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Bäckereikette verkauft Brot und Bonds


Bäckereikette verkauft Brot und Bonds

20.01.2012, 09:58 Uhr | dapd, dapd

Bäckereikette verkauft Brot und Bonds. Neben Brot gibt es bei Heberer auch Anleihen zu kaufen (Quelle: imago images)

Neben Brot gibt es bei Heberer auch Anleihen zu kaufen (Quelle: imago images)

"Ein Mischbrot, drei Mohnschnecken und eine Unternehmensanleihe, bitte!" Neben frischem Gebäck verkauft die Mühlheimer (am Main) Bäckereikette Heberer seit August auch Firmenanleihen. Sie gehen zwar nicht über den Bäckertresen, aber beim Brötchenkauf bekommen Kunden einen Werbezettel in die Hand gedrückt. Heberer verspricht darin einen festen Zinssatz von sieben Prozent. Schon ab 1000 Euro sei die "Investition ins goldene Handwerk" möglich. Doch Verbraucherschützer warnen vor riskanten Geldanlagen.

Zinsen zwischen sieben und acht Prozent

Bei vielen mittelständischen Unternehmen boomt derzeit das Geschäft mit den Firmenanleihen. Während die Banken vor einer Kreditklemme warnen, besorgen sich viele Mittelständler ihr Kapital längst woanders: Firmenanleihen werden in der Regel schon ab 1000 Euro ausgegeben und sind damit insbesondere für Kleinanleger attraktiv. Die Zinsen liegen oft zwischen sieben und acht Prozent und sind damit deutlich höher als bei Sparbüchern.

Das Interesse ist groß: Der Safthersteller Valensina musste bereits nach zweieinhalb Stunden die Ausgabe seiner Anleihen beenden, weil sie bereits fünffach überzeichnet waren. Bei Katjes dauerte es nur eine halbe Stunde, da gab es bereits mehr als doppelt so viele Interessenten als der Süßwarenhersteller mit seinem 30 Millionen Euro schweren Anleihenpaket bedienen konnte. Bei Heberer sollen bis zum August kommenden Jahres zwölf Millionen Euro zusammenkommen. Fast die Hälfte der Anleihen wurde schon verkauft. "Wir sind mit dem Verlauf vollauf zufrieden", erklärte das Unternehmen.

Verbraucherschützer warnen vor Investitionen

Verbraucherschützer warnen jedoch vor blauäugigen Investitionen. "Prinzipiell raten wir Kleinanlegern von Investitionen in einzelne Unternehmensanleihen ab", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Nur wer über ein breit gestreutes Portfolio verfüge, solle überhaupt über den Kauf solcher Schuldverschreibungen nachdenken. Viele Firmenanleihen seien riskant und intransparent.

Die 1891 in Offenbach gegründete Bäckerei Heberer lässt ihre Anleihen nicht von Ratingagenturen bewerten. Auch an der Börse wird das Papier nicht gehandelt, somit kann auch kein Kursverlauf darüber Auskunft geben, wie andere Anleger das Risiko einschätzen. Für Nauhauser sind das zwei Gründe, die Finger von der Anleihe zu lassen.

Familienbetrieb in vierter Generation

Heberer widerspricht: Potenzielle Anleger fänden "umfassende Informationen", sagt Unternehmenssprecher Ralf Beke-Bramkamp. Zudem würden auch nicht alle Bürger den Urteilen von Ratingagenturen vertrauen. Wichtiger sei, dass der Familienbetrieb in vierter Generation bereits seit 120 Jahren bestehe. Eine Anleihe sei "für viele Verbraucher offenbar eine sicherere Anlage als andere Papiere".

Keine Macht an Aktionäre abgeben

Ein hoher Bekanntheitsgrad und viele Kundenkontakte - das habe Heberer dazu bewogen, Anleihen auszugeben. Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nennt weitere Gründe, weshalb Unternehmen auf diese Finanzierungsmethode setzen. "Die Banken sind restriktiver geworden durch die hohen Anforderungen bei der Kreditvergabe." Gleichzeitig wollten viele mittelständische Unternehmen nicht an die Börse. "Sie wollen keine Macht an Aktionäre abgeben." Kurz glaubt, dass in Zukunft noch mehr Mittelständler Anleihen verkaufen werden. "Das ist ein Markt, der sich noch entwickelt."

Hoher Zins bedeutet hohes Risiko

Potenziellen Investoren rät Kurz, sich mindestens die Unternehmenszahlen, die Geschichte und das Geschäftsmodell des Unternehmens anzusehen. "Auf Ratings alleine sollte man sich nicht verlassen". Insgesamt sei eine realistische Risikoeinschätzung jedoch "extrem schwer für Laien." Klar sei jedenfalls: "Der Zins ist ein Risikopreis." Viele Firmenanleihen mit hohem Zinssatz seien also vergleichsweise riskant.

Die Risiken müssen im Wertpapierprospekt zur Anleihe aufgeführt werden. Bei Heberer ist dieser 122 Seiten dick. Darin heißt es, dass die Unternehmensgruppe Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 26 Millionen Euro habe. Sollten diese nicht zurückgezahlt werden, könne dies für Heberer "unmittelbar bestandsgefährdend" sein. "In einem solchen Fall müssen die Anleger damit rechnen, dass sie mit ihren Ansprüchen aus der Inhaber-Schuldverschreibung ausfallen", heißt es in dem Prospekt.

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Anleger sollen besser informiert werden

"Wir halten den Fall für ausgeschlossen", sagt Unternehmenssprecher Beke-Bramkamp. So verwundert es nicht, dass in den Werbezetteln, die in den Bäckereien ausliegen, kein Wort über einen Ausfall zu lesen ist. "Neben den sieben Prozent Rendite, die auf den Werbezetteln angepriesen werden, müsste in dicken, schwarzen Buchstaben stehen: Achtung, Gefahr des Totalverlusts", fordert Nauhauser von der baden-württembergischen Verbraucherzentrale. In dem Wertpapierprospekt gingen die Risikohinweise in der Masse der Informationen unter.

Bei anderen Firmen sieht es offenbar genauso aus. Heberer-Sprecher Beke-Bramkamp sagt: "Die Anleihen werden mit Instrumenten beworben, die in der Branche üblich sind."

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