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Gewerkschaft im Kampfmodus: Die kleine, aber mächtige GdF


Gewerkschaft im Kampfmodus: Die kleine, aber mächtige GdF

27.02.2012, 12:53 Uhr | dpa, dapd, t-online.de - Niklas Ewert, dapd, dpa, t-online.de

Gewerkschaft im Kampfmodus: Die kleine, aber mächtige GdF. Streik in Frankfurt: Die GdF geht auf's Ganze (Quelle: Montage t-online.de mit Material von dapd)

Streik in Frankfurt: Die GdF geht auf's Ganze (Quelle: Montage t-online.de mit Material von dapd)

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) sorgt am Frankfurter Flughafen für Furore. Sie zeigt, wie relativ wenige Mitarbeiter in Schlüsselpositionen mit guter Organisation ihre Macht zeigen können. Doch was macht die GdF so stark? Wie kann sie für die Vorfeldmitarbeiter Gehaltsforderungen stellen, die bei den großen Gewerkschaften wie Ver.di wahrscheinlich nie formuliert würden? Wir klären die wichtigsten Fakten.

Im Streit mit der Fraport AG am Frankfurter Flughafen will die GdF auf's Ganze gehen: Nachdem der Schlichterspruch von Ole von Beust zuvor vom Unternehmen abgelehnt wurde, geht die Gruppe auf Konfrontationskurs. Sie will im Alleingang ihre Forderungen durchziehen.

Zeichen stehen auf Krieg

Im Gespräch mit t-online.de zeigte sich Pressesprecher Matthias Maas erstaunt, dass die Fraport den Spruch des von ihr bestellten Schlichters nichts akzeptiert habe - dies sei wohl "einzigartig in der Tarifgeschichte". Auch an die Gewerkschaft Ver.di richtete er deutliche Worte: Ihm sei kein Fall bekannt, an dem sich eine Gewerkschaft unsolidarisch gegenüber der Forderung einer anderen gezeigt habe. Dies sei offensichtlich ein "Versuch, die Belegschaft zu splitten". Die Zeichen stehen also auf Krieg.

Schlichtungsverfahren sorgte für Empörung

Der ursprüngliche Vorschlag des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust sah eine kräftige Lohnsteigerung, die Auslagerung der Mitarbeiter in eine eigene Gesellschaft und eine Laufzeit von vier Jahren vor. Nachdem die Fraport den Vorschlag abgelehnt hatte, ging die GdF wieder zu Maximalforderungen über. Sie sieht die Fraport am Zug, schließlich habe die Gewerkschaft den Schlichterspruch akzeptiert.

Vorfelddienste sind bestens organisiert

Auf Anfrage sagte Pressesprecher Matthias Maas, dass von den 200 streikenden Mitarbeitern der Vorfelddienste ca. 190 in der GdF organisiert seien. Diese Mitgliederquote von 95% verhelfe der Gewerkschaft zu einem starken Rückgrad.

Wie kann Fraport den Betrieb gewährleisten?

Bislang gelingt es der Fraport recht gut, die Lücken zu schließen. Mitarbeiter aus anderen Bereichen des Konzerns wurden in Schnellkursen ausgebildet, um den Betrieb am Laufen zu halten. Maas fand deutliche Worte: Es sei „jenseits der Legalität“, dass die Mitarbeiter nach Schnellkursen von zwei Tagen auf dem Vorfeld arbeiteten. „Ich kann niemandem empfehlen, ab Frankfurt zu fliegen“, so der Sprecher weiter. Fraport-Sprecher Mike Peter Schweitzer wies die Anschuldigungen zurück. "Die Sicherheit ist hier jederzeit gewährleistet", sagte er. Teilweise sind allerdings auch Mitarbeiter beschäftigt, die schon einmal auf dem Vorfeld gearbeitet haben.

Im Unternehmen brodelt es

Bei den anderen Angestellten der Fraport stießen die Forderungen Informationen zufolge auf Ablehnung. Der Alleingang der 200 GdF-Mitarbeiter gegenüber den mehr als 6000 anderen Kollegen der Bodenverkehrsdienste stifte sozialen Unfrieden und spalte die Belegschaft, hieß es. Anscheinend wollten sich die Streikenden auch deshalb nicht der Kritik ihrer Kollegen aussetzen. „Das behagliche Umfeld einer Kneipe im nahe gelegenen Kelsterbach ist offensichtlich angenehmer als der Gegenwind am Flughafen“, kommentierte ein Mitarbeiter den Umstand, dass „bisher noch keine Streikposten am Flughafen gesehen wurden“.

So ist das Vorfeld aufgeteilt

Eine kleine Gruppe von Mitarbeitern behindert mit ihrem Streik den Flugverkehr am Drehkreuz Frankfurt. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) spricht von etwa 200 Beschäftigten, die in der Vorfeldkontrolle, der Vorfeldaufsicht und der Verkehrsplanung der Fraport angestellt sind. Sie sind auf dem genau abgegrenzten Vorfeld für den Flugzeugverkehr am Boden zuständig.

Vorfeldkontrolleure

Die rund 90 Vorfeldkontrolleure oder auch Vorfeldlotsen sitzen mit im Tower und übernehmen die Flieger von den Lotsen der Flugsicherung, sobald die gelandeten Jets den Bereich der Lande- und Startbahnen verlassen haben. Sie behalten die Kontrolle, solange die Flieger am Boden sind und geben sie erst wieder an die Fluglotsen ab, wenn sie in den Bereich der Startbahn rollen. Die Kontrolleure sind keine vollausgebildeten Fluglotsen, haben aber eine interne, rund 15 Monate lange Spezialausbildung durchlaufen und in der Folge auch eine sicherheitsrelevante Lizenz. Sie führen die Piloten zu den Vorfeld- oder Gate-Positionen.

Vorfeldaufsicht

Die Beschäftigten der Vorfeldaufsicht sitzen beispielsweise in den "Follow-Me-Wagen", die die Jets durch das Flughafengewirr leiten. Sie steuern auch die "Pushbacks" der Jets, also das Zurückschieben von den Terminalpositionen durch riesige Schlepper.

Verkehrszentrale

Die Verkehrszentrale plant die Vorfeldpositionen und Halteplätze an den Passagier-Gates. Die Mitarbeiter sind außerdem dafür verantwortlich, diese Vorgänge in die Informationssysteme des Flughafens einzuspeisen.

Aufgaben sind unterschiedlich verteilt

Eigene Vorfeldkontrollen gibt es an den Flughäfen in Dresden, Hamburg, München, Frankfurt und künftig auch in Berlin. An den übrigen Flughäfen wird die Aufgabe von den Lotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS) miterledigt. In München wurde ein Tarifvertrag nur für die Gruppe der Vorfeldkontrolleure abgeschlossen.

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