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Fünftes Jahr Bankenkrise lässt Geschäftsmodelle wackeln


Fünf Jahre Bankenkrise: Jetzt wackeln die Geschäftsmodelle

02.01.2012, 13:35 Uhr | dpa-AFX, dpa-AFX

Fünftes Jahr Bankenkrise lässt Geschäftsmodelle wackeln. Auch die deutschen Banken haben Kapitallücken in Milliardenhöhe zu füllen. (Quelle: dapd)

Auch die deutschen Banken haben Kapitallücken in Milliardenhöhe zu füllen. (Quelle: dapd)

Die Krise der Banken geht ins fünfte Jahr. Die Situation bleibt angespannt, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) zuletzt so viel Geld wie nie in die europäischen Geldhäuser gepumpt hat. Doch gleich im Januar wird es wieder ernst: Dann müssen die Sorgenkinder des jüngsten Stresstests erklären, wie sie ihre teils riesigen Kapitallücken schließen wollen. Und ist das geschafft, stellt sich die viel schwierigere Frage: Wie wollen Banken angesichts der strengeren Kapitalvorschriften künftig Geld verdienen? Das sind neue Geschäftsstrategien gefragt.

Banken sitzen auf Milliarden-Schuldenberg

Einen Brandherd hat die EZB zumindest vorerst gelöscht. Mit der unglaublichen Summe von fast einer halben Billion Euro, die sie den Geschäftsbanken unter den Weihnachtsbaum legte, dürften deren Refinanzierungssorgen erst mal vom Tisch sein. Insgesamt müssen die europäischen Institute nach Expertenschätzungen im kommenden Jahr rund 725 Milliarden Euro Schulden zurückzahlen. Angesichts des großen Misstrauens der Banken untereinander wäre dies ohne die EZB schwierig.

Mit der frischen Liquidität ist aber das nächste Problem der Geldhäuser nicht gelöst. Ihre Kapitalstruktur hat sich dadurch nämlich überhaupt nicht verändert. Um auf die von der europäischen Bankaufsicht EBA geforderte harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen, brauchen Europas Banken rund 115 Milliarden Euro - allein sechs deutschen Großbanken fehlen insgesamt 13,1 Milliarden Euro.

Commerzbank will keine Staatshilfe

Notfalls muss der Steuerzahler einspringen. Die Bundesregierung hat den Bankenrettungsfonds Soffin bereits wieder reaktiviert. Als Kandidat gilt vor allem die Commerzbank, die sich ohnehin noch zu gut einem Viertel in Staatsbesitz befindet. Das Geldhaus muss eine Lücke von 5,3 Milliarden Euro füllen. Neuerliche Staatshilfe will Konzernchef Martin Blessing aber unbedingt vermeiden. Er hat sein persönliches Schicksal bei der Bank damit verknüpft, dass er den Kapitalbedarf aus eigener Kraft stemmt.

Unter Europas Großbanken hat bisher nur die italienische Unicredit eine Kapitalerhöhung angekündigt, um ihr Eigenkapital zu stärken. Sie soll Anfang des Jahres 7,5 Milliarden Euro einbringen. Dieser Schritt wird mit Spannung erwartet. Scheitert das Vorhaben, könnte das der gesamten Branche einen Schlag versetzen.

Extrem hohe Gebühren für Kapital von Investmentbanken

Die Kapitalerhöhung der Unicredit wird zeigen, ob sich Banken - zumal aus den Krisenstaaten der Eurozone - derzeit am Markt Geld beschaffen können. Um den Erfolg zu erzwingen, hat sich die Unicredit für die Kapitalerhöhung die Unterstützung von fast allen großen Investmentbanken der Welt geholt und bezahlt dafür dem Vernehmen nach extrem hohe Gebühren.

Allein durch die Nichtverlängerung von Krediten dürften es viele Banken nach Expertenansicht nicht wie gefordert bis Ende Juni 2012 schaffen, ihre Bilanzen im erforderlichen Maße zu verkleinern. Und so wird erwartet, dass etliche Institute große Kreditpakete auf den Markt werfen könnten. Die Folge: Die Preise würden fallen und Banken müssten neuerliche Verluste hinnehmen.

Versicherungen und Hedgefonds profitieren

Nutznießer könnten neben Versicherungen vor allem Hedgefonds sein. Damit würden viele Kredite in ein kaum reguliertes Schattenreich abwandern. Dadurch hätte die Allgemeinheit nichts gewonnen, die Banken aber hätten viel verloren, warnen Bankvertreter. Inzwischen wird auch darüber gesprochen, den Banken etwas Zeitdruck bei der Stärkung ihrer Bilanz zu nehmen.

Die Dauerkrise geht bei vielen Häusern längst ans Eingemachte. Vor allem das schwankungsanfälligen Investmentbanking - jahrelang Garant von Mega-Gewinnen - wird vielerorts zusammengestrichen, zehntausende von Bonuszahlungen verwöhnte Mitarbeiter müssen gehen.

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Zeit der einfachen Gewinne ist vorbei

Der scheidende Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann prophezeit der Branche ein "unruhiges Jahrzehnt". Wer immer noch glaube, die Branche könne zu ihrem Geschäftsgebaren von vor der Finanzkrise zurückkehren, "sollte sich schleunigst eines Besseren besinnen".

Die Zeiten einfacher Gewinne sind seiner Ansicht nach vorbei. Das zwingt die Institute zu einer Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle. Vor allem die lange vernachlässigten Privatkunden gelten dabei als begehrte Klientel. Das wäre dann keine schlechte Folge der Dauerkrise.

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