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Wann beginnt der Kampf um die Ressourcen?


Wann beginnt der Kampf um die Ressourcen?

21.06.2012, 11:21 Uhr | t-online.de , dapd

Wann beginnt der Kampf um die Ressourcen?. Die Kumba-Eisenmine in Khathu, Südafrika. (Quelle: Reuters)

Die Kumba-Eisenmine in Khathu, Südafrika. (Quelle: Reuters)

Es scheint, als ob die Welt eine neue Form des Kalten Krieges erleben wird, einen Kampf um ein immer knapper werdendes Gut - die Rohstoffe der Erde. Anlässlich des UN-Umweltgipfels in Rio warnt deshalb der Nachhaltigkeitsexperte Holger Rogall vor weltweiten Konflikten um Ressourcen. Die Befürchtung, dass es in Afrika zu Stellvertreterkriegen zwischen den USA und China komme, sei "absolut realistisch", sagte der Professor für nachhaltige Wirtschaft an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht im dapd-Interview. Auch das "Handelsblatt" (HB) schreibt, dass unter anderem Deutschland stark von der Entwicklung gefährdet ist.

Konzept der "Grünen Wirtschaft"

Seit Mittwoch findet in Brasilien der Gipfel zur nachhaltigen Entwicklung statt. Diplomaten und Regierungschefs aus allen Teilen der Erde befassen sich während der Konferenz mit dem Konzept einer "Grünen Wirtschaft" und den Rahmenbedingungen für eine nachhaltigere Entwicklung.

Eine Gefahr für Deutschland

Das "Handelsblatt" richtet den Blick auf Deutschland und seine Industrie. Im Mittelpunkt steht dabei ein mögliches Horrorszenario mit der Überlegung, was passieren würde, wenn hierzulande die Versorgung mit Ressourcen unterbrochen würde. Denn insbesondere Länder wie Deutschland, die arm an eigenen Rohstoffen sind, würden immer abhängiger von einer Versorgung aus den Schwellenländern und benötigten daher eine effizientere Nutzung der Industrie.

Binnen kürzester Zeit stünden die Bänder in den Fabriken still, die Produktion würde zum Erliegen kommen - und zu guter Letzt würde beim Exportweltmeister Deutschland das Licht ausgehen. Unrealistisch ist solch eine Vorstellung nicht. Denn wie das "Handelsblatt" weiter berichtet, bereiten stark steigende Preise vielen Unternehmen Deutschland seit Langem Sorge. Knapp 1,4 Milliarden Tonnen unterschiedlichster Rohstoffe benötige die deutsche Industrie jährlich. Um diesen Bedarf zu decken, müsse Deutschland laut einem Bericht der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover in zunehmendem Maße Grundgüter aus aller Welt importieren.

Kampf auf offenem Gewässer

Und das birgt Gefahren: Die auf Sicherheitsfragen spezialisierte Beratungsgesellschaft Sandfire hat in einer Analyse, die dem "HB" vorliegt, die Gefahrenherde für die Handelswege und damit die Energie- und Rohstoffversorgung Deutschlands ausgemacht. Diese betreffe vor allem die Seewege, der wichtigste Transportweg für den Welthandel.

In den Gewässern der Erde bedrohen Piraten die Seewege, zudem gefährden politische Instabilität und Krisenherde wichtige Nadelöhre des Seehandels wie den Panama-Kanal oder den Seeweg zu den Ölvorkommen des Persischen Golf. "Die Destabilisierung strategisch bedeutender Küstenregionen bedroht deutsche Sicherheits- und Rohstoffversorgungsinteressen", heißt es in der Auswertung, die "Handelsblatt Online" exklusiv vorliegt.

Die Macht der Lieferanten

Doch nicht nur die Handelswege, auch die Lieferländer könnten Probleme bereiten, da Importe die Konjunkturlokomotive Deutschland abhängig vom guten Willen der Produzenten machten. "Die Versorgung mit Energie- und Rohstoffen impliziert Abhängigkeit. Diese wird zunehmen, weil neue Ressourcenvorkommen in geografisch und geologisch schwieriger zugänglichen Regionen liegen", ist eine der Kernthesen der Sandfire-Studie.

Bei bestimmten Grundgütern wie den sogenannten Seltenen Erden, die besonders in der High-Tech-Industrie unentbehrlich sind, ist China der Hauptproduzent und kontrolliert die Ausfuhren. Im Zweifelsfall räume Peking den eigenen Unternehmen vorrangig den Zugriff ein. So hat China die Exporte an sogenannten Seltenen Erden, die in hochwertigen Gütern wie Handys, Elektrofahrzeugen oder Windrädern stecken, für das erste Halbjahr 2012 um 27 Prozent gekürzt, wie das "Handelsblatt" erklärte. Chinas Weltmarktanteil beträgt derzeit 97 Prozent.

"Wir brauchen eine Langzeitökonomie"

Holger Rogall, der seit 2011 Leiter des Instituts für Nachhaltige Ökonomie ist, vertritt die Theorie, dass eine Annäherung der Aspekte Ökologie und Wirtschaft zwingend notwendig sei. "Ein Wirtschaften ohne Ökologie kann es auf Dauer nicht geben", sagte er. Vielmehr müssten sich die wirtschaftlichen Ziele ändern. "Gewinnmaximierung in möglichst kurzer Zeit ist kein sinnvolles Ziel mehr. Wir brauchen eine Langzeitökonomie", sagte Rogall. Dazu müssten die Manager jetzt mit dem nachhaltigen Umbau ihrer Unternehmen beginnen.

Eine zentrale Maßnahme sieht der Forscher in der effizienteren Nutzung von Ressourcen. "Wenn man die Lebenszeit von Gütern verdoppelt, kann fast die Hälfte an Ressourcen eingespart werden, ohne den Konsum einzuschränken", sagte Rogall. Bis 2050 müsse der Verbrauch von Ressourcen mindestens halbiert werden. Dazu sollten sich aus Sicht des 57-Jährigen auch die Endverbraucher überlegen, "ob sie jede Modewelle mitmachen wollen".

Er geht sogar so weit, dass er die aktuelle Lage mit der Situation zu Beginn des 20. Jahrhunderts vergleicht. "Damals gab es wie heute den Konflikt um Ressourcen, der endete im Ersten Weltkrieg."

Gründe für den Ersten Weltkrieg

Die Ursachen für den Ersten Weltkrieg sind auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, die aber im Grunde alle zusammenhängen und aufeinander wirkten. Neben einem ausgeprägten Nationalismus, der in fast allen Nationen dieser Zeit vorherrschte und einem immer wichtiger werdenden Militarismus - einhergehend mit einer unbändigen Aufrüstung in den führenden Industrienationen - wurde der Wunsch nach Macht und Besitzungen immer stärker. Imperialistisches Gedankengut und eine immer schneller wachsende Industrie führten letztlich zu einem Rüstungswettbewerb und zu wirtschaftlichen Konkurrenzen. Ressourcenknappheit und eine große Nachfrage mussten gedeckt werden.

Bis 1914 wurde die Welt unter den Kolonialmächten aufgeteilt. Die Völker in den Kolonien waren den Kolonialmächten dabei unwichtig. Es herrschten Unterdrückung, Ausbeutung und Demütigung. Die Motive waren Vergrößerung der industriellen Produktion, die Suche nach unerschlossenen Märkten sowie eine Jagd nach Rohstoffen und neuen Absatzmärkten - Kriterien des Imperialismus.

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