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Praktiker: Mega-Verlust im Jahr 2011


Praktiker: Mega-Verlust und dazu Ungemach von Gläubigern

28.03.2012, 12:56 Uhr | dpa-AFX , dpa , t-online.de

Praktiker: Mega-Verlust im Jahr 2011. Rabattaktionen machten Praktiker das Leben schwer (Quelle: dapd)

Rabattaktionen machten Praktiker das Leben schwer (Quelle: dapd)

Die angeschlagene Baumarktkette Praktiker ist 2011 wegen des schwachen Geschäfts, hausgemachter Probleme und der Sanierungsbemühungen noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Im vergangenen Jahr sei ein Verlust von 554,7 Millionen Euro angefallen, teilte das im SDAX notierte Unternehmen mit. Die Praktiker-Aktie stürzte in Reaktion auf die katastrophalen Zahlen dramatisch ab und notierte deutlich unter zwei Euro. Dazu trug auch eine neue Hiobsbotschaft bei: Die erhoffte Senkung der Verzinsung einer Anleihe kam nicht zustande.

Der seit inzwischen drei Jahren in den roten Zahlen steckende Baumarktkonzern braucht dringend Geld für seine Sanierung. Laut Vorstandschef Thomas Fox sind es rund 300 Millionen Euro. Dafür wird mit Banken, Kreditversicherern und Vermietern verhandelt. Praktiker wollte zudem die Anleihegläubiger ins Boot holen. Diese sollten einer Senkung der Verzinsung für eine 250 Millionen Euro schwere Anleihe von 5,875 Prozent auf ein Prozent zustimmen. Die virtuelle Abstimmung dazu lief vom 22. bis zum 25. März. Die notwendige Beteiligung von mindestens der Hälfte des Anleihekapitals kam aber nicht zu Stande.

Zukunft ist noch völlig ungewiss

Wie es jetzt weitergeht, ist unklar. Einem Unternehmenssprecher zufolge wird sich zunächst der Vorstand mit dem Thema befassen. Üblich sei eine Wiederholung der Abstimmung, diesmal aber mit Präsenzpflicht. Dann müssten nur mindestens 25 Prozent der Gläubiger zustimmen. Der Ausgang eines solchen Votums ist aber ungewiss - und damit die Zukunft der kriselnden Baumarktkette.

Praktiker mit Verlustserie

Das ist das dritte Verlustjahr in Folge - allerdings waren die Fehlbeträge 2009 und 2010 deutlich niedriger. Zu dem immensen Minus, das sich auf mehr als ein Sechstel des Umsatzes beläuft, führten vor allem Abschreibungen auf Vermögens- und Firmenwerte sowie die Kosten für den Konzernumbau. Der Umsatz fiel 2011 früheren Angaben zufolge um knapp acht Prozent auf 3,2 Milliarden Euro.

Wert muss gesenkt werden

Wegen der rückläufigen Einnahmen muss Praktiker den Wert des Anlagevermögens senken. Außerdem mussten Wertberichtigungen auf Geschäfts- und Firmenwerte vorgenommen und Rückstellungen für belastende Verträge gebildet werden. Zudem ist das Vorratsvermögen nicht mehr so wie wert wie zuletzt bilanziert. Zusammen mit den Kosten für das Sanierungsprogramm beliefen sich diese Effekte auf 473 Millionen Euro.

Praktiker-Aktie schmiert ab

Die Börse reagierte geschockt. Zum Handelsauftakt verlor die Aktie rund 13 Prozent. "Die Praktiker-Aktie würde ich weiterhin nicht einmal mit der Kneifzange anfassen", sagte ein Händler. "Die Zahlen und Aussagen von Praktiker sind eindeutig negativ", kommentierte ein zweiter Händler und verwies darauf, dass vor allem der Strategiewechsel zu extrem hohen Sonderbelastungen geführt habe.

Kann die Baumarktkette nicht mehr vorfinanzieren?

Praktiker betonte, dass der Großteil der Belastungen nicht zahlungswirksam ist. Ende 2011 habe das Unternehmen noch über Zahlungsmittel in Höhe von 148 Millionen Euro verfügt - das waren allerdings 34 Millionen Euro weniger als Ende September 2011. Die Höhe der Zahlungsmittel ist für Praktiker sehr wichtig, da es im Januar Berichte gegeben hatte, dass der Hornbach- und Obi-Konkurrent sein Frühjahrsgeschäft nicht vorfinanzieren könne.

Zerschlagung von Praktiker als Option

Das Unternehmen ringt derzeit mit Anleihegläubigern und Großaktionären um Finanzierungsfragen. Die Investmentgesellschaft Maseltov betonte als Großaktionär, dass sie an die Zukunft des Unternehmens glaube. Die Österreicher sprechen sich unter anderem für eine Zerschlagung von Praktiker aus. So soll das Osteuropa-Geschäft verkauft werden. Dies könnte 50 bis 70 Millionen Euro bringen. Weitere 120 Millionen Euro sollen laut Maseltov über eine Wandelanleihe aufgetrieben werden. "Eine Kapitalerhöhung über die Börse macht zum jetzigen Kurs wenig Sinn." Genau damit rechnen aber einige Analysten. Wegen des hohen Verlusts im vergangenen Jahr sank das Eigenkapital auf knapp 279 Millionen Euro - Ende 2010 waren das noch rund 840 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote sank auf 18,4 (Ende 2010: 41,4) Prozent.

Schwierigkeiten durch ständige Rabattaktionen

Praktiker war durch ständige Rabattaktionen in Schwierigkeiten geraten. Vorstandschef Thomas Fox will nun unrentable Märkte schließen und Stellen streichen. In Deutschland stehen 30 der 236 Märkte auf dem Prüfstand. Zudem sollen hierzulande 1400 der 11.000 Stellen gestrichen werden. Der Firmensitz des Unternehmens wird derzeit vom Saarland nach Hamburg verlegt.

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