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Superjet-Absturz ist Rückschlag für russische Luftfahrtindustrie


Luftfahrtindustrie  

Superjet: Absturz eines russischen Hoffnungsträgers

11.05.2012, 13:56 Uhr | Martin Mrowka mit Material von dapd, AFP und dpa, t-online.de, dapd, AFP, dpa

Superjet-Absturz ist Rückschlag für russische Luftfahrtindustrie . Russischer Superjet 100 im Anflug: Absturz in Indonesien könnte weiteren Markterfolg behindern  (Quelle: dapd)

Russischer Superjet 100 im Anflug (Quelle: dapd)

Der Superjet 100 war die große Hoffnung der russischen Luftfahrt-Industrie. Doch das Flugzeug stürzte ausgerechnet bei einem Demonstrationsflug ab, bei dem asiatische Kunden geworben werden sollten. Alle Insassen kamen an dem indonesischen Vulkan Salak ums Leben. Der tragische Absturz wird so vielleicht zum Super-Gau für die Russen. Die Konkurrenz profitiert. Ein Senator schließt auch Sabotage nicht aus.

Große Hoffnung der russischen Industrie

Mit dem Absturz ihres neuen Vorzeige-Flugzeugs hat die russische Luftfahrt wohl einen schweren Rückschlag erlitten. Noch steht nicht fest, welche Ursache hinter dem Unglück steckt. Das russische Prestigeobjekt war mit modernster Technik aus verschiedenen Ländern ausgerüstet. Auf seiner Webseite präsentiert der Hersteller Suchoj den Superjet 100 als Maschine, welche "die besten modernen Lösungen der Aeronautik" vereine und "ein hohes Exportpotential" habe. Mehrere internationale Konzerne sind am Superjet 100 beteiligt, darunter der französische Motorenhersteller Snecma, der Thalès-Konzern sowie die deutsche Firma Liebherr. Die italienische Alenia Aeronautica von der Finmeccanica-Gruppe stieg 2009 mit 25 Prozent des Kapitals in die Passagierflugzeugsparte von Suchoj ein.

Suchoj hatte gerade erst begonnen, das Flugzeug im asiatischen Markt vorzustellen. Am 9. Mai war er in Jakarta angekommen, zuvor in Birma, Pakistan und Kasachstan präsentiert worden. Laos und Vietnam standen als nächstes auf dem Programm. Der Superjet 100 (SSJ 100) sei die große Hoffnung der russischen Industrie gewesen, sagte der australische Luftfahrt-Experte Tom Ballantyne.

Lebenswichtig für die russische Industrie

"Wenn es ein technischer Fehler war, wird es sicherlich sehr ernst werden" für die russische Luftfahrt-Industrie, erklärte Ballantyne. Sollte Ursache hingegen beim Piloten oder bei der Flugsicherung zu finden sein, könnte der Konzern Suchoj sagen, es habe nicht am Flugzeug gelegen. Russland habe in den vergangenen Jahren eine "schlechte Bilanz" in der zivilen Luftfahrt gehabt. "Daher war dieses Flugzeug lebenswichtig für die russische Industrie", sagte Ballantyne. Das Flugzeug sollte die veralteten Sowjet-Maschinen vom Typ Tupolew-134 ersetzen, die in den vergangenen zehn Jahren in mehrere Katastrophen verwickelt waren und weitgehend ausgemustert wurden.

Konkurrenz für Bombardier und Embraer

Der Superjet 100 sollte vor allem dem brasilianischen Konzern Embraer und dem kanadischen Unternehmen Bombardier Konkurrenz machen und endlich die seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 kriselnde russische Luftfahrt-Industrie wieder in Schwung bringen. Mit einem Preis von rund 35 Millionen Dollar (etwa 27 Millionen Euro) ist der Mittelstrecken-Jet im Vergleich zur Konkurrenz relativ günstig. Mehr als 170 Bestellungen lagen Scuhoj bereits vor, der damit auf dem Weltmarkt auch in Konkurrenz zu den Konzernen Airbus und Boeing treten wollte.

Riesiger Markt für Mittelstrecken-Jets

Die beiden Luftfahrt-Riesen beherrschen den Flugzeugmarkt mit großem Abstand. Global betrachtet entfallen fast 90 Prozent aller Flugzeug-Bestellungen auf die Europäer oder Amerikaner. Doch vor allem die Klasse der relativ kleinen Flieger für etwa 100 bis 200 Passagiere gilt weiterhin als riesiger Zukunftsmarkt. Airbus schätzt, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten etwa 70 Prozent aller ausgelieferten Flugzeuge auf Mittelstrecken-Jets entfallen. Und davon wollen Suchoj, Bombardier und Embraer ein großes Stück abhaben.

Acht Maschinen fliegen seit 2011 in Asien

Die zweistrahlige Maschine aus Komsomolsk (etwa 7000 Kilometer östlich von Moskau) bietet je nach Version 78 bis 98 Passagieren Platz und hat eine maximale Reichweite von 4500 Kilometern. Zum ersten Mal hob 2008 ein Superjet 100 ab, die erste Lieferung ging im April 2011 an Armenien. Insgesamt sind acht Maschinen dieses Typs bei der armenischen Fluggesellschaft Armavia und der russischen Aeroflot in Betrieb. Italien hat bestellt, vorläufige Abkommen wurden unter anderem mit Gesellschaften aus den USA und Spanien geschlossen.

Foto-Serie mit 4 Bildern

Die Flugzeugbauer von Suchoj sind ambitioniert. Anfang des Jahres gab der stellvertretende Ministerpräsident Dmitri Rogosin bekannt, die russische Flugzeugbauholding OAK, zu der Suchoj seit Ende 2006 gehört, wolle bis 2020 fast 500 Maschinen vom Typ SSJ 100 bauen. Die Produktion solle in den kommenden Jahren von zunächst 14 Flugzeugen 2011 auf 60 bis 70 Maschinen pro Jahr steigen, meldete die Nachrichtenagentur RIA Novosti.

Relativ günstiger Preis

Das Flugzeug, dessen Katalogpreis bei 30 Millionen Dollar (rund 23,2 Millionen Euro) liegt, wurde im Februar von der Europäischen Luftsicherheitsbehörde EASA für den Luftraum der EU zugelassen. Doch bereits einen Monat später musste der Suchoj-Mutterkonzern OAK technische Probleme einräumen und eine Überprüfung aller Maschinen ankündigen. Grund war eine Fahrwerk-Panne.

Airbus A320 ebenfalls auf Demo-Flug abgestürzt

Übrigens hatte auch der heute sehr erfolgreiche Airbus A320 Probleme vor der Markteinführung. Ein Exemplar verunglückte im Juni 1988 bei einem Demonstrationsflug nahe Mülhausen ab. Der Air-France-Airbus streifte ein paar Bäume und stürzte ab - vier Menschen kamen ums Leben, mehr als zwanzig wurden verletzt. Als Absturzursache galt ein Pilotenfehler, auch wenn das von einigen Kritikern bezweifelt wurde. Dem Markterfolg des A320 hat das kaum geschadet.

Immer wieder kritisiert

Beim Superjet könnte es hingegen nicht so gut laufen. Selbst der bislang größte Kunde Aeroflot kritisiert den Flieger als "noch nicht zuverlässig genug". Mitarbeiter der Fluggesellschaft Aeroflot beklagten auch fehlerhafte Sensoren in der Kabine. Immer wieder war der hochmoderne Flugzeugtyp in den vergangenen Jahren unter Beschuss geraten. Ein Luftfahrtexperte geht indes diesmal eher von einem Pilotenfehler als von einer technischen Panne aus. "Die Crew kam aus Moskau und musste bei Dämmerung auf extrem unübersichtlichem Terrain auf Sicht fliegen", sagt der Mann, der ungenannt bleiben will. Gerade in Indonesien seien in den vergangenen Jahren immer wieder Flugzeuge wegen der schwierigen lokalen Verhältnisse abgestürzt.

Spekulation über Anschlag

Der russische Senator Alexander Torschin forderte, bei den Ermittlungen einen möglichen Anschlag nicht auszuschließen. Der Konkurrenzkampf in der internationalen Luftfahrt sei extrem hoch, sagte der Vizechef des Föderationsrates. Außer Russland habe niemand Interesse an einem solch neuartigen Passagierflugzeug, sagte er der Agentur Interfax. Die Ermittler müssten die Frage stellen, wem ein solches Fiasko nütze. Einen Fehler des Piloten, den er als erfahren bezeichnete, bezweifelte der Politiker. Russische Behörden betonten, dass es weiter keinen Grund für einen Stopp des Prestigeprojektes gebe.

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