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ThyssenKrupp weiter in den roten Zahlen


Probleme beim Stahl  

ThyssenKrupp weiter in den roten Zahlen

14.02.2012, 13:07 Uhr | dpa-AFX, dpa-AFX

ThyssenKrupp weiter in den roten Zahlen. ThyssenKrupp hat Probleme mit der Stahlsparte (Quelle: dpa)

ThyssenKrupp hat Probleme mit der Stahlsparte (Quelle: dpa)

ThyssenKrupp kommt nicht aus den roten Zahlen heraus: Das Unternehmen blieb im von Oktober bis Dezember laufenden ersten Quartal seines neuen Geschäftsjahres in der Verlustzone. Vor allem die stark von den Konjunkturschwankungen abhängige Stahl- und Edelstahlsparte belastete. Neben erneut hohen Verlusten in den neuen Werken in Brasilien und den USA gab es nun auch im lange boomenden europäischen Stahlgeschäft einen herben Einbruch. Eine Prognose für das Gesamtjahr traute sich der Vorstand weiter nicht zu. Die Aktie rutschte ans DAX-Ende.

ThyssenKrupp schwächer als erwartet

Im ersten Quartal schrieb ThyssenKrupp einen Nettoverlust von 480 Millionen Euro und verfehlte damit die Erwartungen von Analysten. Ein Jahr zuvor hatte ThyssenKrupp zwischen Oktober und Dezember noch 101 Millionen Euro verdient. Als Stütze zum schwankungsanfälligen Stahl erwies sich der Technologiesektor mit dem Großanlagenbau, der Aufzugsparte und dem Autozuliefergeschäft. Im Geschäftsjahr 2010/11 war ThyssenKrupp wegen milliardenschwerer Abschreibungen auf seine amerikanische Stahlsparte und das Edelstahlgeschäft tief in die roten Zahlen gestürzt und hatte einen Nettoverlust von fast 1,8 Milliarden Euro verbucht.

Nun nahm der Konzern erneut eine Wertberichtigung von 265 Millionen Euro auf die vor dem Verkauf an den finnischen Konkurrenten Outokumpu stehende Edelstahltochter Inoxum vor. Ende Januar hatten sich beide Seiten auf das Geschäft geeinigt. Der ausgehandelte Gesamtpreis beläuft sich auf rund 2,7 Milliarden Euro. Der Verkauf muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden und soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Bereinigt um den Nettoverlust von 308 Millionen Euro bei Inxoum liegt der Quartalsverlust des Konzerns bei 172 Millionen Euro.

Dauer-Umbau bei ThyssenKrupp

Durch den inzwischen perfekten Verkauf der zivilen Teile der Hamburger Werft Blohm+Voss an den britischen Finanzinvestor Star Capital musste die DAX-Gesellschaft eine weitere Sonderbelastung von 155 Millionen Euro im ersten Quartal verbuchen, weil der erzielte Verkaufspreis unter dem Buchwert lag.

ThyssenKrupp steckt mitten in einem tiefgreifenden Umbau. Vorstandschef Heinrich Hiesinger hatte im vergangenen Mai Geschäfte mit einem Umsatz von rund zehn Milliarden Euro auf die Verkaufsliste gesetzt. Für rund 80 Prozent davon gibt es inzwischen eine Lösung. Dickster Brocken war die seit Jahren mit Verlusten kämpfende Edelstahlsparte.

Mit dem Umbau will sich Hiesinger Luft für den Ausbau der Technologiesparte schaffen. Dafür fehlte ihm angesichts der durch den Bau der Werke in Amerika entstandenen Schuldenlast bislang das Geld. Im abgelaufenen Quartal stieg die Schuldenlast im Vergleich zum Vorquartal wieder um 2,3 Milliarden Euro auf 5,9 Milliarden an, was der Konzern mit den weiteren Hochlaufphasen der Werke in Amerika und dem für das Quartal typischen Anstieg der Vorräte erklärte.

Weiter keine konkrete Prognose

Einen konkreten Ausblick auf das Gesamtjahr blieb der Vorstand erneut schuldig. Die "weiterhin unsichere gesamtwirtschaftliche Situation" gebe eine verlässliche Prognose derzeit nicht her, erklärte Vorstandschef Hiesinger. Das Ergebnis des ersten Quartals sei aber nicht auf das Gesamtjahr hochzurechnen. Zwischen Oktober und Dezember habe der Konzern immer mit saisonalen Belastungen zu tun, zudem sollen die Verluste in den neuen Stahlwerken von Quartal zu Quartal sinken.

Ende 2011 schwächelte auch das europäische Stahlgeschäft. Der operative Gewinn - darunter versteht der Konzern das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern - brach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 60 Prozent auf 102 Millionen Euro ein. Viele Stahlhändler und -verarbeiter hielten sich angesichts der ungelösten Euro-Schuldenkrise und der unsicheren Wirtschaftsaussichten mit Bestellungen zurück. Das drückte auf die Preise. Als Reaktion stellte ThyssenKrupp einen Hochofen in Duisburg vorübergehend ab. Die amerikanische Stahlsparte schrieb einen operativen Verlust von 288 Millionen Euro.

Inzwischen gebe es wieder "ermutigende Signale": So hätten Anfang 2012 Bestellungen und Preise auf den Spotmärkten wieder angezogen. Allerdings sei noch unklar, wie nachhaltig diese Entwicklung ist. Den Preisverfall des vergangenen Quartals wird ThyssenKrupp aber noch länger spüren, denn bei langfristigen Lieferverträgen musste der Konzern Abschläge in Kauf nehmen, die das Ergebnis in diesem Jahr belasten. Im Technologiesektor rechnet der Konzern im zweiten Halbjahr mit besseren Ergebnissen als in der ersten Hälfte.

Enttäuschung an der Börse

Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank rechnete angesichts des "tendenziell negativen Quartalsberichtes" bereits mit den nun zu sehenden Gewinnmitnahmen. Das bereinigte operative Ergebnis liege deutlich unter den Markterwartungen und habe auch seine Schätzungen leicht verfehlt, so der Experte. Folglich sieht er klare Abwärtsrisiken für den Marktkonsens. Seine eigenen Prognosen stellte er unter Beobachtung.

Analyst Ingo Martin Schachel von der Commerzbank sieht den bereinigten Bericht dagegen "im Rahmen der Erwartungen". Der ausgewiesene operative Gewinn habe zwar die Markterwartungen verfehlt, hier sei aber der Verkauf von Blohm+Voss mit seinen negativen Auswirkungen nicht berücksichtigt worden. Schachel votiert mit "Buy" und dem Ziel 30 Euro.

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