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Porsche-VW-Fusion wird zur Hängepartie


Automobilindustrie  

Porsche-VW-Fusion wird zur Hängepartie

06.01.2012, 13:46 Uhr | dpa-AFX, dpa-AFX

Porsche-VW-Fusion wird zur Hängepartie . Die Fusion von Porsche und VW gerät ins Stocken (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Die Fusion von Porsche und VW gerät ins Stocken (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Es dürfte eine der längsten und heftigsten Übernahmeschlachten in Deutschland gewesen sein. Und obwohl der Autokrimi um Volkswagen und Porsche eigentlich seit Mitte 2009 entschieden ist, ist er immer noch nicht zu Ende. Juristische Altlasten vereiteln die Pläne von Volkswagen zur Eingliederung der Sportwagen-Schmiede in den VW-Konzern. Dabei war nach dem langen und schmutzigen Machtkampf alles bis ins kleinste Detail festgelegt worden. Doch milliardenschwere Investorenklagen machen die ursprünglichen Pläne zunichte. Am Wochenende wurde eine neue Klage bekannt.

Neue Klage gegen Porsche

Mehrere Investmentfonds wollen Schadensersatzansprüche in Höhe von knapp zwei Milliarden Euro erstreiten. Ein Sprecher des Stuttgarter Landgericht bestätigte am Montag den Eingang einer Klage gegen Porsche. Die Kläger werfen dem Sportwagenbauer vor, er habe Investoren 2008 bei seinem später gescheiterten Übernahmeversuch von Volkswagen hinters Licht geführt und damit Transparenz-Vorschriften im Aktienrecht verletzt. Die Porsche SE habe ihre Strategie zunächst verheimlicht und damit Kurs-Turbulenzen an den Börsen verursacht. Mehrere andere Investorenklagen haben ähnliche Vorwürfe zum Inhalt.

VW war zeitweise teuerstes Unternehmen der Welt

Im Zuge des dramatischen Übernahmekampfes war VW nach einem rasanten Auf und Ab seines Aktienkurses im Herbst 2008 kurzzeitig zum wertvollsten Unternehmen der Welt geworden. Porsche hatte sich mit schwer durchschaubaren Börsengeschäften den Zugriff auf gut 74 Prozent der VW-Stammaktien gesichert und damit einen Höhenflug der Papiere ausgelöst - am 28. Oktober erreichte der Kurs den Höchststand von 1005 Euro. Ausgelöst wurde die Kursexplosion durch misslungene Spekulationen auf sinkende Aktienkurse, sogenannte Leerverkäufe. Investoren erlitten zum Teil massive Verluste.

Porsche war bereits damals Vorwürfen der Manipulation entgegen getreten und hatte die Verantwortung für die Marktverwerfungen zurückgewiesen. Ebenso hält der Autobauer auch die Investorenklagen für unbegründet. Aber abgesehen davon, ob die Klagen angenommen werden und selbst wenn sie am Ende verworfen werden sollten - für Volkswagen ist das Risiko kaum kalkulierbar. Die juristischen Auseinandersetzungen mit immer neuen Klagen könnten sich jahrelang hinziehen. Und damit wird die Eingliederung von Porsche zunehmend zur Hängepartie. Porsche-Aktien haben sich am Montag nur unterdurchschnittlich entwickelt.

Milliarden-Forderungen gegen Porsche

In den USA und Deutschland liegen im Zusammenhang mit der Übernahme mehrere Klagen vor. Das Landgericht Braunschweig beschäftigt sich mit einem Verfahren, bei dem es um Forderungen auf knapp 1,1 Milliarden Euro Schadenersatz geht. Vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht wird seit kurzem eine Klage von Aktionären verhandelt, die der Meinung sind, dass die Hauptversammlung den Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2008/2009 zu Unrecht entlastet hat. Und die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ehemalige Porsche-Manager, wie Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking.

Klagen aus den USA

Wiedeking war vom Hof gejagt worden, nachdem VW das Ruder in Stuttgart-Zuffenhausen übernommen hatte. Porsche hatte sich mit der VW-Übernahme verhoben und 11,4 Milliarden Euro Schulden angehäuft. Aber mit seinen Finanztransaktionen, die den Deal finanzieren sollten, hinterlässt Wiedeking noch immer seine Spuren. Das reicht bis in die USA. Kläger dort sind verschiedene Fondsgesellschaften. Auf bundesstaatlicher Ebene wird darum gerungen, ob die US-Gerichte überhaupt zuständig sind. Dabei hat Porsche in erster Instanz gewonnen, die Gegenseite Berufung eingelegt. Außerdem gibt es ein Verfahren in New York, wo es auch um Zuständigkeitsfragen geht. Dort gibt es noch keine Entscheidungen.

Verschmelzung erstmal geplatzt

Die für 2011 geplante Verschmelzung von VW und Porsche ist derweil geplatzt und mit ihr die mühsam ausformulierte "Grundlagenvereinbarung". Stattdessen kam "Plan B" ins Spiel: Danach könnte VW von 2013 an das reine Autogeschäft der Porsche AG kaufen - ohne beide Konzerne ganz zu verschmelzen. 49,9 Prozent hält VW bereits daran. Aber auch diese Variante dauert: Der Kauf ist erst ab Mitte 2014 steuerfrei.

In der Praxis aber arbeiten beide schon eng zusammen. Führende Köpfe wurden ausgetauscht und an der Spitze der Stuttgarter Sportwagenschmiede haben schon längst die VW-Granden das letzte Wort. "Gehen Sie davon aus: Es wird gut werden", sagte kürzlich auch VW-Chef Martin Winterkorn. Aber wann - das sagte er nicht.

Analysten sind uneins

Michael Punzet, Analyst bei der DZ Bank, sieht seine skeptische Einstellung zu der Porsche Holding wegen der erneuten Klagen klar bestätigt. Bis weitere Einzelheiten bekannt würden dazu, ob die Klagen im Zusammenhang mit den bereits bekannten stehen oder nicht, sehe er aber keinen Anlass, seine Schätzungen zu verändern. Er rechne weiter nicht mit einer Fusion bei Porsche und entsprechend bleibe sein fairer Wert für die Aktien deutlich unter deren aktuellen Stand. Punzet bewertet Porsche Holding auf "Sell" mit dem Fairen Wert 29 Euro.

Analyst Daniel Schwarz von der Commerzbank bleibt indes auf "Buy" mit dem Ziel 60 Euro. Aus seiner Sicht bietet das Papier auf dem aktuellen Niveau ein sehr gutes Chance-Risiko-Verhältnis. Anleger würden damit für die rechtlichen Risiken kompensiert. Zwar seien die zusätzlichen Klagen negativ, sie kämen aber nicht sehr überraschend.

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