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Metalldiebe stören die Totenruhe


Auf der Jagd nach Rohstoffen: Metalldiebe stören die Totenruhe

24.04.2012, 09:57 Uhr | dpa

Metalldiebe stören die Totenruhe . Metalldiebe kennen bei der Suche nach Rohstoffen keine Grenzen (Quelle: dpa)

Metalldiebe kennen bei der Suche nach Rohstoffen keine Grenzen (Quelle: dpa)

Die Suche nach Rohstoffen macht noch nicht einmal Halt vor den Toten: Immer häufiger geraten Friedhöfe ins Visier von Metalldieben. Respekt und Totenruhe weichen der Habgier - aber es wird ihnen auch nicht schwer gemacht. Grabschalen und -leuchten sind für Langfinger eine leichte Beute. Doch auch vor metallverzierten Rednerpulten und Statuen machen sie keinen Halt. Fahnder vermuten dahinter organisierte Banden.

"Die haben nicht mal Ehrfurcht vor den Toten"

Stiefmütterchen und Schlüsselblumen schleppt Renate Baader langsam zum Grab ihres Mannes. Dieser hat 1984 seine letzte Ruhestätte auf dem Heidelberger Bergfriedhof gefunden. "Ich besuche ihn alle vier Wochen", sagt die 72-Jährige. Das Grab soll gut aussehen. Doch Baader ist entsetzt und wütend. Denn auf dem großen Friedhof mit vielen denkmalgeschützten Gräbern haben Unbekannte Blumenschalen aus Bronze, Grabketten und weitere Gegenstände aus Metall gestohlen.

"Die haben nicht mal Ehrfurcht vor den Toten. Bisher gab es hier nur Probleme mit Wildschweinen, Radfahrern und Joggern", sagt die Rentnerin. Ab und zu wurden ihr in der Vergangenheit schon mal frische Blumen vom Grab gestohlen. Dagegen blieben die bis zu zwei Meter großen Bronze-Plastiken von Künstlern oder Metallengel auf dem auch von Kunstinteressierten besuchten Friedhof lange Zeit von Raubzügen verschont. Das ist jetzt aber vorbei.

Sogar Wasserhähne geklaut

Die Polizei meldete jüngst den Diebstahl einer 1,50 Meter großen Bronzeskulptur im Wert von rund 10.000 Euro auf dem Bergfriedhof. Das Kunstwerk sei fachmännisch abgeschweißt worden. In Neulußheim (Rhein-Neckar-Kreis) brachen Unbekannte sogar in die Friedhofshalle ein und montierten zwölf bronzene Türgriffe ab, die ein Künstler individuell angefertigt hatte. Aus der Halle nahmen sie das metallverzierte Rednerpult mit, rissen zwei fast zwei Meter hohe, im Boden verankerte Kerzenständer heraus. Selbst vor Wasserhähnen aus Messing im Keller machten die Diebe nicht Halt. Schaden: 20.000 Euro.

Fälle nehmen stetig zu

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg registriert in letzter Zeit einen deutlichen Anstieg von Metalldiebstählen auf Friedhöfen im Südwesten. "Alleine im Jahr 2011 gab es 67 angezeigte Fälle mit einem Gesamtschaden von 79.000 Euro", sagt LKA-Sprecher Ulrich Heffner. Zum Vergleich: 2007 verzeichnete die Polizeistatistik nur zehn Fälle mit einem Schaden von 2000 Euro. Danach stiegen die Fälle kontinuierlich an. "Die Metalldiebstähle lohnten sich wegen der hohen Rohstoffpreise schon immer", sagt Heffner. "Es muss davon ausgegangen werden, dass die Taten bandenmäßig vorbereitet werden."

Infolge der ansteigenden Weltkonjunktur nahm auch die Metallnachfrage zu, die Metallpreise kletterten in die Höhe. Für 100 Kilogramm Kupfer könne ein Dieb zurzeit rund 480 Euro erlösen, für Messing 300 Euro und für Bronze sogar 650 Euro, sagt der Heidelberger Polizeisprecher Dieter Klumpp. "Es liegt der Verdacht nahe, dass die Diebstähle auch zur Finanzierung von Rauschgiftkonsum verübt werden." Patrouillen auf Friedhöfen seien nicht geplant. "Wir haben aber die Streifenwagen-Besatzungen angewiesen, besonders nachts rund um Friedhöfe auf verdächtige Fahrzeuge zu achten"

Stärkere Kontrolle

Ein Steinmetz auf dem Bergfriedhof meint: "Es wird schwer sein, die Diebe auf frischer Tat zu ertappen. Schließlich wohnt ja niemand auf dem Friedhof." Auch wenn der Handwerker indirekt - in Form von Aufträgen - von den Diebstählen profitiert, findet er die Vorfälle "schon sehr erbärmlich". Einen Meter weiter wird kräftig geputzt. Karl-Friedrich von Gemmingen ist mit seiner Frau Hilde und einigen Bürsten, Wassereimer und Spülmittel gekommen. "Das ist eine richtige Sauerei, was hier geschehen ist. Nichts mehr ist heilig", klagt der Mannheimer Gewerbeschullehrer.

Die Heidelberger Schrotthändlerin Tanja Hutt hat aus der Presse von den Metalldiebstählen erfahren. "In den vergangenen Tagen haben wir noch strenger kontrolliert, was uns angeboten wurde." Alles werde dokumentiert und jeder, der Metallgegenstände anliefert, müsse seinen Personalausweis zeigen. In der Branche gebe es durchaus schwarze Schafe. Hutt sich ist aber sicher, dass es zumindest in Deutschland äußerst schwierig sei, Metall von Friedhöfen zu verscherbeln.

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