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Rätselraten um Bundesbank-Gold hält an


Bundesbank  

Wo ist das Gold der Bundesbank?

t-online.de - Frank Lansky

21.05.2012, 18:35 Uhr
Rätselraten um Bundesbank-Gold hält an. Zentralbank-Barren der Deutschen Bundesbank (Quelle: dpa)

Zentralbank-Barren der Deutschen Bundesbank (Quelle: dpa)

Seit Jahren schwirrt eine Verschwörungstheorie durch Internet-Foren: Die Bundesbank hält wesentlich weniger Gold, als sie behauptet. Der Streit erhält nun neue Nahrung: Allenfalls ein Drittel der Bestände liege in Deutschland - und die Lager im Ausland werden kaum kontrolliert, monierte jetzt der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler in der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Der Parlamentarier wirft der Bundesbank die Verletzung ihrer Bilanzierungspflichten vor. Die Bundesbank weist die Vorwürfe zurück.

Wieviel physisches Gold hält die Bundesbank wirklich?

Unter dem Titel "Wo ist das Gold der Deutschen?" stellt Gauweiler in der "SZ" fest, dass die Bundesbank zum 31. Dezember 2011 rund 3400 Tonnen Gold oder 109 Millionen Unzen Feingold besaß. Damit ist sie nach den USA der zweitgrößte Goldbesitzer der Welt. Der Wert der Bilanzposition "Gold und Goldforderungen" belief sich somit zum Jahresende 2011 auf 132,9 Milliarden Euro.

Und hier wird Gauweiler stutzig - die Sammelposition sei kritisch zu betrachten. Denn es sei ein großer Unterschied, ob die Bundesbank physische Goldbestände in ihren und anderen Tresoren hält, oder ob es sich nur um sogenannte "Goldforderungen" handelt.

Papiergold oder echtes Gold?

Dahinter verberge sich vielleicht nur "Papiergold" – also Ansprüche auf physisches Gold im Besitz eines anderen, etwa in Form von Goldleihgeschäften. Damit existiere ein enormes Risiko: Die Gegenpartei könne sich schlicht weigern, das Metall herauszugeben – oder sie könne nicht mehr in der Lage sein, zu liefern. Gauweiler fordert nun Aufklärung darüber, wie viel Gold die Deutsche Bundesbank wirklich selbst kontrolliert, und wie viel sie nur auf dem Papier besitzt.

Die Notenbank wies die Vorwürfe im Gespräch mit t-online.de zurück: "Bei den Reserven der Bundesbank dreht es sich ausschließlich um physisches Gold", erläuterte Bundesbank-Sprecherin Susanne Kreutzer. Bei dem Begriff "Goldforderungen" handele es sich nur um den Namen der Bilanzposition.

Deutsches Gold im Ausland wird kaum kontrolliert

Der CSU-Politiker kritisiert einen weiteren Punkt: In ihrem Geschäftsbericht 2011 schreibt die Deutsche Bundesbank, dass die Lagerung der deutschen Goldbestände nicht nur in eigenen Tresoren erfolge, sondern auch bei der Federal Reserve Bank of New York, der Bank of England und der Banque de France. Laut Gauweiler ruht der Großteil in New York.

Diese Goldreserven sind eine Folge der großen Außenhandelsüberschüsse, die die Bundesrepublik in den 50er und 60er Jahren erwirtschaftete und in Gold umtauschte, wie das "Wall Street Journal" auf seiner deutschen Website erläutert. Diese Praxis endete 1967, als Deutschland freiwillig darauf verzichtete, seine Dollar-Überschüsse in Gold einzutauschen.

Lasche Kontrollen im Ausland

Offensichtlich befürchtet Gauweiler, dass das deutsche Gold verwechselt wird. Oder dass es gar von Geschäftsbanken für Leihgeschäfte zweckentfremdet wird. So verweist der CSU-Politiker darauf, dass die Federal Reserve Bank im Besitz der amerikanischen Geschäftsbanken ist.

Konkret kritisiert Gauweiler in der "SZ", dass die Bundesbank die im Ausland gelagerten Goldbestände nur lasch kontrolliere. Sie beschränkte sich auf Kontrollmitteilungen und "Bestandsbestätigungen" der ausländischen Besitzer, respektive Verwahrer. Laut einer Mitteilung der Bundesregierung vom 13. Dezember 2010 haben letztmalig am 11. Juni 2007 Bundesbank-Mitarbeiter bei der Fed in New York "die Tresoranlagen betreten und besichtigt".

In Frankfurt wird gezählt

"Also wird nicht geprüft, ob die bei der externen Verwahrstelle im Jahr 2007 gezeigten Barren tatsächlich die nummerierten Bundesbank-Barren sind, und damit werden naheliegende Fragen hinsichtlich der Identität und Qualität offengelassen", erläutert Gauweiler weiter.

Die Bundesbank erklärte dazu: "Von diesen Notenbanken erhält die Deutsche Bundesbank jährlich Bestandsbestätigungen an Feinunzen Gold als Grundlage für die Bilanzierung. An der Integrität und der Reputation dieser ausländischen Lagerstellen gibt es keinen Zweifel." Weiter heißt es: "Eine Vermischung mit den Beständen Dritter ist ausgeschlossen."

Gauweiler verweist in der "Süddeutschen" jedoch auf das Vorgehen in Frankfurt: Vor wenigen Tagen hat der CSU-Abgeordnete zusammen mit Parlamentariern und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann den Goldtresor am Main besucht. "Das dort gesicherte und gelagerte Staatsgold wird - Stück für Stück - regelmäßig körperlich in Augenschein genommen, regelmäßig (einmal jährlich) gezählt und (...) auf seine Qualität geprüft und gewogen."

Der Bundestag will Auskunft

Das Ende des Krimis steht noch aus. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat vom Bundesrechnungshof einen Bericht angefordert, den der "in relativ kurzer Zeit" mit einer ergänzenden Stellungnahme der Notenbank zusenden will - und zwar ungeschwärzt. Die Bundesbank hatte sich Presseberichten zufolge massiv gegen diesen Bericht gewehrt und wegen der Sicherheitsbelange des Auslandes eine Schwärzung von Passagen verlangt. Wahrscheinlich wird der Bericht nicht komplett veröffentlicht.

Auch hierzu nahm die Bundesbank Stellung: "Zwischen Bundesrechnungshof und Bundesbank gibt es einen Dissens bezüglich des Umfangs der körperlichen Bestandsaufnahme der im Ausland gelagerten Goldreserven. Der vom Bundesrechnungshof gewünschte Prüfumfang entspricht nicht den Usancen zwischen Notenbanken." Weiter ist für die Bundesbank "mit den vorliegenden Unterlagen und den angewendeten Verfahren" der Nachweis über die ausgelagerten Goldbestände "vollständig und seit Jahrzehnten nachvollziehbar erbracht".

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