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Harter Kampf ums Werk: Eklat bei Opel in Bochum


Harter Kampf ums Werk: Eklat bei Opel in Bochum

16.06.2012, 13:55 Uhr | dapd, dpa, t-online.de

Harter Kampf ums Werk: Eklat bei Opel in Bochum. Die Bochumer Opelaner kämpfen für eine Standortgarantie über 2016 hinaus (Quelle: dpa)

Die Bochumer Opelaner kämpfen für eine Standortgarantie über 2016 hinaus (Quelle: dpa)

Turbulente Betriebsversammlung bei Opel in Bochum: Im Kampf um den Erhalt des Werks auch über das Jahr 2016 hinaus will der Betriebsrat nicht nachgeben. Tausende Kollegen hörten sich die angereisten Chefs gar nicht erst an, die Versammlung wurde abgebrochen.

Personalvorstand kommt nicht zu Wort

Der Betriebsratsvorsitzende von Opel in Bochum, Rainer Einenkel, hat eine Standortgarantie für das Werk über das Jahr 2016 hinaus gefordert. Bei einer Belegschaftsversammlung am Samstag im Ruhrcongress hätten jedoch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke und der ebenfalls anwesende Personalvorstand Holger Kimmes signalisiert, dass eine derartige Zusage von ihnen nicht zu erhalten sei, sagte Einenkel.

Spontan brachen die rund 2000 Opelaner die Veranstaltung ab und ließen das Management im Saal zurück. Das Treffen war bereits nach etwa 90 Minuten beendet. Eine geplante Rede von Holger Kimmes fiel ins Wasser.

Freude über Provokation

Den Opelanern war die Freude über die provokante Aktion durchaus anzumerken. "Geschieht ihnen recht. Was anderes verstehen die ja nicht", sagte einer. "Das war jetzt der erste Schritt, um zu zeigen, dass wir uns nicht mehr alles gefallen lassen", erklärte Dario Krockenberger, der bei Opel im Rohbau arbeitet. Ein Kollege ergänzte, er hoffe jetzt auf einen Streik.

Auch Rainer Einenkel gab sich kämpferisch. "Wir haben zur richtigen Zeit die richtige Antwort gegeben", sagte er. Solange die Opel-Leitung die "Planspiele" zur Schließung des Bochumer Werkes nach 2016 "nicht vom Tisch" nehme, behalte man sich "kreative Aktionen" vor.

Betriebsrat kündigt Überraschungen an

Wie die aussehen könnten, dazu wollte der Betriebsratschef noch keine Angaben machen. Die Botschaft an das Opel-Management laute einstweilen: "Wir sind bereit, euch zu überraschen!" Der Ball liege nun beim Management, sagte Einenkel.

Ziel müsse eine Standortgarantie für das Werk über 2016 hinaus sein. Das Bochumer Opel-Werk habe die "höchste Auslastung aller Werke", betonte Einenkel. Man fahre "volle Dreischichtigkeit" bei der Produktion und lasse in diesem Jahr rund 140.000 Fahrzeuge vom Band laufen.

Zugang zu wichtigen Auslandsmärkten verweigert

Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) will die Produktion in den europäischen Fabriken des verlustreichen Autoherstellers umschichten, um Kosten zu sparen. Werksschließungen sind dabei nicht ausgeschlossen. Die Arbeitnehmervertreter kritisieren, dass der US-Konzern der Tochter seit Jahren den Zugang zu wichtigen Auslandsmärkten wie China verweigert.

Gnadenfrist für das Werk in Bochum

Das Opel-Management will mit der IG Metall und den Betriebsräten über einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 verhandeln. Das vom Aus bedrohte Werk in Bochum soll nicht schon im Jahr 2015 geschlossen werden, sondern frühestens zwei Jahre später, wenn die aktuelle Zafira-Fertigung ausgelaufen ist. Das Management erwartet dafür Entgegenkommen bei der Umsetzung des Tarifabschlusses 2012.

Beschäftigte über Transfergesellschaft in neue Jobs vermittelt

Opel-Beschäftigte zeigten sich nach der Versammlung empört über die Pläne. "Wir werden auf keinen Fall für unsere eigene Beerdigung bezahlen", sagte Opel-Vertrauensmann Rainer Weinmann. Wie die "WirtschaftsWoche" berichtete, könnten Opel-Arbeiter durchaus in anderen Branchen Arbeit finden. Die Betroffenen des 2010 beschlossenen Abbaus von 1800 Arbeitsplätzen seien über eine Transfergesellschaft zu 75 Prozent vermittelt worden.

Der Mediziner und Buchautor Dietrich Grönemeyer, Bruder des ebenfalls in Bochum aufgewachsenen Sängers Herbert Grönemeyer, empfahl in der Zeitung die Gesundheitswirtschaft in der Stadt als Arbeitgeber für ehemalige Opel-Beschäftigte.

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