commerzbank sehen in den Beschlüssen kaum mehr als ein Signal, die Staatsfinanzen im Währungsraum wieder ins Lot bringen zu wollen.

Auch den Ratingagenturen geht die verschärfte Kontrolle der Staatshaushalte nicht weit genug. Sie fordern vielmehr kurzfristige Maßnahmen, insbesondere eine Ausweitung der umstrittenen Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB).

EZB und Bundesbank gegen Anwerfen der Druckerpresse

Derartigen Forderungen hatte EZB-Chef Mario Draghi vergangene Woche aber eine klare Absage erteilt, was den Euro stark belastete. Allein seit Wochenbeginn hat er vier Cent an Wert verloren.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat Forderungen nach einem stärkeren finanziellen Engagement der EZB zur Lösung der Euro-Schuldenkrise erneut eine Absage erteilt. Die Idee, das benötigte Geld über die Druckerpresse zu beschaffen, sollte endlich beiseitegeschoben werden, sagte Weidmann in Berlin auf einer Veranstaltung zur Einführung des Euro-Bargelds vor zehn Jahren.

Zinsdifferenz zu den USA schwindet

Neben Schuldenkrise und Rezessionssorgen nennen Bankvolkswirte einen weiteren Grund für den zusehends schwächeren Euro: die geringere Zinsdifferenz zwischen den USA und dem Euroraum. Während der amerikanische Leitzins bereits seit drei Jahren nahe der Nulllinie verharrt, lag er im Euroraum bis vor wenigen Wochen noch deutlich höher bei 1,5 Prozent. Höhere Zinsen lassen eine Währung in den Augen von Investoren grundsätzlich attraktiver erscheinen. Allerdings hat die EZB diesen Zinsvorteil mit zwei schnellen Zinssenkungen zuletzt verringert. Und EZB-Beobachter sind sich sicher, dass die Notenbank bei einer Verschärfung der Schuldenkrise weitere Schritte folgen lassen wird.

Dennoch: Trotz der jüngsten Verluste hält sich der Euro im längeren Vergleich gut. So notiert die europäische Währung immer noch klar über ihrem mehrjährigen Durchschnitt von rund 1,20 Dollar. Und vom Rekordtief bei 0,82 Dollar, das rund ein Jahr nach der Euro-Einführung als Buchgeld Ende 1999 erreicht wurde, ist der Euro sehr weit entfernt. Allerdings auch von seinem historischen Höchststand bei gut 1,60 Dollar, das im Sommer 2008 vor der ersten Finanzkrise markiert wurde.

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