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Größte deutsche Unternehmen mehrheitlich in ausländischer Hand

Von dpa, t-online
Aktualisiert am 01.05.2012Lesedauer: 3 Min.
Objekt der Begierde: Ausland immer stärker in DAX-Unternehmen engagiert - zwei Drittel von Daimler gehören bereits externen Investoren
Objekt der Begierde: Auslandsinvestoren immer stärker in DAX-Unternehmen engagiert (Quelle: Reuters-bilder)
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Die größten deutschen Konzerne sind gar nicht mehr "richtig" deutsch. Denn bei den meisten im Deutschen Aktienindex DAX zusammengefassten Unternehmen haben inzwischen überwiegend ausländische Investoren das Sagen. Das geht aus einer Studie zur Anlegerstruktur bei den 30 Börsen-Schwergewichten hervor, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young erstellte.

Demnach befinden sich mindestens 54 Prozent aller von den DAX-Konzernen ausgegebenen Aktien in ausländischem Eigentum. Nur 42 Prozent entfallen noch auf das Inland. Die Differenz von vier Prozent ist nicht zuzuordnen - an den ausländischen Mehrheitsverhältnissen ändert das aber nichts, sie könnten allenfalls noch größer ausfallen.

Vier Fünftel der Deutschen Börse im Ausland

Innerhalb der Einzelwerte ergibt sich ein unterschiedliches Bild. So reicht der Auslandsanteil von lediglich 21 Prozent beim Münchner Lkw-Hersteller MAN bis hin zu 81 Prozent bei der Deutschen Börse. Der Lastwagenbauer gehört inzwischen mehrheitlich dem Volkswagen-Konzern.

Pharma-Konzern Merck führt Rangliste an

Ein Ausreißer nach oben ist der Pharma- und Chemiekonzern Merck, der mit 88 Prozent Auslandsanteil die Rangliste anführt. Dort wurde für die Berechnung jedoch nur das in Aktien eingeteilte Grundkapital betrachtet - nicht der von der E. Merck KG gehaltene Anteil von etwa 70 Prozent am Gesamtkapital. Auch andere Feinheiten der jeweiligen Aktionärsstrukturen berücksichtigt die Studie nicht. So haben etwa die Autobauer BMW und Volkswagen mit der Familie Quandt bzw. dem Land Niedersachsen und der Porsche /Piëch-Familie Ankerinvestoren, die für ein langfristiges Engagement stehen, was eindeutig Sicherheit gibt.

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Gefahr einer feindlichen Übernahme bei Daimler

Beim Stuttgarter Autobauer Daimler dagegen fehlt solcher Rückhalt, weswegen sich die Schwaben gerade aktuell wieder mit Spekulationen zu ihrer Aktionärsstruktur herumschlagen. Laut Medienberichten will sich der größte Einzelinvestor Abu Dhabi von seinem rund neun Prozent starken Daimler-Paket trennen. Da dann ein großer Ankerinvestor fehlen würde, wird schon die Gefahr einer feindlichen Übernahme diskutiert, die Daimler drohen könnte, sollte sich künftig kein neuer starker Partner finden und der Aktienkurs in schwierigen Zeiten bedenklich sinken.

Lufthansa und Telekom besonders deutsch

Laut Studie liegt das Verhältnis bei Daimler über dem Schnitt der DAX-Werte: Der Aktienbestand entfällt zu 67 Prozent aufs Ausland. Besonders "deutsch" dagegen sind neben MAN die Deutsche Lufthansa (69 Prozent) und die Deutsche Telekom (58 Prozent). Auch die Wertpapiere der Deutschen Bank sind mit 52 Prozent mehrheitlich noch in Händen von Anlegern mit Sitz im Heimatland.

Ausländer-Anteile in den vergangenen Jahren deutlich erhöht

Die Autoren der Studie schreiben: "Im Vergleich zum Jahr 2005 hat sich die Bedeutung ausländischer Investoren deutlich erhöht: 2005 waren nur 40 Prozent der Anteile in ausländischen Händen." So befänden sich nun aktuell 17 Unternehmen mindestens zur Hälfte in ausländischem Besitz. Bei HeidelbergCement, Linde und Bayer sei der Anteil des ausländischen Aktienbesitzes am stärksten gewachsen.

Bei den ausgegebenen Aktien - egal ob nun in aus- oder inländischem Besitz - dominiert die Gruppe der institutionellen Investoren, zu denen etwa Pensions- und Investmentfonds gehören. Sie halten 62 Prozent der Anteilsscheine (siehe Grafik links). Privatanleger kommen nur auf 12 Prozent.

US-Investor BlackRock besonders aktiv in DAX-Konzernen

Die Macher der Studie verweisen auch auf konkrete Beispiele für ausländische Anleger mit besonders großem Engagement im DAX. So halte die US-amerikanische Investmentgesellschaft BlackRock Beteiligungen von zumeist mehr als drei Prozent an der Mehrzahl der DAX-Unternehmen. Dies liegt vor allem daran, dass zu BlackRock der Indexfonds-Anbieter iShares gehört, der unter anderem auch den DAX 1:1 abbildet. Eine wichtige Rolle spielen zudem Staatsfonds: Die Kuwait Investment Authority besitzt 6,9 Prozent der Daimler-Aktien, die Qatar Holding LLC verfügt über 16,4 Prozent der VW-Anteile.

Nach Einschätzung von Thomas Harms, Partner bei Ernst & Young, belegt die Studie die wachsende Attraktivität der DAX-Unternehmen auch für Investoren mit globaler Ausrichtung. "Sorge vor einem zu großen Einfluss ausländischer Investoren - gar einem Ausverkauf deutscher Konzerne - muss niemand haben", sagte Harms der Nachrichtenagentur dpa. "Die Globalisierung ist schließlich keine Einbahnstraße: In dem Maß, in dem deutsche Unternehmen auf ausländischen Märkten aktiv sind und dort investieren, zeigen auch ausländische Investoren zunehmend Interesse an einer Beteiligung an deutschen Top-Konzernen." Dieser Trend zeige nur die immer stärkere Verflechtung der Weltwirtschaft.

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