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Schlecker XL macht dicht: 1100 Beschäftigte verlieren Jobs


Nach der Muttergesellschaft schließt auch Schlecker XL

29.06.2012, 11:57 Uhr | dpa-AFX, dpa, dapd

Schlecker XL macht dicht: 1100 Beschäftigte verlieren Jobs. Das Risiko war den Investoren zu groß: Das Aus für Schlecker XL (Quelle: dpa)

Das Risiko war den Investoren zu groß: Das Aus für Schlecker XL (Quelle: dpa)

Schreckensnachricht für weitere Mitarbeiter von Schlecker: Nun werden auch die XL-Filialen geschlossen und damit verlieren rund 1100 Beschäftigte ihre Jobs. Für eine Fortführung der Tochter der insolventen Drogeriemarktkette mit ihren bundesweit rund 350 Filialen gebe es "keine wirtschaftlich vertretbare Perspektive", teilte der Insolvenzverwalter nach einer Sitzung des Gläubigerausschuss mit. Als Hürde erwiesen sich erneut mögliche Klagen. Eine Chance besteht hingegen noch für Ihr Platz.

Angst vor Klagen

Die Schlecker-XL-Märkte waren im Gegensatz zu den normalen Schlecker-Filialen, die nun endgültig geschlossen wurden, größer und moderner eingerichtet. Doch Insolvenzverwalter Werner Schneider erklärte in einer Stellungnahme: "Leider konnte kein Komplettverkauf von Schlecker XL zusammen mit Ihr Platz erzielt werden". Wegen der tariflichen Einheit mit der Muttergesellschaft hätten die Investoren ein "viel zu großes und nicht kalkulierbares Risiko im Zusammenhang mit den Kündigungsschutzklagen bei Schlecker XL" gesehen.

Noch Hoffnung für Ihr Platz

Der Insolvenzverwalter muss nach eigenen Angaben im nächsten Schritt nun die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan aufnehmen. Die Mitarbeiter würden voraussichtlich bis Mitte Juli schriftlich ihre Kündigung erhalten. "Rund 1110 Mitarbeiter werden zu meinem großen Bedauern jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren", sagte Schneider. Für die ebenfalls vom Jobverlust bedrohten 3900 Beschäftigten bei Ihr Platz würden die Gespräche mit einem Investor dagegen am Montag fortgesetzt, teilte der Insolvenzverwalter mit. Ursprünglich sollte Ihr Platz zusammen mit Schlecker XL verkauft werden.

Der Entscheidung vorangegangen waren zähe Verhandlungen - für die Beschäftigten ging jetzt ein wochenlanges Hoffen und Bangen zu Ende. Zuletzt hatte es aus dem Umfeld des Insolvenzverwalters geheißen, es seien neue Interessenten in Person von namentlich nicht genannten "strategischen Investoren" aufgetaucht. Als ein heißer Kandidat für einen Einstieg war bis zum Schluss die österreichische MTH-Gruppe gehandelt worden.

Ehemalige Angestellte erwirkt Wiedereinstellung

Unterdessen hat eine ehemalige Schlecker-Angestellte vor Gericht ihre Wiedereinstellung erwirkt hat. Damit könnte sie nach Ansicht von Arbeitsrechtlern eine für die Drogeriekette teure Prozesswelle losgetreten haben. Das Arbeitsgericht Heilbronn stellte fest, "dass diese Kündigung sozialwidrig und damit unwirksam ist" und verurteilte den Insolvenzverwalter, die Klägerin weiterzubeschäftigen, wie das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg mitteilte.

Das Arbeitsgericht in Heilbronn begründete sein Urteil etwa damit, dass die Klägerin, langjährige Leiterin einer Schlecker-Filiale, einen Fall aufzeigen konnte, in dem eine vergleichbare Beschäftigte mit weniger Sozialpunkten - dazu zählen Alter und Kinder - nicht gekündigt wurde. Zudem habe der Beklagte, die Insolvenzverwaltung, die Sozialauswahl nur unvollständig begründet.

Signalwirkung für weitere Klagen

Einem Gerichtssprecher zufolge hat das Urteil eine gewisse Signalwirkung, weil sich andere Gerichte daran orientieren könnten. Allein in Baden-Württemberg sind 629 Kündigungsschutzklagen anhängig, bundesweit sind es mehr als 4500.

Laut Geiwitz spiegelt die Entscheidung die größten Bedenken möglicher Investoren wider: "Der Fall zeigt das Problem sehr klar: Der Anspruch der Frau auf einen Arbeitsplatz geht auf einen Investor über. Aus diesem Grund sind auch alle Insellösungen gescheitert: Wenn jemand zum Beispiel 50 Filialen übernähme, könnten sich die bisherigen Schlecker-Mitarbeiter in diese Betriebsstätten einklagen oder es jedenfalls versuchen", sagte Geiwitz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ).

Das endgültige Aus von Schlecker in dieser Woche hat noch eine weitere Konsequenz: Auch die bereits im Frühjahr entlassenen Mitarbeiter bekämen nun noch einmal eine Kündigung, betonte Geiwitz. "Wir müssen jetzt aus formalen Gründen allen noch einmal kündigen - weil es nun definitiv keine Betriebsstätten mehr gibt."

Chancen für Schlecker Österreich

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz widersprach jedoch Medienberichten, wonach die österreichische Schlecker-Tochter ebenfalls vor dem Aus stehe. Diese sei "nicht unmittelbar von einer Insolvenz bedroht", teilte Geiwitz mit. Aktuell fänden "erfolgversprechende Investorengespräche" für Schlecker Österreich statt. Nach Ansicht der Insolvenzverwaltung gibt es "gute Chancen für das Fortbestehen von Schlecker Österreich mit einem Investor". Mit Hochdruck werde daher an der Abkopplung von der Muttergesellschaft in Deutschland gearbeitet.

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