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Q-Cells: Solarkonzern geht in die Insolvenz


Solar  

Q-Cells stellt Insolvenzantrag

03.04.2012, 18:10 Uhr | AFP, dpa-AFX, dapd

Q-Cells: Solarkonzern geht in die Insolvenz. Q-Cells ist endgültig pleite (Quelle: dpa)

Q-Cells stellt Insolvenzantrag (Quelle: dpa)

Die einst boomende Solarbranche in Deutschland wird von einer weiteren Unternehmenspleite erschüttert: Der Solaranlagenbauer Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt hat am Dienstag beim Amtsgericht in Dessau-Roßlau die Insolvenz beantragt. Das teilte eine Sprecherin des Gerichts mit. "Die Unterlagen wurden eingereicht", sagte sie. Nähere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Q-Cells hatte den Gang zum Insolvenzrichter am Vortag angekündigt. Das Unternehmen ist hochverschuldet und beschäftigt noch rund 2200 Menschen in Deutschland und Malaysia. Von der Firma selbst war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen. Die Q-Cells-Aktie legte trotzdem moderat zu.

Q-Cells taumelt seit langem

Q-Cells ist seit langem schwer angeschlagen und stand seit Monaten kurz vor der Pleite. Im vergangenen Jahr hatte die Firma einen Verlust von rund 846 Millionen Euro angehäuft. Der Umsatz lag 2011 bei rund einer Milliarde Euro.

Der Konzern hatte vergangenen Freitag erklärt, das ursprüngliche Sanierungskonzept sei gescheitert, weil Minderheits-Gläubiger mit Klagen gegen das Konzept vor Gericht voraussichtlich Recht bekommen würden. Die Q-Cells-Aktie gewann nach ihrem Absturz vom Vortag am Dienstag wieder etwas an Wert. Am Nachmittag lag sie mit acht Prozent im Plus bei 13,6 Cent. Die Aktien von Q-Cells waren am Vortag um mehr als 40 Prozent auf nur noch 0,126 Euro abgestürzt.

Vierte Pleite im Solarmarkt

Nach Solarhybrid, Solar Millennium und Solon ist dies die vierte größere Pleite in der deutschen Solarbranche. Die Unternehmen leiden unter Förderkürzungen und einem starken Preisverfall. Die Billigkonkurrenz aus China hat die deutschen Hersteller massiv unter Druck gesetzt.

Unklar ist, welche Auswirkungen die Insolvenz auf die Zukunft der Arbeitsplätze bei dem Hersteller haben wird, der in Bitterfeld-Wolfen (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) ansässig ist. In der Region sorgte die Nachricht von der Insolvenz für große Betroffenheit, obwohl diese angekündigt worden war und das Unternehmen schon länger Probleme hatte. 2011 war es in tiefrote Zahlen gerutscht. Um das börsennotierte Unternehmen haben sich auf der grünen Wiese in "Solar Valley" mehrere Firmen angesiedelt.

Debatte um Hilfe für das Unternehmen

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) äußerte sich im Ländermagazin des Mitteldeutschen Rundfunks "MDR um zwölf" vorsichtig optimistisch. "Bisher haben wir aus jeder großen Insolvenz eine Fortsetzungslösung entwickelt", sagte er. Wie diese genau aussehen könnte, ließ der Regierungschef offen. Gleichzeitig betonte Haseloff, dass das Land keinesfalls die aktuelle Schuldensumme des Unternehmens aus dem Landeshaushalt bezahlen würde.

Der Landesvorsitzende der CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung in Sachsen-Anhalt (MIT), Klaus-Dieter Weber, warnte hingegen vor weiteren staatlichen Finanzhilfen und Zusagen. Q-Cells sei nicht wegen einer zu geringen Förderung in die Pleite gerutscht. Angesichts üppiger Subventionen über das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) habe die Vorstandsetage schlichtweg vergessen, dass es Markt und Wettbewerb gibt, sagte Weber.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt, Ulrich Thomas, sehe in der Insolvenz sogar eine Chance für "eine überfällige Restrukturierung und Neuausrichtung des Unternehmens". Hilfen dürften nur im Rahmen arbeitsmarktpolitischer Instrumente erfolgen.

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Grüne und Linke kritisieren Bundesregierung

Die politische Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, bezeichnete die Insolvenz als bitter. Sie könne "sich zu einer Tragödie für die Beschäftigten und die ganze Region ausweiten." Auch wenn hausgemachte Probleme nicht zu leugnen seien, an dieser Pleite trage die Bundesregierung eine Teilschuld. Mit ihrer Solarkürzung und "ihrer Kahlschlag-Politik" hat die Regierung das Geschäfts- und Investitionsklima in der gesamten Solarbranche verschlechtert.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Jan Korte aus Bitterfeld-Wolfen warf der Bundesregierung vor, die Energiewende, die Ergebnisse enormer Forschungsinvestitionen und Tausende guter Arbeitsplätze zu zerstören. "Statt auf die Krise einer Hochtechnologiebranche unterstützend zu reagieren, opfert sie die Zukunft der Solarindustrie und die der Beschäftigten dem Markt", sagte er.

Nun wankt auch Phoenix Solar

Auch das Photovoltaik-Unternehmen Phoenix Solar kämpft angesichts der geplanten Kürzung der Solarförderung um seine Finanzierung. Für einen Kredit eines Bankenkonsortiums im Volumen von ursprünglich 150 Millionen Euro musste ein Stillhalteabkommen verlängert werden, wie das Unternehmen aus Sulzemoos bei München mitteilte.

Als Folge brachen Phoenix-Aktien am Dienstag zeitweilig um mehr als 30 Prozent ein in einem insgesamt kaum veränderten Aktienmarkt.

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