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Opel plant für eine "starke Zukunft"


Opel plant für eine "starke Zukunft"

28.06.2012, 17:48 Uhr | t-online.de, AFP, dpa

Opel plant für eine "starke Zukunft". Das Opel-Werk in Bochum - die Zukunft bleibt ungeklärt (Quelle: dpa)

Das Opel-Werk in Bochum - die Zukunft bleibt ungeklärt (Quelle: dpa)

Die Aufsichtsratssitzung bei Opel ist beendet und nun geht es darum, den Automobilkonzern in eine erfolgreichere Zukunft zu lenken. Aus diesem Grund hat der Opel-Aufsichtsrat die Vorstandspläne zur Stärkung des Konzerns gebilligt. Opels neue Strategie fällt zunächst milde aus: keine Werkschließungen, keine Entlassungen. Doch kann der sanfte Umbau den Traditionshersteller retten? Die US-Mutter GM hat mit Chevrolet längst eine Alternative auf Europas Straßen gebracht. Und Auto-Experte Dudenhöffer vergleicht Opel schon mit Volkswagen (VW).

"Opel ist auf dem richtigen Weg“, urteilte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer im Gespräch mit t-online.de. Dudenhöffer ist Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, er gilt als "Autopapst“ in Deutschland.

Enge Zusammenarbeit mit PSA Peugeot Citroën

PSA Peugeot Citroen und Opel suchten eine Neuausrichtung, die sich auch realisieren lasse, betonte der Experte. "Opel und PSA werden gemeinsam sparen – indem sie ähnlich wie Volkswagen gemeinsame Plattformen bauen, auf denen verschiedene Modelle basieren". Dies erlaube die Produktion in größeren Stückzahlen und bringe Kostenvorteile. "Durch die Standardisierung können zum einen die Kosten bei den Zulieferern gesenkt werden. Zum anderen sinken die Entwicklungskosten je produziertem Wagen."

Die Marken VW, Skoda oder Audi grenzten sich erfolgreich ab, aber arbeiteten bei der Technik wo nötig zusammen, erklärte auch der Aufsichtsratsvorsitzende Stephen Girsky. "Wenn wir das genauso gut hinkriegen, können wir auch gewinnen." Ob es dann allerdings noch Werke in Deutschland braucht, um die Chevrolet-Opels zu bauen, ließ er offen.

Dudenhöffers Einschätzung bestätigten sich nun in dem von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke vorgestellten Sanierungsplan, mit dem er den angeschlagenen Autobauer wieder in die Spur bringen will. Im Mittelpunkt der Sanierung stünde demnach die Zusammenarbeit mit dem französischen Autokonzern PSA Peugeot Citroën. Befürchtungen, wonach Opel sogar französisch werden könnte, sind jedoch Dudenhöffer zufolge unwahrscheinlich. Der Experte geht davon aus, dass Opel als eigenständige Marke bei General Motors (GM) bleiben werde, einen Abverkauf des Rüsselsheimer Konzerns an PSA hält er für unwahrscheinlich: "Die Gefahr, dass PSA amerikanisch wird, ist größer als die, dass Opel französisch wird."

Bereits Ende Februar hatte die Opel-Mutter GM eine strategische Allianz mit PSA angekündigt und war mit sieben Prozent bei den Franzosen eingestiegen.

GM steht hinter Opel

Auf Entlassungen oder gar Werksschließungen verzichtet das Management - vorerst. Girsky sagte, der Plan ebne "den Weg für eine starke Zukunft von Opel". Die Opel-Mutter General Motors (GM) stehe hinter Opel und unterstütze "das Management und die Arbeitnehmervertreter darin, weiterhin gemeinsam an dem Ziel zu arbeiten, die Kundenzufriedenheit zu steigern und zügig zu Profitabilität zurückzukehren".

Keine Neuigkeiten zu Bochum

Doch ein zentrales Thema bleibt ungeklärt: Die Zukunft des bedrohten Bochumer Werkes. Das Opel-Management hatte vor zwei Wochen klar gemacht, das Werk werde nach 2016 geschlossen - die Ankündigung löste große Proteste bei Betriebsrat und Gewerkschaft aus. Ob die Schließung von Bochum bei der Aufsichtsratssitzung besprochen wurde, war zunächst nicht in Erfahrung zu bringen.

Autobauer schreibt seit 1999 Verluste

Der Autobauer steht vor großen Herausforderungen. In den vergangenen Monaten bereiteten Verluste und sinkende Verkaufszahlen dem Autohersteller Sorgen. Die Werke sind zum Teil nur schwach ausgelastet. Deswegen kündigte Opel kürzlich an, dem Werk Bochum die Produktion des beliebten Familienwagens Zafira nur noch bis zum Auslaufen der aktuellen Reihe zuzusichern. Die Fertigung wandert in ein anderes Werk.

Seit 1999 ist es Opel nur einmal gelungen, auf Jahressicht Gewinne zu schreiben - das war 2006. Alleine in den ersten fünf Monaten diesen Jahres gingen die Opel-Neuzulassungen in Deutschland um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Europaweit büßten die Rüsselsheimer und ihre britische Schwester Vauxhaull nach Daten des Automobil-Verbandes ACEA sogar um 16 Prozent ein.

Chevrolet als Vorbild

Wie es anders geht, zeigt ausgerechnet Chevrolet. Mit ihren vergleichsweise günstigen Preisen hat es die Hauptmarke von GM geschafft, im krisengeschüttelten Europa im gleichen Zeitraum um 14 Prozent zu wachsen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Die Technik stammt aus dem GM-Teileregal, die Autos werden zumeist in Südkorea gebaut und die Marke ist so amerikanisch wie Burger und Coca-Cola.

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Das Rezept scheint Europas Autokäufern zu munden. Kein Wunder, bei dem Angebot. So basiert der kompakte Chevrolet Cruze auf der gleichen Plattform wie der Opel Astra. Der Elektrowagen Chevrolet Volt und der Opel Ampera sind bis auf kleine Unterschiede sogar baugleich. Da stellen sich viele Kunden die Frage: Warum 42.900 Euro für den Opel-Stromer ausgeben, wenn es den Chevy für einen Tausender weniger gibt?

Die viel weitergehende Frage lautet dann: Warum braucht GM Opel, wenn die Europäer auch Chevrolet kaufen? Noch klaffen die verkauften Stückzahlen zwar weit auseinander: Opel kam bis Mai in Europa auf knapp 370.000 Wagen, Chevrolet auf 84.000. Doch wenn der Trend anhält, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Kräfteverhältnisse umkehren.

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